1 Jahr – 5 schlimmste „Ich will nach Hause“-Momente

Heute Abend bin ich extrem müde, will aber trotzdem noch was Sinnvolles machen, von der Welt genervt und allgemein nicht so gut drauf – also in der perfekten Stimmung, um meine schon angekündigte negative Liste zu schreiben. Als mir zuerst die Idee kam, das vergangene Jahr in Form von Top 5 Listen Revue passieren zu lassen und zusammenzufassen, kamen mir Lieblingsreiseziele oder -gefühle schnell in den Sinn. Verklärt denke ich bei den letzten zwölf Monaten zuerst an all die schönen Momente, wie lieb ich meine Gastfamilie habe, was für tolle Menschen ich hier kennengelernt habe, was für spannende Reisen ich gemacht habe, wie viele schöne Erinnerungen sich hier ansammeln. Und natürlich ist all dieses Wunderbare, auch das, was meine Zeit hier ausmacht, was überwiegt und die größte Bedeutung hat. Aber es ist eben nicht alles. Bei den Orientations wurde uns gesagt: Ihr werdet keine 365 perfekten Tage haben. Und das stimmt natürlich. Wahrscheinlich war noch nicht mal ein Tag von morgens bis abends perfekt. Und das ist ja auch gut so. Denn genau diese Tiefphasen – ob sie jetzt Sekunden oder Tage gehen – braucht man eben auch. Um zu wachsen, gestärkt daraus hervorzugehen und das sicher folgende Schöne wieder so richtig schätzen zu können. Und damit ich, wenn ich in ein paar Monaten oder Jahren diesen Blog nochmal lese, nicht nur verklärt und rosarot bewölkt bin, gibt es hier eben auch fünf Momente, die mit der Frage einhergingen: „Was mache ich hier eigentlich?“

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1. Die Tage vor dem Abflug. Ja, das zählt nicht so ganz zu meinem Au Pair Jahr, aber in diesen vorerst letzten Tagen in Deutschland, war das Heimweh mit Abstand am schlimmsten. Grund Nummer 1? Meine Unsicherheit. Mag ich meine Gastfamilie so sehr wie bei Skype? Bin ich den Aufgaben eines Au Pairs überhaupt gewachsen? Kann ich mich in den USA zuhause fühlen? Dazu kam, dass jedes Treffen mit einer geliebten Person, jede Unternehmung erstmal die letzte war. Endgültig. Das führte zu ganz vielen Tränen und Heimweh, bevor ich mein Heim überhaupt verlassen habe.

South Carolina

2. Der ersten Umzüge. Ich erinnere mich noch am die erste Nacht in South Carolina, den ersten Tag in Washington. Und Heimweh. Nicht nach Deutschland, aber nach Connecticut, wo ich ja zuerst ankam und wo ich mich auch irgendwie von Anfang an zuhause fühlte. An den beiden anderen Orten hat das schon länger gedauert, vorallem in South Carolina. Seit knapp drei Wochen in den USA, erste Orientierung, erste Freunde, erste Lieblingsorte. Und dann plötzlich ganz woanders, wo es keine anderen Au Pairs gibt, alle sich auskennen, niemand mich kennt. Da habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig fremd gefühlt. Nicht schön.

Seeelfie!

3. Post-Reunions. Reunions und Besuche von zuhause gehörten ja zu meinen liebsten Gefühlen. Damit einher gehen aber eben auch die Abschiede, die Schattenseite des Reisens und Entdeckens. Wenn man erstmal in seinem Rhythmus ist, in seinem Leben hier verhaftet, ist alles gut. Aber dann kommen diese Einbrüche von Zuhause und sind schon wieder weg. Das neue Leben ist plötzlich nicht mehr vollkommen, sondern es fehlt etwas. Einer der wichtigsten Menschen fehlt und hinterlässt eine Lücke. Zurück bleiben ganz viel Vermissen und der Wunsch, wieder vereint zu sein. Zuhause. Denn Zuhause ist, wo das Herz ist und wer vermisst, hat sein Herz nicht bei sich.

Wir beide

4. Krank sein. Wer ist schon gerne krank? Niemand natürlich, krank sein ist immer doof und wohl immer eine Tiefphase, aber wenn man schon manchmal krank sein muss, dann doch bitte so, dass man sich einfach im Bett verkriechen kann, gepflegt und ansonsten in Ruhe gelassen wird. Diese Situation wird man als Au Pair schätzungsweise… nie haben. Meinen Gastkindern ist es relativ egal, wie es mir geht, wenn sie spielen und ihren Spaß haben wollen. Man möchte vor seinen Gasteltern auch nicht rumjammern, spielt herunter, wie es einem geht und leidet dann eher so still vor sich hin. Und wünscht sich zu Mama. So ging es mir, als ich im Juni eine Mandelentzündung hatte und deswegen sogar ins Krankenhaus musste. Ich konnte die Kinder nicht abhaben, die mir ganz schrecklich, wild und rücksichtslos vorkamen, ich hatte Angst, da ich nicht wusste, was los war und wollte meinen Besuch in Deutschland nur eine Woche vorziehen, um schon da zu sein…

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5. Post-Weihnachten. Weihnachten ist einer dieser Tage, vor denen es wohl jedem Au Pair graut. Man ist die eigene Familie, die eigene Kultur, die eigenen Traditionen gewöhnt. Und dann ist in diesem einen Jahr plötzlich alles anders. Mein Weihnachten mit meiner Gastfamilie war schön. Auch für sie war alles anders, wir machten unser eigenes Ding, mischten deutsche, amerikanische und britische Kultur, verbrachten die Zeit gemeinsam und mit neuen Freunden, erkundeten die Gegend und ließen es uns gut gehen. Und dann war es vorbei. Wir packten, reisten, ich fuhr nach Montreal, Silvester, Neujahr. Und dann kam ich zurück und mir wurde bewusst, dass Weihnachten vorbei ist. Dass ich es nicht mit meiner Familie verbracht hatte, keinen eigenen Baum gehabt hatte, auf keinem Weihnachtsmarkt gewesen war. Diese Realisation war nicht herzzereißend, aber schon etwas trist. Und ab da freute ich mich dann auf Weihnachten im nächsten Jahr!

Morgen ist schon der Tag meiner letzten Liste und natürlich wird es da nochmal positiver. Bei der Erinnerung an all die blöden und schwierigen Momente, geht es mir jetzt auch schon besser. Ich mach mir noch einen entspannten Abend, bis bald, Franzi

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