Ein Liebesbrief

Es ist Valentinstag. Der Tag der Liebe, der Blumen, der Schokolade. Ein Tag für Gefühle und Kommerz gleichermaßen. Ein Tag, an dem in den USA Karten- und Geschenkezwang im Übermaß ausbricht. Ein Tag, der mir eigentlich egal sein müsste. Denn ich habe keinen Freund, bin Single. Bin nicht verliebt? Das stimmt dann doch nicht…

Denn ich liebe… meine Gastfamilie! Oft geschrieben, oft gesagt und doch die Wahrheit. Denn sie sind so viel mehr, als die Institution, durch die ich mich legal im Land aufhalte und bezahlt werde. Sie sind Menschen, die ihr Zuhause und Leben für mich geöffnet haben und es mit mir teilen. Menschen, die mir ihre Kinder anvertrauen. Menschen, die ich oft verfluche, über die ich mich mindestens einmal am Tag ärgere. Menschen, über die ich mich aber auch viel öfter freue, denen ich dankbar bin, die ich einfach nur umarmen oder knuddeln (zumindest im Fall meiner Gastkinder) will. Sie sind Menschen, die mir ihre Macken zeigen und meine akzeptieren. Menschen, mit denen man erwiesenermaßen lachen und auch weinen kann. Sie sind mein Zuhause seit anderthalb Jahren. Und das werden sie auch noch sein, wenn ich nicht mehr bei ihnen wohne.

Edisto Beach

Genau wie… meine Familie in Deutschland. Die Menschen, die schon seit Jahren meine Träume vom Weggehen, vom Weltentdecken aushalten. Und dazu noch kindliche Ausraster und pubertäre Streitereien. Die Menschen, die mich nicht immer verstehen, aber garantiert immer unterstützen. Egal wie weit ich gehe, egal wie weit ich weg bin, ich weiß, dass diese Verbindung nie reißt. Da wird immer dieser  undurchtrennliche Faden sein, der mich mit euch verbindet. Meine Wurzeln, mein Ursprung. Nur durch euch bin ich hier oder wo auch immer auf der Welt. Ich weiß, egal was schiefgeht, zu euch kann ich zurückkommen. Ihr wertet mich nicht an dem, was ich erreicht habe oder auch nicht. Ihr seid einfach unumstößlich für mich da, seht mich oft besser als ich mich selbst. Und liebt mich trotzdem/deswegen.

Wir beide

Aber so sehr ich meine Familie(n) auch liebe, hätte ich nur sie in meinem Leben wäre ich wohl trotzdem einsam, unausgeglichen und auch ein bisschen isoliert. Wer verbindet mich mit der Welt, wer gibt mir immer wieder neue Anstöße, neue Ideen? Wer gibt mir mal Mut, mal Widerspruch, mal einfach eine Umarmung? Natürlich, meine Freunde. Diese wunderbaren, bunten Menschen, die mich nicht dafür hassen, dass ich so unorganisiert im Nachrichten Beantworten bin. Die auch noch für mich da sind, wenn ich mal wieder ein paar Wochen mit meiner Gastfamilie „verschwunden“ bin. Die hinter die Fassade gucken, nicht nach ersten Eindrücken urteilen, sondern wirklich zu mir durchkommen. Freunde, die meine Träume zum Fliegen bringen und mich erden. Menschen, die ihre Komplexität, ihre Brüche und Facetten mit mir teilen und meine kennen lernen wollen. Die Familie, die ich mir selbst ausgesucht habe.

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Ich weiß, es geht schon ganz schön schnulzig zur Sache, aber es wird noch schlimmer. Denn es gibt noch jemanden/etwas, in den ich verliebt bin: diese Welt (ein kleiner Hippie in mir wirft gerade Blumen). Eine Welt, in der es Großstädte und architektonische Meisterwerke gibt, in der Menschen beweisen können, was sie alles schaffen können (auch wenn das leider sehr oft Zerstörung ist), die uns aber auch nie vergessen lässt, wie stark, mächtig und wunderschön sie selbst ist. Das Meer. Wälder. Gebirge. All die Naturschauspiele, die uns auf Instagram Fotos, in unseren Träumen, oft aber auch im Alltag begleiten. Ich habe das Gefühl, das Reisen hat mir für so viele dieser Wunder die Augen geöffnet. Für die Tatsache, dass jeder Ort schön und besonders sein kann. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel wir ihn betrachten. Aber dass wir überhaupt von so vielen komplett verschiedenen und atemberaubend schönen oder schrecklichen Plätzen umgeben sein dürfen, darin muss man doch eigentlich verliebt sein (zumindest Hippie-Franzi ist das).

Seattle

Ich hoffe, ihr habt ein ganz verliebtes Wochenende! Bis bald, Franzi (die jetzt noch ein paar Blumen verstreut)

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