Slow Travel – Der Genuss des Aufgebens

Eine Blogparade zum Thema Slow Travel? Langsames Reisen? Als ich von dieser bei John und Marc auf One Thing to Do las, fühlte ich mich zunächst einmal nicht angesprochen. Ich reise nicht langsam. Als Au Pair hat man während eines Jahres nur zwei Wochen bezahlten Urlaub, alle anderen Reisen müssen an den bei mir relativ seltenen freien Wochenenden gemacht werden. Viel Zeit bleibt da nicht, aber dafür der Wunsch, aus zwei Tagen so viel wie möglich rauszuholen, zu erleben und zu entdecken. Für Langsamkeit ist keine Zeit.

Das einzige geöffnete Cafe mit dem besten Kaffee und den schönsten Bildbänden in Maine.
Sich eine halbe Stunde in ein schönes Café setzen – habe ich dafür Zeit?
Tatsächlich happily ever after in Philadelphia.
Viele Museen und Attraktionen locken in Philadelphia – manchmal sind eine Suppe und ein Kaffee aber wichtiger.

Natürlich könnte ich meine ganze Zeit als Au Pair als eine Reise ansehen. Leben in den USA, dazu noch drei Staaten, in einer amerikanischen Familie – viel authentischer kann man das Land wohl nicht kennenlernen. Allerdings überwiegt nach anderthalb Jahren unter der Woche dann doch der Alltag. Die grünen Highway Schilder sind mir vertrauter als die blauen auf deutschen Autobahnen, ich spreche ganz automatisch vom Aufstehen bis zum Schlafengehen englisch und frage Fremde, wie es ihnen geht. Ich bin hier angekommen, das ist mein Zuhause. Und mit der Vertrautheit wächst auch mein Abenteuerdrang. Der Wunsch, an den Wochenenden neue Orte zu erkunden, die Komfortzone zu verlassen, zu reisen.

Der Regen in New Orleans kam ungeplant, genau wie dieser Cupcake Store.
Solche Cupcakes wie in New Orleans gibt es in meinem kleinen Connecticut Dorf nicht…
In Charleston hatte alles Mittagspause, bis auf dieses eine Restaurant mit dem wunderschönsten Hinterhof.
Nur ein Restaurant in Charleston hatte keine Mittagspause – dafür super Essen und einen wunderschönen Innenhof!

Und auf diesen Reisen geht es eben schnell zur Sache. Auch nach dem zigsten Mal New York ist meine To Do Liste für diese Stadt unendlich, viele andere – wie Chicago oder New Orleans – werde ich durch teure Flüge als Au Pair wohl nur einmal besuchen. Warum nehme ich also an dieser Blogparade teil, wenn ich doch nicht langsam reise? Weil es zwischen meinen akkuraten To Do Listen und ergoogelten Zielen eben doch auf beinahe jeder Reise die Momente des Aufgebens gibt. Und das meine ich absolut positiv. Es kann so gut tun, die To Do Liste To Do Liste sein zu lassen, nach einem vollgepackten und schnellen Tag (den ich um nichts missen möchte!) einfach nichts mehr machen zu müssen, sich nichts mehr vorzunehmen, sondern stattdessen treiben zu lassen. Manchmal muss man einfach das Tempo reduzieren, das eine oder andere Ziel loslassen. Bei mir wird das meistens ausgelöst durch: den Wunsch nach essen. Wenn ich merke, dass ich nicht mehr laufen mag, mich die Müdigkeit nach einem gnadenlos frühen Flug oder Zug einholt oder ich ganz einfach hungrig bin, kommt bei mir die Slow Travellerin durch. Denn mein Essen plane ich vorher nie. Ich finde es anstrengend, für ein Restaurant aus dem Reiseführer oder von einem Blog extra an einen bestimmten Ort zu gehen. Ich weiß nie genau, wann ich Hunger habe, wann ich mich in welcher Gegend einer Stadt aufhalten werde, worauf ich Appetit habe.

All American Breakfast beim Abkürzen in einer Seitenstraße gefunden.
Frühstück in der Nähe der Busstation war das Ziel – und sehr lecker unsere Entdeckung!
Wenn man in den USA plötzlich an einem Vapiano vorbei läuft, muss auch zugeschlagen werden.
Nicht einzigartig, aber in den USA ein Glücksfund – Vapiano!

Also überlasse ich das gnadenlos dem Zufall und laufe, wenn es soweit ist, einfach drauf los. Das führt mal zu Verirrungen, mal zu extremem Hunger und Verzweiflungstaten bei Fastfoodketten. Oft führt mein Magen mich aber auch in sonst unentdeckte, wunderschöne Ecken, zu freundlichen Menschen und vor allem guten Essen. Er zeigt mir oft die Seele und Charakter eines Ortes und Liebe geht ja auch nicht nur sprichwörtlich durch den Magen! Wenn ich erstmal in einem süßen Café oder einem Hipster Restaurant sitze, vergesse ich Pläne und Zeitdruck. Ich komme runter, komme an. Teile die Eindrücke des Tages entweder mit meinem Reisepartner oder Freunden und Familie dank free Wifi. Ich reflektiere meine Erlebnisse und nehme noch einmal ganz anders wahr, wo ich gerade bin, was um mich herum passiert. Belausche Gespräche im lokalen Dialekt oder fremden Sprachen, schaue scheinbar endlos und ohne nach etwas zu suchen aus dem Fenster.

Ausgehungert am Times Square war ein Pommes Gutschein genau der richtige Wink des Schicksals für The Counter.
Mein ganz persönlicher Burger in NY – durch einen Gutschein gefunden!
Wilkommene Abkühlung auf dem Brooklyn Flea
Toller Flohmarkt in Brooklyn und dann auch noch leckeres Essen – da muss man auch mal spontan zuschlagen.

Ich reise gerne schnell. Ich falle gerne abends kaputt ins Bett, mache Haken auf meinen To Do Listen und fühle mich von Eindrücken überwältigt. Aber genauso weiß ich auch die kleinen Pausen zu schätzen, in denen ich mich nur auf den alltäglichen und doch neuen Moment konzentriere, nichts Spektakuläres erlebe und meinem Reiseziel doch manchmal am Nächsten kommen. Bei einem ungeplanten und zufällig perfekten Essen.

Bis bald, Franzi

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