Vom Abschied nehmen…

„Bye Room“, flüstert Jack im gleichnamigen Film. „Bye House“, dachte ich am Sonntagmorgen, als ich das letzte Mal das Haus meiner Gastfamilie in South Carolina sah. „Say bye to Room, Mom“, sagt der Kleine wenige Minuten später. Und so auch meine Hostmum während der Fahrt durch die noch schlafende Stadt: „Say bye to Spartanburg, Kids.“ Und auch wenn South Carolina für mich weder ein Gefängnis noch ein Ort von Misshandlung und Folter war, sind die Gefühle in Film und Realität doch ähnlich.

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Da ist einerseits die Erleichterung zu gehen. Das Haus ist fast leer, die Kisten und Koffer sind gepackt. Die Woche war anstrengend und ermüdend. Vor mir liegt ein Monat in Connecticut, Wiedersehen mit meinen Freunden, ein paar kleine Reisen, etwas Entspannung und vor allem das stärkste Heimatgefühl in den USA. Und doch sind diese Abschiedsmomente keine glücklichen. Viel eher sind unsere Bye’s gedämpft und melancholisch, denn das hier ist eben auch (eine) Heimat.

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Hier wurde nicht nur gearbeitet und Kisten gepackt, sondern auch gespielt, Sonne getankt, Freundschaften geschlossen,  das beste Eis geschleckt und die leckersten Summer Rolls gegessen. Hier bin ich nach Reisen „nach Hause“ gekommen, konnte mich (zumindest ab und zu) entspannen, habe meine letzten beiden Geburtstage und die der Kids gefeiert. In diesem Haus fand ein großer Teil meines Lebens der letzten zwei Jahre statt. Dieser Teil ist jetzt vorbei, die Kisten gepackt, das Haus fast leer, anonym, unpersönlich. So sehr ich mich auf die Zukunft, das Kommende und Neue freue, so wenig fühle ich mich bereit für den Abschied und das Zurücklassen, die damit einhergehen.

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Jetzt bin ich seit einer knappen Woche wieder in Connecticut und realisiere erst so nach und nach, was mit diesem Abschied alles zu einem Ende gekommen ist. Die kurzen Gespräche mit den immer fröhlichen Lehrern meiner Gastkinder. Besuche bei der besten Eisdiele. Der Geruch nach frisch gemähtem Gras und Frühling im Februar. Die Wlan Sessions im College. Mein „Studentenleben“ auf dem schönsten Campus. Das Ballett dort – meins so wie das der Kinder. Und vor allem die Menschen, ob Freunde, Bekannte oder Fremde, die diese Stadt zu einem Zuhause gemacht haben und mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.

Collegezuhause

South Carolina war von den Wohnorten meiner Gastfamilie definitiv nie mein Lieblingsort. Mentalität, Lebensumstände und auch so einiges andere machten es hier nicht immer einfach und besonders nach der anstrengenden letzten Woche fieberte ich der Abreise nahezu entgegen. Aber wie das so oft ist, kamen mit dem nahenden Ende auch all die schönen Erinnerungen hoch und so überkommt mich in regelmäßigen Wellen das Vermissen und die Erkenntnis: „Das ist jetzt schon vorbei, das endgültige Au Pair Ende kommt immer näher.“ Ein unwillkommener Gedanke, der aber in den letzten Tagen leider zu einem vertrauten Begleiter wurde. So wie der Abschied.

Bis bald, Franzi

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