Wenn Reisen Angst macht…

Alleine reisen. Freiheit, Abenteuer, tun, was man möchte, Neues entdecken. Aber eben auch alleine sein. Unsicher sein, isoliert, auf sich gestellt. Ängstlich?

Letzteres traf bisher noch nie auf mich zu. Ich genieße es, alleine zu reisen (natürlich auch mit anderen), mag es, eine Stadt ganz unvoreingenommen und für mich kennenzulernen.

Schöne Zugfahrt.

Und genau das hatte ich letzten Samstag in Portland, Oregon (ich war auch schon in dem in Maine) vor. Zum ersten Mal nahm ich in den USA den Zug, also Amtrak, was ziemlich angenehm war. Große, gemütliche Sitze, super schöne Strecke, pünktlich, freundliches Personal, nicht zu voll. Was will man mehr. In Portland angekommen, trat ich aus der Union Station und mein erster Eindruck waren Palmen. Etwas merkwürdig und unerwartet, aber gut, ich mag ja Palmen. Der zweite Eindruck, war dann leider nicht so idyllisch. Obdachlose. Bettler. Dünne Matratzen in Hauseingängen. Zerfledderte Kleidung und halb auseinanderfallende Schuhe. Armut. Ich ließ mich davon zunächst nicht beirren. Armut und Obdachlosigkeit gibt es in jeder Großstadt, ich weiß das und rechne – vorallem in Bahnhofsvierteln – auch damit.

Union Station.

Ich machte mich also auf den Weg nach Downtown, sah Powell’s City of Books, das Art Museum, Parks, Skulpturen, Theater, Gallerien, Restaurants, Cafés und Boutiquen, den riesigen Saturday Market, die Promenade am Fluss. Und überall Obdachlose. Egal wie schön und schick die Gegend (wobei Portland generell nicht unbedingt eine schicke Stadt ist), Armut und für mich auch eine gewisse Resignation und Hoffnungslosigkeit waren allgegenwärtig. Mein nächstes Ziel war die Old City, also Altstadt. Ich lief am Fluss entlang, unter einer Brücke hindurch. Ein Meer von Obdachlosen war bereits da, ebenso wie im darauffolgenden Park und in den Straßen der Altstadt. Und ich. Das wars. Keine anderen Touristen, keine anderen Menschen. Brücke.

Mein einziger Wunsch? Raus. Weg von dieser düsteren Stimmung, meinen Schuldgefühlen, meiner Angst. Angst wovor? Das kann ich gar nicht genau sagen? Bestohlen zu werden, angegriffen, entführt,… Unterschwellig gingen mir solche Szenarien durch den Kopf. Und ich wollte sie loswerden, denn sie ließen mich schuldig fühlen. Schuldig, als Tourist mit vollem Magen und schöner Kamera durch diese Stadt zu laufen. Kunst und Kultur zu genießen, ohne mir Sorgen um Geld oder das Morgen machen zu müssen.

Old Town.

Ich fühlte mich sehr allein, was mir dieses Alleinseins bewusst wie nie. Denn ich konnte mit niemandem sprechen, diese Erfahrung nicht teilen. Ich war noch nicht einmal Teil einer Gruppe, eines Touristenschwarms, sondern auf mich gestellt. Es war, als träfe die Anklage, die von dieser Hoffnungslosigkeit ausging nur mich. Und es gab niemanden, vor dem ich mich hätte rechtfertigen können.

Ich fühlte mich wie eine Zielscheibe, auf dem Präsentierteller, wo ich doch eigentlich das erlebte, was man sich vermeintlich im Urlaub wünscht. Abseits der Touristenpfade zu wandern, das wahre Gesicht der Stadt kennenzulernen. Aber was, wenn dieses Gesicht hässlich ist? Wenn man sich instagram Lifestyle erhofft und Dunkelheit, Plastiktüten und Schmutz bekommt? Will man dann nicht lieber wieder in die Touristenblase zurück flüchten.

Bücher.

Das war es, was ich tat. Zurück zu Powell’s City of Books. Bücher, Touristen, Leben, Glück, Papiertüten mit Souvenirs gefüllt, sorgenfreie(re) Leben.

Ich hätte nicht erwartet, dass mich diese Erfahrung so verschreckt. Dachte, ich sei von anderen Städten abgehärtet und weiß nicht, ob mein Alleinsein oder das Unerwartete, der Grund für meine heftige Reaktion sind. Ich bin unzufrieden mit dieser Reaktion. Will keine Angst vor der Wahrheit haben. Will noch so viel von der Welt sehen, Orte, an denen man Portlands Obdachlose wohl als sorgenfrei sehen würde. Aber ich habe auch Angst davor. Weiß nicht, ob ich stark und mutig genug bin. Ob ich das alleine kann.

Zu diesem sehr persönlichen Post, hat mich eine Blogparade inspiriert. Das Thema: Wenn Reisen Angst macht, das ihr ursprünglich auf dem Blog Bezirzt findet.

Bis ganz bald, Franzi

PS: Ich weiß, dass die Bilder zusammen mit dem Text sehr geschönt wirken, allerdings habe ich in Altstadt so gut wie keine Fotos gemacht, also seht diesen Post als eine Art Blick hinter die Kulissen schöner Reisebilder…

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3 Gedanken zu “Wenn Reisen Angst macht…

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