Filmeinung „The Intern“ und philosophische Gedanken

Ein Film mit Anne Hathaway, in Heels und mit Sonnenbrille in ein stylisches Büro schreitend. Na, woran müssen wir jetzt alle denken? Natürlich, „Der Teufel trägt Prada“, einer meiner unangefochtenen schon 21049701357 Mal gesehenen, aber immer wieder guten Lieblingsfilme. Und damit war für mich schon nach den ersten Sekunden des Trailers klar, dass ich „The Intern“ würde sehen MÜSSEN. Einfach schon aus Nostalgiegefühl.

Brooklyn Bridge.

Was neu ist? Diesmal ist Anne Hathaway nicht das eingeschüchterte Assistentenmäuschen sondern Jules, die Chefin und Gründerin eines durch die Decke schießenden Online Shops. Wie Miranda Priestly ist sie schwierig, allerdings auf ihre ganz eigene Art. Ein bisschen chaotisch, überbusy und ständig zu spät, superhip, wie sie auf ihrem Fahrrad durch das offene Loftbüro in Brooklyn cruist. Sie ist stolz auf das, was sie geschaffen hat und will das auch keinem anderen anvertrauen. Sie fährt ins Warenhaus, um zu demonstrieren, wie die Kleider richtig eingewickelt und verpackt werden, nimmt Kundenanrufe entgegen und versucht damit Hochzeiten zu retten. Sie ist ein kleiner Ordnungs- und Hygienefreak, immer am Hände desinfizieren und mit einem nervösen Blick auf den „Schrotttisch“ des Büros. Jules mag Menschen nur, wenn sie schnell reden und regelmäßig blinzeln, sie hat es nicht mit ernsten Gesprächen, neigt zu abrupten Themenwechseln, von tiefgründig zu belanglos, um ihre Gefühle zu verbergen. Nebenbei ist sie auch noch verheiratet und hat eine Tochter.

Brooklyn Hights.

Und dann ist da Ben. 70- jähriger, verwitweter Rentner. Mit viel Lebens- sowie Arbeitserfahrung, aber einem leeren Leben zwischen Tai Chi im Park und regelmäßigen Beerdigungen. Er gehört zur alten Schule, ist höflich, pünktlich, stilvoll, top organisiert, warmherzig. Das einzige, was ihm fehlt, ist das, wovon Jules zu viel hat: eine Aufgabe, Herausforderungen, Beschäftigung.

Brooklyn Bridge und River

Und so bricht er als „Seniorenpraktikant“ in die moderne, hippe und technologisierte Bürowelt von „About the Fit“ ein. Der Rentner wird anfangs belächelt, allerdings freundlich aufgenommen und wird mit seinem gut sitzenden Anzug und immer zum Trösten bereiten Taschentuch bald zum unersetzlichen Freund, Berater und Retter. Auch Jules, die doch keinen hinter ihre Fassade lassen will, erliegt nach und nach seinem Charme. Allerdings verändert nicht nur Ben mit Stil, Erfahrung und Wissen seine Kollegen, das Praktikum verändert auch ihn, gibt ihm einen Sinn im Leben sowie einen Facebookaccount.

Mehr Brooklyn

Die aufeinanderprallenden Generationen halten uns mit komischen und absurden Situationen nicht selten den Spiegel vor. Würden wir eher eine ausformulierte E-Mail mit Betreffzeile „I’m sorry“ schreiben oder tatsächlich das offene Gespräch suchen? Und was, wenn das Technikwissen nicht reicht und die falsch gesendete E-Mail nicht durch Hacken sondern nur durch einen tatsächlichen kleinen Einbruch verschwinden kann? All diese absurden Situationen und unerwarteten Entwicklungen machen „The Intern“ zu einem absoluten Wohlfühlfilm. Es macht Spaß zu sehen, wie Ben seinen Kollegen „überholte“ Werte vor Augen führt, sie mit seiner Hilfe zu glücklicheren Menschen werden und er gleichzeitig in dieser Rolle aufblüht.

Brooklyn Bridge und Skyline

Das ist allerdings nicht alles, denn je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr dreht sie sich für Jules auch um die Frage „Karriere, Familie, Glück – kann ich alles haben?“ Wie der Film diese Frage beantwortet, möchte ich natürlich niemandem vorweg nehmen, deshalb geht jetzt ins Kino und verbringt zwei schöne, gemütliche, lachende Stunden, vielleicht auch mit einem oder zwei gerührten Tränchen in den Augenwinkeln. Und kommt dann zurück und lest weiter.

Brooklyn

„Kann ich alles haben?“ Mutter sein, verliebt sein und geliebt werden, Karriere machen, Freunde haben, in mir selbst ruhen und mit mir zufrieden sein. Es gibt genug Frauen (und Männer), die versuchen, all das zu sein, die all das sind. ABER. Das uneingeschränkte JA, mit dem „The Intern“ diese Frage beantwortet, gibt es meiner Meinung nach so nicht. Es ist einfach zu perfekt. Der liebende Ehemann, die unterstützenden Kollegen und vor allem die stets verständnisvolle Tochter, die die Mutter mit einem Lächeln begrüßt und rücksichtsvoll schlafen lässt statt eine Gute-Nacht-Geschichte einzufordern. Wer hat all das schon? Und: selbst wenn man all dies hätte, müssen Prioritäten gesetzt werden. Business Meeting oder Kindergeburtstag? Erfolg und Karriere oder Hausfrau und Mutter? Irgendwas wird immer verpasst, Verlust und schlechtes Gewissen werden nicht ausbleiben, trotz sorgfältiger Planung wird jeder Tag von ihnen begleitet werden. 100% Glück, Ausgeglichenheit, Balance und noch Zeit für Tai Chi im Park – funktionieren leider nur in Hollywood…

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