Gedanken zu Paris…

„Morgen ist Freitag der 13.“, sagte eine Freundin gestern Abend in der Cheesecake Factory. Wir reagierten mit ein paar gekünstelten „Oh je“s und wandten uns dann wieder unseren New York Plänen fürs Wochenende zu.

Jetzt, etwa 24 Stunden später, ist es dieser Freitag, der 13. Ein ziemlich normaler Tag, ein schöner Tag dank Sonne, Spielplatz und Frozen Yogurt. Bis ich die ersten Meldungen sah. „Geiselnahme in Paris“, „Explosion im Stadion“. Ich sah Worte, las Schlagzeilen und machte weiter mit meinem Alltag. Dinner, Movie Night, Kinder ins Bett. Ruhig, routiniert und abgestumpft.

Wieder zurück an meinem Handy – in der Facebook-, Twitter- und Instagramwelt – häuften sich die Meldungen. Aus Frankreich, Deutschland, den USA. Sie kommen von überall her, Menschen aus aller Welt und in jeder Zeitzone lesen dieselben Nachrichten, posten dieselben Bilder und Worte der Betroffenheit. „Pray for Paris.“ „I see humans but no humanity.“ In Kommentaren wird heiß diskutiert – wie mit dieser Schreckenstat umgehen? Wie viel Alltag darf weiter existieren? Und ist es nicht schön, dass wir über so etwas diskutieren dürfen, dass wir unterschiedliche Meinungen haben dürfen, ohne deshalb um unser Leben fürchten zu müssen.

Darum geht es uns doch allen. Diese Freiheiten und Möglichkeiten haben wir jeden Tag auf so vielen Netzwerken, dass wir sie noch nicht einmal bemerken. Bis einige Menschen ihr Leben, ihre Freiheit, ihre Möglichkeiten plötzlich auf erschütternde Art verlieren. Und wir alle gleich reagieren, aber das nicht als Mainstream abtun, sondern als Solidarität wertschätzen.

So oberflächlich Social Media doch im Alltag oft scheint, so unersetzlich und wertvoll wird es in Momenten wie diesen. Wir sind weit von den tatsächlichen Geschehnissen entfernt. In einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent. Und doch wird Paris an diesem Abend ein Teil von uns, Bilder, Nachrichten, Kommentare, bringen den Schrecken zu uns, machen uns ängstlich, dankbar, verunsichert, verzweifelt. Distanziert und hautnah.

Die Welt ist groß. Aber wenn man erst einmal anfängt, sie zu bereisen – ob tatsächlich oder virtuell – auch so nah. Und so sind wir heute Nacht alle ein bisschen in Paris, bei unseren Liebsten in der Heimat oder aller Welt, bei anderen Verunsicherten und Besorgten. Und das sollte auch so sein. Denn ein Bildschirm bedeutet nicht nur Isolation. Mit ein paar Klicks kann er zu Gemeinschaft werden. Wohl das beste, was wir im Moment geben können.

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