Zukunftsgedanken

“Yesterday is history, tomorrow is a mystery, today is a gift. “ –

In der Gegenwart leben, den Moment genießen, glücklich sein. Wer diesen Blog schon etwas länger liest oder mich kennt, weiß, dass ich Planerin Nummer 1 bin. Am liebsten würde ich nichts dem Zufall überlassen, kaum rückt ein Erlebnis näher, organisiere ich schon das nächste.  Die Tatsache, dass ich diesen Blog schreibe, mein Leben festhalten möchte, zeigt ja auch, dass ich gerne in Erinnerungen schwelge, der Vergangenheit auch nicht selten ein bisschen hinterher trauere.  Und doch: in den letzten eineinhalb Jahren, die ich als Au Pair in den USA lebe, bin ich schon viel spontaner geworden, lebe viel mehr in der Gegenwart als noch vor einigen Jahren.

 

Das muss ich bei meiner Gastfamilie auch. Bis vor einer Woche, hatte ich noch keine Ahnung, wann ich die nächsten Monate über, wo sein würde. Pläne mit Freunden schmieden? Reisen planen? Unmöglich, wenn man nicht weiß, wo man zuhause sein wird. Deshalb wird dann oft nur bis zum nächsten Wochenende geplant, das meiste aus dem Moment rausgeholt, denn man weiß ja nie, wann dieser wieder vorbei sein wird. So auch diese Woche: lange To Do Listen und große Pläne für die Zeit die meine Gastkinder in der Schule verbringen. Und dann werden sie systematisch krank und die Pläne stürzen zusammen wie ein Kartenhaus bei lauem Lüftchen.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich mit zwölf oder dreizehn stundenlang mit meiner damaligen besten Freundin in meinem Zimmer saß und wir uns unsere Zukunft ausmalten. Studium in Oxford, gossip Girl reifes Leben in New York. Treu nach dem Motto „The Sky is the limit“ hatten unsere Träume keine Grenzen. Und das ist auch gut so, noch immer glaube ich, dass die Träume, die uns Angst machen, diejenigen sind, die auch wirklich gelebt werden sollten. Aber: wir verschanzten uns viel zu sehr in diesem Kokon aus Zukunftsmelodien. Im Sommer ins Schwimmbad oder an den See? Lieber zuhause bleiben und reden. Offen auf andere zugehen, neue Freundschaften schließen? Nein, es gibt ja nur die eine, mit der man auch wirklich alle verrückten Ideen und weit entfernten Träume teilen kann.

Ich fiel damit ganz schön auf die Nase. Sowohl mit der einen einzig wahren Freundin, als auch mit dem im Kopf ordentlich zurechtgelegten Traumleben. Und doch kann ich es nicht lassen, das Träumen, das Fantasieren, das in Planungen versinken. Ich lebe gern zwischen alten Fotos auf meinem Laptop oder im Scrapbook und Träumen vom Leben auf Hochglanzblogs oder als Buchcharakter. Das eine so weit entfernt und unerreichbar wie das andere. Vergangenheit und Zukunft. In den letzten Jahren habe ich allerdings gelernt, nicht nur zu träumen sondern auch und vorallem zu handeln. So schrieb ich schon im Mai Bewerbungen für Praktika nach meinem Au Pair Jahr, recherchierte Studiengänge und Städte, in denen ich gerne leben würde. Das hat sich gelohnt, ich habe jetzt einen Praktikumsplatz für den Sommer, weiß, was ich studieren und wo ich hinziehen möchte. Das, was ich aktiv für meine Zukunft tun konnte, ist getan.

Und jetzt wird es gefährlich: denn ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich in Träume abdrifte. Gerade im grauen Januar wirkt das eigene Leben, der Alltag, die Gegenwart alles andere als spannend. Erinnerungen an den vergangenen Sommer und Vorfreude auf den kommenden locken. Aber ist es wirklich notwendig, jetzt schon zu planen, wo ich in ein paar Jahren ein Auslandsjahr machen will? Welchen Master nach dem noch nicht begonnenen Bachelor? Welche Reisen in 2017? Und da habe ich gestern beim Grübeln unter der Dusche (der beste Ort zum Nachdenken) die Notbremse gezogen.

Stopp! Noch bin ich hier, in den USA, in meinem Au Pair Leben. Lebe einen Traum, den ich bereits vor Jahren geträumt habe. Und den sollte ich auch leben. Jetzt. Und hier. Im grauen und kalten South Carolina, dem ich schon dieses Wochenende nach Houston entfliehen werde. Denn die Zeit ist nicht mehr so lang. Noch etwa drei Monate als Au Pair, noch etwa drei Monate, um die beste Zeit meines Lebens zu haben, die Erinnerungen und Fotos zu machen, die mich nächsten Winter glücklich machen werden. „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.“ Das soll nicht nur eine Floskel sein, sondern tatsächlich mein Leben. Ob die Kids krank sind, ob das Wetter grau ist oder der Januar endlos wirkt. Das ist mein Leben, das ist meine Chance. Drei Monate noch. Und die will ich nutzen.

Bis bald mit neuen Abenteuern, Franzi

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