Filmmeinung: The Imitation Game

“Sometimes it is the people no one imagines anything of who do the things no one can imagine.”

Ein Hoch auf die Freaks, ein Hoch aufs Anderssein und trotzdem Gemeinsamkeiten finden. Das ist für mich der Film „The Imitation Game“.

Kein Film, den ich mir von der Inhaltsbeschreibung her anschauen würde: britische Wissenschaftler versuchen im 2. Weltkrieg die Enigma, das geheime Nachrichtensystem der Deutschen, zu entschlüsseln. Seit Jahren versucht meine Mama bei mir Begeisterung für den Film „Enigma“ zu wecken, seit Jahren weigere ich mich, diesen zu schauen. Interessiert mich nicht, nicht mein Thema. Mit der Zeit kam zwar ein Interesse am zweiten Weltkrieg, Geschichte und Politik, aber Wissenschaftler, Spionage und Verschwörungen? Muss nicht sein.

Und dann kommt „The Imitation Game“, in dem es sich ja genau darum dreht. Was ich nicht wusste, bis ich das erste Mal den Trailer sah. Was ich wusste, war, dass es sich um einen Film mit Benedict Cumberbatch (Sherlock!) und Keira Kneightly (Fluch der Karibik!) in den Hauptrollen handelt. Und dass er für den Oscar nominiert ist. Das war für mich Grund genug, mir den Trailer anzuschauen und in die Story eingesogen zu werden. Schon im Trailer fing ich an, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, wollte wissen, was mit ihnen geschehen würde. Also ging es Anfang Februar ins Kino (das erste von vier Malen bisher in diesem Monat).

Was mich in der ersten Hälfte des Films total überraschte: Der Humor. Wie bei Sherlock ist Benedict Cumberbatch in seiner eigenen Wissenschaftswelt gefangen, von Menschen oder dem Rest der Welt versteht er nichts und das interessiert ihn auch nicht. Daraus entstehen ziemlich witzige Dialoge, wenn sein Kollege zum Beispiel dreimal sagt „Wir gehen jetzt zum Mittag essen.“ Und er darauf nicht reagiert. Irgendwann wird der andere (übrigens der süße Chauffeur aus Downton Abbey) ziemlich genervt und meint: „ Ich habe Sie jetzt dreimal gefragt, ob Sie mit uns zum Mittag essen wollen.“ Turing (Cumberbatchs Rolle) schaut daraufhin total perplex auf: „ Nein, haben Sie nicht.“ Das klingt geschrieben wahrscheinlich kein bisschen lustig, war es im Film aber definitiv!

Der Mittelteil des Films ist eine sehr spannende Mitfieberphase, in der das Team um Turing versucht, den Code zu knacken. Außerdem kommt da Keira Kneightly mit dazu, die einen perfekten Gegenpart zu Turing darstellt und ein bisschen den Wunsch nach Emazipation mit einbringt. Hier kommt auch am meisten Zeitgeist rüber und das Lebensgefühl der Menschen in Bletchely Park wirft ein ganz anderes, für mich neues Licht auf den zweiten Weltkrieg, das nichts mit Schlachtfeldern oder Verfolgungen zu tun hat (natürlich schon, aber indirekt) und doch so einen riesigen Einfluss auf die Geschehnisse hatte.

Und dann kommt irgendwann der Schlussteil, der mich mit zitternden Beinen aus dem Kino kommen ließ. Wie es plötzlich egal wird, was Turing geleistet hat, wer er ist, was er kann. Wie seine Andersartigkeit auf einen „Gesetzesverstoß“ heruntergebrochen wird und ihn Intoleranz sowohl körperlich wie auch seelisch zerstört, nachdem er so viele Jahre und Jahrzehnte kämpft, weitermacht, sich nicht unterkriegen lässt von allen, die sich ihm in den Weg stellen. Das hat mich im Film zu Tränen gerührt und ist auch jetzt beim Schreiben ein Kloß im Hals.

Was mich an „The Imitation Game“ besonders beeindruckt hat: Neben der schauspielerischen Leistung besonders Benedict Cumberbatchs (Warum kein Oscar???) auf jeden Fall der Facettenreichtum. Humor, Geschichte, Spionage, Wissenschaft, Gesellschaftskritik, Drama und natürlich, wie einfach es ist, Randgruppen abzudrängen, zu verurteilen. Menschen, die anders sind. Die wir nicht verstehen. Das alles macht den Film sehr komplex. Ich kann kaum warten, bis es ihn auf DVD oder Netflix gibt und ich ihn nochmal schauen kann. Und nochmal. Und noch ganz oft!

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Ein Gedanke zu “Filmmeinung: The Imitation Game

  1. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Ich kann es kaum abwarten den Film endlich im Original zu sehen und mir im September die DVD zu kaufen.

    Und zu der Frage „Warum kein Oscar“ muss man einfach sagen, dass es eigentlich schon klar war, dass entweder Eddie Redmayne oder Michael Keaton den Goldjungen mit nachhause nehmen darf. Mal hat der eine einen Preis bekommen, dann wieder der andere. Es war dieses Jahr wirklich eine starke Kategorie und im Vergleich waren andere Leistungen einfach stärker. Was mich etwas verstört zurücklässt, ist die Tatsache, dass Eddie den Preis für die Darstellung von Stephen Hawking bekommen hat. Es gibt da nämlich jemanden, der Hawking schon 10 Jahre früher herausragend gespielt hat: https://www.youtube.com/watch?v=hGqcRGJ4VVY

    Aber gut, aufregen hilft nicht. Meine Rezension gibt’s übrigens hier: https://filmkompass.wordpress.com/2015/01/30/the-imitation-game-2014/

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