Leseliebe – „Selection“

Ich mag Dystopien. Ich habe die Hunger Games verschlungen, Divergent meist genossen. Ich habe bucherprobte Überlebensstrategien für Mondkatastrophen, Alieninvasionen und Epidemien bereit. Für die fünfte Welle sowieso. Aber gegen eine Reihe dieses Kosmos aus Schwarzmalerei sträubte ich mich hartnäckig. Selection. „Wie der Bachelor und die Hunger Games nur ohne Blut“, hörte ich als Zusammenfassung immer wieder und ging automatisch in Abwehrhaltung. Nein, danke. So ein Quatsch! Wiederkehrende Instagramposts der traumschönen Cover und die anhaltende Begeisterung einer Youtuberin (Laura Laqu) waren dann aber letztlich doch die Tropfen, die den Stein höhlten. Zum Glück!

 

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Quelle: Andi’s  ABCS

Ich erwartete entspannte Unterhaltung, nichts zu Dramatisches, etwas Spannung, für ein paar Stunden in eine andere Welt eintauchen und dann zum nächsten Buch weitergehen. So einfach ging es dann aber doch nicht. Denn die Selection Welt packte mich völlig unvermittelt, hielt mich fest und hat bis heute noch nicht losgelassen. Stattdessen warte ich voller Vorfreude auf den letzten, fünften Band der Reihe und versuche so schnell wie möglich an die dazugehörige Kurzgeschichtensammlung zu kommen. Ich liebe es, wenn Geschichten mich vollkommen einnehmen, wenn ich mich in sie fallen lassen kann, die Charaktere meine Freunde und die Orte mein Zuhause werden. Ich gebe mein eigenes Leben gerne für ein paar Stunden, Tage oder Wochen auf und werde eine andere. In diesem Fall lebe ich gerade zeitweise immer noch im Palast Illeas , trage wunderschöne, extra für mich angefertigte Kleider und hoffe, dass der Prinz sich in mich verliebt.

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Quelle: Tumblr

Woran liegt es jetzt also, dass sich meine Meinung so geändert hat? Zum einen sind es wohl die vielen Facetten des Buches. Die Geschichte Illeas, die einzelnen Staaten und ihre Bewohner, die Welt des Palastes, die Kasten, die Rebellen. Politik, Geschichte, Geheimnisse und natürlich Liebe und Romantik. Die Bücher haben einfach alles, ich kann mir richtig vorstellen, wie viel Spaß die Autorin beim Entwerfen dieser USA – viele Jahre nach denen wir hier leben – hatte.

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Quelle: Like Success

Viel wichtiger sind aber noch die Charaktere, denn sie machen das Buch so spannend und ungewöhnlich. Nicht weil sie unheimlich sympathisch sind – ganz im Gegenteil! Gerade Protagonistin America hätte ich mindestens so oft gerne gegen die Wand geklatscht, wie ich sie bewunderte und mit ihr mitfieberte. Denn gerade ihre Macken, ihre Sturköpfigkeit, extremer Selbstbezug und oft anstrengenden Gedanken machen sie zu einer runden Person, zu einem Menschen, der nicht irgendeiner Märchenwelt entsprungen zu sein scheint, sondern uns jeden Tag begegnen können.

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Quelle: Pinterest

Und so verhält es sich auch mit den anderen Personen – die Mädchen der Selektion, allen voran Marlee und mein Liebling, Celeste -, Americas Dienerinnen, Prinz Maxon, seine Eltern, die Rebellen. Sie alle sind voll kleiner Details, unerwarteter Motive und immer wieder durchscheinender Tiefe. Und genau das ist es, was mich an den „Selection“ Büchern fesselt und auch nach dem Lesen nicht loslässt. So viele Fragen abseits des Haupthandlungsstranges. So viele Ideen, so viele Möglichkeiten, so viele „Was-wäre-wenns“. Und natürlich auch die wunderschönen Liebesgeschichten. Und die Beschreibungen der Kleider!

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Quelle: Kiera Cass

 

 

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