Update – Silvester und das neue Jahr.

Der Januar ist der Monat des Jahres, den ich am wenigsten mag. Er scheint sich immer zu ziehen, ist meistens grau, kalt und wintrig, das Jahr scheint noch nicht richtig zu beginnen, man fühlt sich wie im Stand By, darauf wartend, wach zu werden, anzufangen, zu leben. Irgendwann (hoffentlich bald) möchte ich diesen Monat in einem sommerlich heißen Land verbringen, nur um zu testen, ob das diesen Doofmonat entdoofen könnte. Bis dahin versuche ich aber das Beste daraus zu machen und das klappte 2016 auch ganz gut. Hier ein paar meiner Lieblingstage im Januar in Connecticut.

Donnerstag, 31.12.2015: Ok, das war nicht im Januar, aber ich wollte auch kurz auf mein Silvester eingehen. Das habe ich letztes Jahr (fühlt sich noch komisch an), gejetlagged und ganz gemütlich zuhause bei meiner Gastfamilie verbracht. Die hatten eine kleine Party organisiert, mit vielen ihrer Freunde und meinen zwei liebsten Au Pair Freundinnen. Den ganzen Tag über räumten wir also auf, putzten, kochten und richteten alles her. Mir war zwar schon vorher bewusst, dass Silvester so ziemlich der einzige Feiertag ist, der in den USA nicht riesig gefeiert wird, aber als mir meine Hostmum mitteilte, dass die meisten Gäste in den vergangenen Jahren schon so gegen zehn nach Hause gingen und auch die Kinder noch nie bis Mitternacht aufgeblieben waren, war ich schon etwas schockiert. Warum feiert man denn Silvester, wenn man es nicht bis Mitternacht aushält?

Bleigießen

Mit viel essen, meinen Lieblingsmädels, Bleigießen, das ich frisch aus Deutschland importiert hatte und Anstoßen zum neuen Jahr, wurde es aber doch ein sehr schöner Abend. Und dann war auch schon 2016. Und Januar. Jetzt aber:

Freitag, 1.01.2016:  Im Gegensatz zum Rest des Januars liebe ich den Neujahrstag. Das lange Schlafen, die schläfrige Stimmung den ganzen Tag über, den Kopf voller Vorsätze, die aber an diesem Tag, an diesem neuen Anfang noch nicht umgesetzt werden müssen. Da ich dieses Jahr frei hatte und als Au Pair jeder freie Tag maximal ausgenutzt werden muss, fuhr ich mit den Mädels nach New Haven. An den Strand. Vielleicht nicht die logischste Idee, bei Minusgraden an den Strand zu gehen, aber ich liebe das Meer auch im Winter und steckte damit die anderen an. Es war eiskalt. Aber gut eiskalt. Frisch, klärend, neu. Und wunderschön bei Sonnenuntergang mit Blick auf Wellen und Leuchtturm, Freundinnen zur Seite, das neue Jahr einzuläuten.

Collage Beach

Samstag, 2.01.2016: Das war der Geburtstag einer meiner besten Freundinnen hier und nachdem der Morgen durch Gastfamilienstress für uns beide nicht optimal war (wobei ich meiner Gastfamilie an diesem Morgen meine Weihnachtsgeschenke gab, worüber sie sich sehr freuten und was dann doch ziemlich herzerwärmend war), waren wir wild entschlossen, aus dem Rest des Tages das allerbeste rauszuholen. Wieder ging es nach New Haven – diesmal zu Ikea. Schon als Kind bedeutete mein Ausruf „Da ist Ikea!“ bei der Heimfahrt aus dem Urlaub immer so viel wie: „Wir sind zuhause!“. Und so fühlte ich mich auch diesmal. Vertraute Möbel, Dekorationen und eine obligatorische Zimtschnecke. Wie Zuhause. Abends mussten wir dann natürlich zur Cheesecake Factory, wo wir immer noch das Ziel verfolgen, die Cheesecakes einmal alle zu probieren. Da wir mit diesem Ziel zu dritt sind, läuft es auch ziemlich gut. Das schönste des Tages war eigentlich sein Ende. Wir waren zusammen zur Cheesecake Factory gefahren und saßen noch bestimmt eine Stunde im Auto meiner Freundin auf dem Parkplatz und redeten. Über Gastfamilien, Reisen, Gott und die Welt. Das ist es, was ich an Freundschaften am meisten liebe. Endlos reden können, sich verstehen und verstanden fühlen. Und dadurch fühle ich mich hier noch mehr zuhause als bei Ikea.

Collage Friends

Samstag, 9.01.2016: Ich werde hier hauptsächlich über die Wochenenden schreiben, was nicht heißt, dass die Tage dazwischen nicht schön waren, aber es geht ja um Highlights, nicht um meinen Alltag (der mit den Kids auch ganz oft Highlights bereit hält, die sind aber eher persönlich). Am 9. Januar tat ich etwas, das ich seit bestimmt sechs Jahren nicht gemacht hatte und auch eigentlich nicht vorhatte, je wieder zu machen. Ski fahren. Wer mich schon etwas länger kennt, weiß, dass die Schulskifreizeit für mich ein ziemliches Trauma war und ich deshalb absolut nichts fürs Skifahren übrig. Ich weiß auch gar nicht, woher die Motivation kam, es doch nochmal zu probieren, aber: Es hat sich gelohnt. Trotz meiner beschränkten Erfahrung, lief es viel besser als gedacht, wir hatten eine unheimlich nette und süße Lehrerin und es machte einfach Spaß. Die Zeit mit den Mädels und vorallem das Fahren. Zu mir selbst kommen, sich ganz frei fühlen. Schön! Gekrönt wurde der Abend durch Dinner bei Maggy McFly’s, einem meiner liebsten Restaurants hier. Auch wenn wir in dem Moment einfach nur todmüde waren!

Collage Skiing

Dienstag, 12.01.2016: Das war zwar unter der Woche, aber definitiv ein Highlight. Ich liebe Musicals und ich bin ein bisschen besessen von Cinderella (Lieblingskinderfilm, Lieblingsmärchen, Stück, das ich mit meiner Theatergruppe aufgeführt habe, Kostüm für den „Helden der Kindheit“-Tag in der Schule). Was könnte es also besseres geben als Cinderella als Musical?? Das wurde an diesem Tag als Teil einer Broadway Tour in Hartford gespielt und trotz Schnee, machten die Mädels und ich uns auf den Weg dahin. Und es war sooo schön. Märchenhaft, romantisch, tolle Kostüme und noch tollere Kostümwechsel, Ohrwürmer und mitreißende Choreografien. Magisch!

Mittwoch, 13.01.2016: Ups, schon wieder ein Wochentag. Da es am Abend vorher so geschneit hatte, überwand ich meinen Schneehass, packte mich und die Kinder dick ein und wir gingen für Schneemänner und Schneeballschlachten nach draußen. Auch wenn sie es nur knapp eine halbe Stunde aushielten, weil dann mein Kleiner weinte, dass ihm kalt war, war diese Zeit es so wert. Es geht nichts über das pure Glück, das Kinder bei solchen Kleinigkeiten fühlen können. Besonders nicht, wenn sie es mit dir teilen. Und die heiße Schokolade hinterher hat dann auch alle für die Kälte entschädigt.

Collage Snow

Freitag, 15.01.2016: Das war eine ganz schön höhegepunktete Woche. Generell mag ich Freitage, da ich an denen immer im Museum arbeite. Die Atmosphäre, die Kollegen, die Besucher sind einerseits im Vergleich zu meinem stets chaotischen Zuhause so ruhig, andererseits aber auch so inspirierend, anders und teils herausfordernd. Diesen „Job“ werde ich definitiv in Deutschland vermissen! Das eigentliche Highlight kam aber am Abend, denn mit meinem Hostdad und den Kindern ging es erst zu „Pepe’s“, der sehr bekannten und super leckeren Pizza in Connecticut und dann zu Disney on Ice. Eiskunstlauf, Disney-Charaktere und –Lieder. Was will man mehr? Zwar ganz anders als Cinderella, aber genauso magisch und voller Kindheitserinnerungen. Und die totale Begeisterung meiner Gastkinder hat es noch so viel besser gemacht!

Sonntag, 17.01.2016: Der letzte Tag in Connecticut. Morgens kam eine ganz liebe Freundin zum Frühstücken vorbei und erlöste mich für ein paar Stunden vom Packstress. Das zusammen Zuhause sitzen und essen, mag banal klingen, ist aber etwas, das ich so gut wie nie mit Freunden hier mache, da es ja immer noch in erster Linie das Zuhause meiner Gastfamilie ist. Umso schöner, wenn man mal nicht weggeht, nirgendwo hinfahren muss, nicht von Kellnern unterbrochen wird. Sondern einfach nur Zeit zusammen verbringt. Nachmittags stand dann ein neues „erstes Mal“ mit den Kids an: Alleine fuhr ich mit ihnen zum Flughafen in New York (etwa drei Stunden entfernt), um da meine Hostmum abzuholen und weiter nach Philly und am nächsten Tag South Carolina zu fahren. Unmittelbar vorher war ich schon ziemlich nervös, so lange alleine mit den Kindern zu fahren. Es war dunkel, es schneite, es war viel Verkehr. Und: alles ging gut, die Fahrt war echt angenehm, die Kinder gut drauf, wir hatten eine super witzige Toilettenpause und waren einfach ein gutes Team. Wunderschönes Gefühl! Genauso schön, wie kurz vor dem Einschlafen von meiner Hostmum gelobt zu werden, dass ich gut gefahren bin.

Bis bald, Franzi

 

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