Gedanken – neues Zuhause in Berlin

Eine Woche ist es jetzt her, dass ich mal wieder entscheiden musste, was ich in meinen Koffer packe. Nicht für einen Urlaub, sondern für einen Umzug, einen Neuanfang, einen neuen Lebensabschnitt. Eine Woche ist es her, dass ich im ICE nach Berlin saß; das erste Mal durch Charlottenburg auf der Suche nach „meinem Zuhause“ war. Seit einer Woche lebe ich zwar nicht allein, aber doch auf mich allein gestellt, bin so frei und unabhängig wie wohl noch nie zuvor. Zeit, mal ein kleines Resume zu ziehen, wie es mir bisher so geht – in der neuen Stadt, dem neuen Kapitel, diesem Erwachsensein…

Die Tage davor: Wie auch schon vor meinem letzten großen Umzug – dem in die USA 2014 – waren die Tage und Wochen davor viel schlimmer und emotionaler als die eigentliche Sache. Diesmal war ich jetlag-geplagt und zwischen zwei Gefühlen hin und her gerissen:

Einerseits fiel mir zuhause die Decke auf den Kopf, alles schien zwei Jahre zuvor stehen geblieben zu sein und ich fühlte mich, als würde ich in ein zu kleines Puppenhaus zurückkehren. Alles schön und harmonisch, voller Erinnerungen, aber ich passte irgendwie nicht mehr rein. Außerdem hatte ich zwar Dinge zu tun, aber keine „große“ Aufgabe, keinen Rahmen, in dem ich meinen Tag gestaltete, keine Routine. Ich konnte nachts nicht schlafen, war den ganzen Tag über müde, hatte keine Energie und wusste nichts so richtig mit mir anzufangen. Dieser Teil von mir vermisste meine Gastfamilie, war aber auch bereit für das Neue. Für Berlin.

Bellevue

Diese Gefühlslage wäre ja jetzt die ideale Situation für einen Umzug gewesen, aber das war (leider) nicht meine einzige Stimmung. Denn neben all der Fremdheit, den Schwierigkeiten anzukommen, fühlte ich mich doch auch zuhause. All die Dinge, die ich in den letzten zwei Jahren vermisst hatte, konnte ich plötzlich wieder ganz selbstverständlich tun. Die Menschen, die gefehlt hatten, waren wieder um mich. Ich kochte abends mit meiner Mama, wir unterhielten uns über alles und nichts, schauten Filme. Vertraut. Ich fuhr für einen Mittag zu meinen Großeltern, wurde glücklich erwartet, gemästet, die Bionade stand bereit. Vertraut. Ich ging in die Stadt, traf mich mit meinen Mädels, wir verbrachten die Abende in unseren Lieblingsrestaurants. Vertraut. Ich schrieb wieder für die örtliche Zeitung, ging zu Terminen, war Journalistin. Vertraut. Und immer wusste ich – diese Vertrautheit wird nicht andauern. Die Tage zuhause sind gezählt, dann steht wieder etwas Neues an. Neue Menschen, neue Orte, neue Aufgaben. Wieder die Komfortzone verlassen, wieder fremd sein.

Haus der Kulturen der Welt

Die Ankunft: Und dann ging es letzten Sonntag (endlich) los – die Komfortzone wurde durchbrochen, auf ins Neue leben. Am Bahnhof war ich noch traurig, während der Zugfahrt ging es mir besser, beim Betreten meines Zimmers war ich einfach nur noch glücklich. Das hier fühlte sich richtig an. Das war, was ich wollte. Ich hatte die Komfortzone und den inneren Schweinehund überwunden und tat das, was ich eigentlich wollte. Nach Berlin ziehen, in einer Großstadt leben, selbstständig und auf mich gestellt sein. Eine Woche später bin ich darüber immer noch glücklich. Natürlich gibt es die Momente und kleinen Stiche des Heimwehs, aber an die bin ich gewöhnt und im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren, kann ich jetzt einfach das Handy in die Hand nehmen und zeitunverschoben mit meinen Liebsten reden.

Spree

Meistens liebe ich mein Leben hier. Ich liebe mein Zimmer und die Wohnung, liebe es rausgehen zu können und mittendrin zu sein. In der Stadt, im Leben. Ich liebe es, bekannte Orte, wie den Ku’damm oder das Brandenburger Tor, ganz beiläufig und selbstverständlich im Alltag, zum Beispiel auf dem Weg zum Zahnarzt, zu sehen. Ich liebe es jeden Tag neue Orte zu sehen und zu entdecken, mir auszumalen, wie diese Orte irgendwann vielleicht zu Lieblingsplätzen werden, wie Erinnerungen hier geschaffen werden. Ich liebe es, nur für mich verantwortlich zu sein – zu entscheiden, wann ich aufstehe, was ich esse, wo ich hingehe.

Streetlife

In dieser Selbstverantwortlichkeit liegt allerdings auch das „aber“, denn natürlich bin ich nicht nur glücklich, natürlich ist nicht alles perfekt. Das „aber“ ist das Alleinsein. Kein selbstgewähltes Alleinsein, sondern das Wissen, hier so gut wie niemanden zu kennen, kein Netzwerk, keinen Kreis zu haben. Ich bin (noch) fremd hier. Auch das ist ein Gefühl, das ich von den Anfängen meiner Au Pair Zeit kenne. Ich weiß, dass es vorbei gehen wird, dass ich hier ankommen werde, mich vernetzen und Wurzeln schlagen werde. Dieser Prozess fängt schon an, jeden Tag bin ich ein bisschen mehr zuhause. Trotzdem ist es kein schönes Gefühl, trotzdem sind da die Momente der Einsamkeit, des Zweifelns.

Aber wie mit der Komfortzone sind die es wert, um weiter zu kommen, Neues zu entdecken, Träume zu verwirklichen. Also mach ich weiter und kann in ein paar Monaten hoffentlich lächelnd auf diese Anfangsschwierigkeiten zurückschauen.

Bis bald, Franzi

Advertisements

2 Gedanken zu “Gedanken – neues Zuhause in Berlin

Was denkst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s