Leseliebe – John Green und die wundersamen Mädchen

Sie sind wunderschön, heiß, tiefgründig, freigeistig. Sie sind stimmungsschwankend, geheimnisvoll, unergründlich und ungreifbar. Sie sind mal freudesprudelnd, mal depressiv, mal wütend, immer unberechenbar. Sie heißen Alaska Young und Margo Roth Spiegelmann und nehmen einen großen Teil der Fantasien Miles und Quentins ein. Und sie entstammen der Fantasie John Greens.

Schon mit „The Fault in Our Stars“ hat dieser Mann mich mitten ins Herz getroffen, seine Worte immer unterlegt von meinen Gedanken: „Das ist SO wahr! Woher weiß er das? Genau so ist es, warum habe ich das noch nie erkannt?“ Genau das hat er auch wieder mit „Looking for Alaska“ und „Papertowns“ geschafft, die ich beide vor kurzem als Hörbücher gehört habe. Sie sogen mich ein, ließen mich den Atem anhalten, mein Leben vergessen und es gleichzeitig ein bisschen besser verstehen.  Und wieder waren sie SO wahr.

Full World
Quelle: Mella Drama

Diesmal hatte ich dieses Gefühl allerdings nicht von Anfang an. Denn Alaska und Margo waren doch ein bisschen zu wundersam, ein bisschen zu verehrungswürdig. Sie waren zu anders, zu unangepasst und mysteriös, um wahr zu sein.  Bis sie von Scheinbildern zu Menschen wurden… Bis sie nicht mehr nur noch wundersam, sondern normal wurden. Denn unperfekt, komplex und voller Fehler zu sein – das ist doch normal. Das sind wir doch alle, vom unscheinbaren Nerd bis  zur märchenhaftesten scheinbar Fee. Das sind sogar Alaska Young und Margo Roth Spiegelmann.

Deeply Unhappy Person
Quelle: Pinterest

Ihre Geschichten sind verschieden, sowohl ihre Vergangenheit als auch Zukunft, ihr Charakter als auch Umfeld. „Looking for Alaska“ und „Papertowns“ sind ganz verschiedene Bücher und doch haben sie vieles gemeinsam. Ein einsamer, außenseitlicher Junge erzählt die Geschichte, fasziniert bis besessen von erwähntem Wundermädchen. Er verliebt sich jedoch nicht nur Hals über Kopf in ein Mädchen, sondern durch sie auch in das Leben. Er verlässt den sicheren Panzer, geht Risiken ein, lässt sich auf Menschen ein. Schließt Freundschaften oder lernt seine Freunde zu schätzen.

Something Remarkable
Quelle: flickr

Die Freunde, die die Schwärmereien über das Wundermädchen endlos lange ertragen. Die Freunde, die auch dann noch da sind, wenn das Wundermädchen es nicht mehr ist. Die Freunde, die immer wieder Fehler machen, versagen, Idioten sind. Genauso wie der Junge selbst. Genauso wie jeder. Denn das ist es wohl, was man erkennen muss, wenn man sich auf Menschen einlässt: sie sind nicht perfekt. Wir sind alle nur wir, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn man etwas anderes erwartet, wird man früher oder später enttäuscht.

Gilt das auch für Wundermädchen? Sind sie am Ende viel mehr Mädchen als Wunder? Und wie fühlt es sich an, ein Mädchen zu sein, von dem alle ein Wunder erwarten, das dieses sogar von sich selbst erwartet?

Great Perhaps
Quelle: Pinterest

Die Bücher stellen viele Fragen, beantworten einige, lassen mindestens genauso viele jedoch auch offen. Sind wir Fenster oder Spiegel? Können wir je um unserer selbst Willen geliebt werden oder lieben wir immer nur die Idee eines Menschen? Sind wir dazu bestimmt zu versagen? Wie kommen wir aus dem Leiden heraus? Können wir eine andere Person jemals völlig verstehen, jemals diese andere Person werden? Und wenn nicht, wie können wir trotzdem zusammen leben, lieben, glücklich werden?

Auch nachdem die letzte Seite umgeblättert wurde, das letzte Wort gesprochen wurde, hallen diese Fragen nach. Sie steigen aus den Geschichten heraus, lösen sich von ihren Charakteren und legen sich um uns. Begleiten uns, bis wir für uns eine Antwort auf sie gefunden haben. Vielleicht sogar für immer. Danke John Green, dass du Wundermädchen schaffst genauso wie Normalojungen. Dass du uns zeigst, dass der Unterschied zwischen den einen und den anderen gar nicht so groß ist. Dass du verstehst, dass man ohne Freunde nicht leben kann, auch wenn sie Idioten sind. Dass du richtige Antworten findest und die richtigen Fragen unbeantwortet lässt. Danke, dass du echt bist und deine Geschichten dadurch nicht auf den Seiten bleiben sondern genauso echt werden.

Bis bald, Franzi

Advertisements

Was denkst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s