Filmeinung „Die Age of Adeline“

Ein Trailer wie für mich gemacht. Das 20. Jahrhundert, seine Ereignisse, seine Mode und eine wunderschöne Frau (Blake Lively), die all das erlebt. Von einem Autounfall beinahe getötet und vom Altern gestoppt, hat sie plötzlich eine Unendlichkeit vor sich. Und je länger diese sich zieht, desto unruhiger wird sie. Gibt in regelmäßigen Abständen alles auf, was sie hat, wird zu einer neuen Person. Bis sie sich verliebt und entscheiden muss, ob sie für die Ewigkeit einsam sein kann…

So viel zum Trailer. Und damit habe ich leider auch schon den Großteil des Films zusammengefasst. Denn dieser war der enttäuschendste Film, den ich dieses Jahr bisher gesehen habe, was natürlich auch meiner extremen Vorfreude geschuldet ist.

Erstmal zum Guten: Der Film ist sehr schön anzusehen. Die Farbgebung, die Schauspieler (die so viel mehr könnten!), die Kulissen und Kostüme. Die Zeit vergeht zwar, aber scheint gleichzeitig auch stehenzubleiben, so wie es Adelines Erscheinung tut. Orte aus der Vergangenheit werden besucht, Erinnerungen werden lebendig. Wie auch schon im Trailer, gefiel mir das sehr!

Solltet ihr in näherer Zukunft nach San Francisco wollen, gibt „The Age of Adeline“ einige sehr schöne Stadtaufnahmen und auch die Golden Gate Bridge spielt eine nicht unwichtige Rolle. Das hat meinen Wunsch, San Francisco zu sehen, definitiv bestätigt!

Warum hat mich der Film nun also so enttäuscht? Grund ist die Handlung. Spontan fällt mir so einiges ein, was man zum zentralen Thema des Films machen könnte: Die Geschichte San Francisco anhand Adelines Leben oder auch amerikanische/ Weltgeschichte. Sie reist viel, weiß noch viel mehr, ist live dabei, wie sich das 20. Jahrhundert entwickelt. ODER: Eine Studie ihres Charakters. Wie entdeckt sie, dass sie nicht mehr altert, wie geht sie damit um? Was ist ihr Sinn im Leben? Versucht sie Selbstmord zu begehen? Ist sie froh, über die Möglichkeiten, die die Ewigkeit ihr bietet? ODER: Fokus auf die Liebesgeschichte. Wie ehrlich muss man in einer Beziehung sein? Kann eine über 100-Jährige einen 29-Jährigen lieben? Wie ist es, Vater und Sohn zu lieben, auch wenn es in unterschiedlichen Jahrzehnten war? Und, und, und…

Worum es nun geht – um all das und irgendwie nichts davon. Alles wird angerissen. Wir sehen eine Geschichtsdokumentation, verknüpft mit ihrem Leben. Ein paar Flashbacks, wie sie zur Nomadin mit stets wechselnden Identitäten wird. Und wie sie sich verliebt. Allerdings hatte ich bei all dem das Gefühl, nur eine etwas detailliertere Version des Trailers zu sehen. Die Szenen hetzten, viel wurde ausgelassen, wir erfahren meiner Meinung nach viel zu wenig über Adeline. Alles läuft auf die Frage hinaus, ob sie ihr Leben für die Liebe ändern wird. Ob sie die Wahrheit sagt. Die Handlung plätschert vor sich hin, spitzt sich langsam zu. Und dann kommt’s. Ich werde natürlich nicht sagen was, aber dieses Ereignis macht den restlichen Verlauf des Films vollkommen klar, nimmt jeglichen Konflikt und jegliche Spannung und zerstörte für mich alles, was davor passierte. Dafür bin ich so durch den Rest des Films gezerrt worden? Ohne etwas Tieferes über Adeline oder ihr Leben zu erfahren? Für dieses an den Haaren herbeigezogene Wunder? Der Rest des Films zieht sich dann noch etwas hin, bis endlich auch die Charaktere begreifen, was passiert ist und das Happy End Einzug hält.

Adeline sagt im Film etwa: „I hate seeing lost potential.“ Und genau das ist dieser Film für mich. So gerne würde ich das Drehbuch umschreiben, würde Adeline eine detailliertere Geschichte geben, sie zu einer Frau mit einer Bestimmung machen, die durch Liebe aus der Bahn geworfen wird. Und da ohne ein Wunder wieder rauskommen muss. Oder ich hätte den Film einfach kurz vor dem Wunder enden lassen. Adelines Schicksal ist tragisch, warum es nicht auch tragisch enden lassen? So macht mich der Film, sein verlorenes Potenzial einfach nur wütend und außer ein paar schönen Bildern und Outfits, wird mir nicht viel davon bleiben…

Solltet ihr also ins Kino gehen wollen und seid auf der Suche nach einer Liebesgeschichte würde ich euch eher „The Longest Ride“ ans Herz legen! Wenn ihr auf der Suche nach Drama seid, schaut euch lieber „Woman in Gold“ an. Beides Filme mit wunderschöner, gefühlvoller und spannender Handlung und nicht nur schönen Bildern und einem oberflächlichen Drehbuch.

Ich bin gespannt, andere Meinungen zu Adeline zu hören! Bis bald, Franzi

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2 Gedanken zu “Filmeinung „Die Age of Adeline“

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