Leseliebe – Me before you

„You only get one life. It’s actually your duty to live it as fully as possible.“ – Jojo Moyes

So wie gefühlt im Moment jeder habe ich letztes Wochenende endlich Me before you von Jojo Moyes gelesen und war inzwischen auch im Film. Obwohl ich den Film sehr schön und emotional fand, schreibe ich hier nur über das Buch. Denn das war für mich noch viel tiefer und hat mich noch viel mehr zum Nachdenken angeregt und was dabei so herauskam, möchte ich hier mal mit euch teilen…

Den englischen Titel „Me before you“ – „Ich vor dir“ – schreibe ich hier nicht nur, weil ich das Buch auf englisch gelesen habe, sondern weil er meiner Meinung nach so viel mehr aussagt und bedeutet als die deutsche Übersetzung. Er erinnert uns an die Vergangenheit, die Vorgeschichten, die wir alle haben. Wir kommen ständig mit anderen Menschen zusammen, entwickeln uns auseinander und wachsen zusammen. Bringen aber mit uns auch immer unsere Erinnerungen und Erfahrungen. Meinungen, die uns und unsere Beziehungen prägen, die uns zeigen, wie wir uns und andere sehen. Und die oft auch unsere persönlichen Grenzen definieren.

„Me before you“ ist für mich keine reine Liebesgeschichte, sicher auch kein typischer romantischer Roman. Für mich ist es ein Buch über Grenzen und wie wir diese überwinden. Wir alle haben sie – physische, mentale, gesellschaftlich oder selbstaufgelegte Grenzen. Mal bewusst gezogen, mal jahrelang unbewusst, unsichtbar. Will Traynor, gelähmt, im Rollstuhl sitzend, ist nicht der einzige, der in „Me before you“ von seinen Grenzen eingeschränkt wird. Louisa, seine Pflegerin, hat sie, seine Eltern, ihre Eltern, die Geschwister. Wir alle haben Grenzen.

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Und manchmal brauchen wir eben andere, die diese Grenzen sichtbar machen, uns an die Hand nehmen und uns helfen, sie zu überwinden. Menschen, die uns zeigen, dass das Leben nicht nur grau und trist ist, Menschen, die uns zeigen, dass die Welt so viel größer ist, als wir es je zu träumen gewagt hätten. Das Überkommen von Grenzen muss kein großer Schritt, keine weltverändernde Aktion sein. Es kann ein Film mit Untertiteln sein, ein Konzert, ein Flugticket, Wissen, ein Lächeln oder ein freundliches Wort. Was es auch ist, es wird unsere eigene, persönliche Welt verändern, unseren Horizont hinterfragen und erweitern.

Aber nicht alle Grenzen können oder wollen überwunden werden. Kein anderer, egal wie wichtig und einflussreich er ist, kann sie für uns überwinden. Es gibt Grenzen, die schützen uns. Grenzen, für deren Fall es noch nicht die richtige Zeit ist. Ich denke, es ist es wert, Grenzen ausfindig zu machen, vorzudrücken, gegen sie anzukämpfen. Wie sonst sollen wir uns weiterentwickeln, besser werden? Auch wenn es sich erstmal anfühlt, als würde uns das zurückwerfen. Doch wie ist das mit den Grenzen anderer? Können – dürfen  – wir entscheiden, ob es sich lohnt, diese zu bekämpfen, zu durchbrechen?

Um diese Frage geht es auch ganz stark in „Me before you“. Wissen wir, was für andere das beste, das richtige ist? Und wenn ja, dürfen wir dieses Wissen nutzen? Wollen wir unsere Liebsten zu ihrem besten schützen? Oder um unserer selbst willen, um uns vor Schmerz und Traurigkeit zu bewahren? Wir werden die Welt doch immer zuerst aus unserer Perspektive sehen, mit unserer Vergangenheit, unseren Grenzen. Wie können wir wissen, wo die Grenze eines anderen verläuft? Werden wir jemals die ganze Geschichte, das ganze Potential einer Person kennen und verstehen? Vermutlich nicht.

Und so kann es passieren, dass wir das beste für einen Menschen wollen und dabei das für ihn schlechteste bewirken. Es bleibt uns nur, zu versuchen, zuzuhören, andere an die Hand zu nehmen und sie zu ihren Grenzen zu führen. Wir können diese nicht für sie überwinden. Aber ihnen das Werkzeug geben, sie zu durchbrechen und das Wissen, dass wir auch noch auf der anderen Seite für sie da sein werden. Und manchmal müssen wir auch einfach mit ihnen hinter ihren Grenzen zurückbleiben.

Das klingt jetzt vermutlich für alle, die das Buch nicht kennen, sehr kryptisch, aber regt hoffentlich trotzdem zum Nachdenken an oder macht Lust, einige der Antworten auf diese Fragen in „Me before you“ zu finden. Dieses Buch wird euch vermutlich an einige emotionalen (Tränen)Grenzen bringen – aber es lohnt sich! Bis bald, Franzi

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2 Gedanken zu “Leseliebe – Me before you

  1. Habe das Buch gestern zu Ende gelesen und im Grunde verschlungen, selbst nachdem ich den Film gesehen hab und wusste wie es ausgeht :D ich fand es richtig richtig gut und das Thema regt auch zum nachdenken an… Bin echt total deiner Meinung :) toller Beitrag ☺️👍🏻

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