Blogparade: Warum in die Ferne schweifen?

Warum in die Ferne schweifen?, fragte Jessica von Yummytravel  beim Aufruf zu ihrer Blogparade. Sie wollte dabei von all den reiselustigen und fernwehgeplagten Menschen da draußen wissen, warum wir reisen. Was bringt uns dazu, immer wieder die Koffer zu packen? Warum setzen wir uns immer wieder Abschiedsschmerz und Heimweh aus? Warum ziehen wir das Unbekannte dem Sicheren, Vertrauten vor? Warum schweifen wir in die Ferne?

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Einfach losfahren und auf in die Ferne!

Der erste Gedanke, der mir als Antwort auf diese Frage kam, war: um rauszukommen. Ich reise, um Neues zu sehen und zu erleben, um für eine kurze oder längere Zeit dem Alltag zu entfliehen, Abwechslung zu bekommen, Erinnerungen zu schaffen. Das stimmt auch alles und doch habe ich das Gefühl, die Frage hiermit nicht wirklich zu beantworten. Denn für Neues, Abwechslung, Erinnerungen und Schönheit muss ich nicht in die Ferne schweifen. All das finde ich auch vor meiner Haustür. Dazu muss ich mich nur in die Bahn setzen und mal in ein neues Viertel fahren, einen anderen Weg zur Arbeit gehen, das Wochenende in einer benachbarten Stadt verbringen. Für diese Alltagsfluchten brauche ich keine Ferne, sondern nur Neugier und ein bisschen Kreativität.

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Ist eine neue Heimat genauso gut wie eine Fernreise?

Warum spare ich also Geld für Flüge? Und warum wächst meine Bucketlist mit Reisezielen gefühlt täglich? Was ist so toll an der Ferne? Die für mich richtige Antwort habe ich beim Gedanken an meine bisher längste – sowohl von Dauer als auch Entfernung – Reise gefunden. Meine Zeit als Au Pair in den USA.

Denn was mir die Entfernung dort gebracht hat, ist Abstand und damit verbunden Reflexion. Eine ganz besondere Form davon, die meinen Blick verändert hat und mich ein bisschen zu einem anderen Menschen werden ließ. Und das ist für mich etwas, das Heimatentdeckungen und Wochenendtrips in dieser Form nicht schaffen können – auch wenn sie oft wichtige Impulse geben. Worüber habe ich aber nun reflektiert und wie hat die Ferne mir dabei geholfen?

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Die Ferne bietet oft ungekannte Möglichkeiten und neue Perspektiven.
  1. ist da die Auseinandersetzung mit einer anderen, einen neuen Kultur. Ich meine hier nicht den fremden Dialekt oder ein neues Gericht, sondern tiefgreifende Unterschiede, die oft auch erst sichtbar werden, wenn man ein bisschen Zeit in einem fremden Land verbracht hat. An einigen dieser Unterschiede – wie der grundsätzlich positiven und entspannten Einstellung vieler Amerikaner sowie einer viel größeren Freundlichkeit im Alltag – versuche ich mir ein Beispiel zu nehmen. Ich habe sie sorgfältig in meinem Koffer verstaut, in Deutschland rausgeholt und versuche nun meine Welt hier mit diesen Erfahrungen ein bisschen schöner zu gestalten. Aber da sind auch die Kulturunterschiede, die mir gezeigt haben, aus was für einem tollen Land ich komme, wie stolz wir auf Deutschland sein können. Sei es Zuverlässigkeit, Umweltbewusstsein oder die gemütliche Adventszeit – nie wusste ich meine Heimat so sehr zu schätzen wie nach einer langen und weit entfernten Reise.
  2. sind da die Menschen in unserem Umfeld. Gerade in der Schulzeit wird Freundschaft doch noch relativ großzügig verteilt. Da gibt es wohl kaum einen größeren Härtetest als mehrere hundert oder tausend Kilometer Entfernung und am besten noch ein paar Stunden Zeitverschiebung obendrauf. Wer bleibt uns von unseren liebsten Menschen noch erhalten, wenn wir ihnen nicht mehr jeden Tag ausgeliefert sind, sondern echte Anstrengungen unternommen werden müssen, um sich auszutauschen und in großer Entfernung nahe zu bleiben? Umso glücklicher bin ich daher, dass meine liebsten Menschen vor den USA tatsächlich auch jetzt noch diesen Titel haben und ihn auch jetzt, wo ich in Berlin bin, tapfer behalten. Denn auch nach einer Rückkehr ist das Überleben der  Freundschaft nicht gesichert, da…
  3. wir wohl am meisten uns selbst reflektieren auf einer Reise in die Ferne. Es gibt da dieses Zitat, das besagt, dass wir manchmal das Nichts um uns herum brauchen, um uns selbst zu finden. Dem könnte ich nicht mehr zustimmen. Denn wer schon einmal tausende von Kilometern von „zuhause“ entfernt war, in einem anderen Land, einer anderen Kultur, einem anderen Leben; wer schon einmal niemanden kannte und bei null anfangen musste/durfte, der wird automatisch auch über sich selbst nachdenken. Bin ich eigentlich zufrieden mit dem Leben, das ich zuhause führe? Was macht es aus? Wo will ich so mal hin? Macht mich das glücklich?
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Auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen.

Es sind eigentlich einfache Fragen, die nur in uns selbst Antworten finden. Und doch brauchen wir oft den Anstoß von außen – Ferne, einen Kulturschock, völlig neue Menschen um uns herum – um sie zu stellen und ihre Wichtigkeit zu erkennen. Und wir brauchen Zeit, um sie für uns zu beantworten, die im Alltag häufig nicht da ist. Dafür reicht meist (leider) auch das neue Café oder der Wochenendtrip nicht. Dafür braucht es auch nicht unbedingt eine Pilgerfahrt oder einen Selbstfindungstrip, aber eben doch: Ferne. Einen kleinen oder großen Kulturschock. Und oft auch einiges an Mut. Und wenn den etwas weckt, dann das Wachrütteln durch eine Reise an einen weit entfernten, unbekannten Ort…

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So weit weg und doch ganz bei mir. 

Warum reist ihr? Und zieht es euch dabei in die Ferne? Ich freue mich über Meinungen. Bis bald, Franzi

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