Filmeinung – Raum. Von der kleinen und der großen Welt…

„This life is so complicated until we see it through the eyes of a child“

Jacks Leben ist simpel: Es besteht aus einem Waschbecken, einem Bett, einem Schrank (der manchmal auch zum Bett wird), einer Lampe, einem Stuhl, einem Tisch, einer Toilette, einem Fernseher,… alle Teil von Raum. Dem einzigen Ort, den Jack kennt.

Zwei Menschen kennt Jack – außer denen im Fernsehen. Old Nick, allerdings nur durch einen Spalt in der Schranktür. Und seine Mutter. Joy, die ihn bedingungslos liebt, ihm aus dem Nichts, das sie hat, alles macht und gibt und ihm die Welt erklärt. Die echte Welt, Raum. Und die andere Welt, die sich hinter dem Dachfenster und auf dem flackernden Bildschirm des Fernsehers befindet.

So simpel ist Jacks Leben. Und doch so viel komplizierter als wir es uns vorstellen oder wünschen könnten. Da ist das Kind Jack, der kleine Junge, der in Tränen ausbricht, weil er auf seinem Geburtstagskuchen keine Kerzen hat. Der von einem eigenen Hund träumt. Der stundenlang mit seinem einzigen Spielzeug, einem Auto, spielt und Haushaltsgeräte zu Drachen macht.

Da ist aber auch der Jack, der jeden Abend die Angst in den Augen der Mutter sieht, wenn Old Nick den Raum betritt. Der mit ansieht, wie sie ihn um Lebensmittel anbetteln muss, sie ins Bett gehen. All das, um ihn von Jack fernzuhalten. Und als ob das nicht schon schwierig genug wäre, wird er dann fünf. Und alles ändert sich.

Seine Mutter erzählt ihm die unglaubliche Geschichte, dass die Fantasiewelt im Fernseher, die Realität sei. Dass Raum nicht alles sei, keine glückliche und sichere Welt sondern ein Gefängnis. Eine Falle, in die seine 17-jährige Mutter gelockt wurde und die sie seitdem nicht mehr verlassen konnte. Jacks Reaktion: „I want to be 4 again.“ Und „I want a different story.“ Man kann es ihm nicht übel nehmen.

Jacks Leben, Gedanken und Ansichten wirken abstrakt, schwer zu begreifen. Durch die ebenso abstrakte Kameraführung und die grandiosen Schauspieler werden allerdings auch Äste, Pancakes und Treppen völlig neu, exotisch, sogar gefährlich. Der Film entfaltet sich durch Jacks Augen, wie er die Welt sieht. Aber auch wie er seine Mutter sieht.

Ihre Geschichte und Charakter offenbaren sich erst nach und nach. Vieles wurde mir sogar erst bewusst, als der Bildschirm schon erloschen war. Die 17-Jährige, ein Mädchen, das alles vor sich hat und durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft alles verliert. Die ganz am Boden ist, keine Hoffnung mehr hat und sich dann doch wieder hochkämpft. Die für ihr Kind nicht aufgibt, einen höflichen, kreativen, gesunden und klugen Jungen aufzieht. Die nichts für sich selbst behält, um alles für ihn sein zu können. Die jede Demütigung erträgt, immer weiter kämpft, nur noch aus Mutterliebe zu bestehen scheint. Das einzige, was im Raum von ihr übrig bleibt. Aber was passiert draußen mit ihr? Wie soll diese Frau, die Mutter, die Kämpferin, jemals wieder in die Welt des 17-jährigen Mädchens passen? Wie soll irgendjemand verstehen, wer die neue Joy ist, was mit ihr passiert ist? Und wie wird sie selbst das verstehen?

Neben dem Portrait dieser unfassbar starken Frau ist der Film auch die Entdeckung, dass die Welt so viel größer und weiter ist, als man es sich in eigenen vertrauten Blase vorstellen könnte. Dass es egal wie groß das Leben, der Raum ist, den wir kennen, immer Neues, Beunruhigendes geben wird. Die Welt wird immer noch größer werden, wir werden sie nie ganz verstehen können und uns doch immer wieder neu und oft auch allein mit ihr auseinander setzen müssen. Sie fürchten und sie lieben lernen.

Vor allem zeigt Raum, dass das Alleinsein – egal ob zum sich selbst wieder kennen lernen oder zum Welt entdecken – nicht reicht. Wir brauchen andere Menschen. Menschen, die wir lieben. Menschen, die uns erden und die uns helfen zu verstehen, wer wir sind. Und Menschen, die uns Flügel verleihen, mit uns rausgehen und dieser Welt etwas von ihrem Schrecken nehmen. Egal ob diese einen Raum oder sieben Kontinente umfasst.

Bis bald, Franzi

Filmeinung – Das Mädchen mit dem Perlenohrring

“You looked into me.” Ein Film über den Blick eines Malers, mit dem Blick eines Malers. Ein Film, der nicht von großen Worten lebt, sondern von den klaren Farben Vermeers, von Licht und Schatten, Gesten und Details, Ausdrücken und Blicken. Man traut sich kaum zu blinzeln, um ja keinen Moment zu verpassen. Jede Szene wirkt im positivsten Sinne komponiert, kein Detail fällt aus der Komposition heraus. Jeder Moment ein Gemälde und das gebettet in eine perfekte Umgebung.

Mary Cassatt
Mary Cassatt – was sieht sie, woran denkt sie?

Die Obstschale steht in der richtigen Ecke, der Vorhang fällt makellos drapiert. Die Kleider verraten sofort, was für eine Art Mensch da in ihnen steckt – ist es die reiche Herrin des Hauses oder die schäbige Dienerin? Üppige Seide oder abgenutzte Wolle verraten sie… Dann ist da natürlich noch das Licht – klar und erhellend, oder mystisch im Schatten, es ist das i-Tüpfelchen des filmischen Gemäldes.

Edith Wharton
Edith Wharton – ein Kind und schon voller Schönheit und Weisheit.

Die Handlung des Films ist ruhig, die Geschichte wirkt auf den ersten Blick sogar etwas langweilig. Der Film startet langsam und distanziert, doch nach und nach verschmilzt der Zuschauer immer mehr mit der stillen und doch stolzen Griet. Mit ihr geraten wir in den Bann der Malerei und des Malers. Wir spüren die Faszination, wie aus dem Nichts Schönheit wird, wie ein Moment für die Ewigkeit gebannt wird, wie er sieht, was anderen nicht ins Auge fällt und dies sichtbar macht.

Lillian Wald
Lillian Wald – nicht klassisch schön, aber dadurch nicht weniger interessant und faszinierend.

Der Maler ist hier ein Künstler auf allen Ebenen, von der Herstellung der Farbe zur richtigen Szenerie und dem Modell bis zum Prozess des endgültigen Malens muss alles stimmen. Er sieht die Dinge nicht unbedingt, wie sie sind, sondern wie sie sich anfühlen. Für ihn und seine Modelle. Dadurch wird aus Alltag Magie. Aus Unscheinbarkeit Schönheit. Aus Realität Kunst.

Consuelo Vanderbilt
Consuelo Vanderbilt – königlich und stolz, aber wie sieht ihr Sohn sie?

So unscheinbar wie die Handlung ist auch Griet selber: äußerlich die demütige Dienerin. Ein machtloses, junges Mädchen. Stets unterlegen, von Angst und Unsicherheit erfüllt. Sie scheint ein Spielball ihres Schicksals zu sein, ihrer Eltern und Herrschaften. Als arme in der Hand der Reichen, als junge in der Hand der Alten. Doch das ist nur ein Teil, nur eine Facette dieses Mädchens. Denn so demütig wie sie ist, ist sie auch klug und stark. Sie ist so mutig, wie sie es sein kann, ohne rebellisch zu werden. Bleibt immer würdevoll und elegant, auch ohne Schmuck oder Prunk. Ihre Schönheit kommt von innen heraus, von den Werten, für die sie steht und die sie lebt.

Elegant Woman
An Elegant Woman – aber was ist ihre Geschichte?

Diese Werte und Grundsätze gibt sie nicht auf, verändert dadurch in kleinem Rahmen ihre Welt. Sie lässt nicht alles mit sich machen, weiß, wer sie ist und hält daran fest. Ihr Wille hebt sie ab in einer Welt, in der Frauen nur schön und stumm sein sollen. Er bringt ihr den tieferen Blick des Malers ein, macht sie für ihn interessant, gibt ihr Macht. Sie ist nicht nur Muse oder Modell, wird auch Schülerin, Assistentin, Kritikerin. Sie fühlt sich ebenbürtig und wird auch so behandelt. Doch mit ihrer Stärke kommt auch die Versuchung. Ihre Unabhängigkeit bringt den Wunsch, sie einzunehmen, vielleicht sogar zu brechen.

Jeanne Cartier
Jeanne Cartier – tatsächlich so bunt und schillernd oder „nur“ in den Augen Moras?

Wie lange wird sie an ihrer Moral, an ihren Werten festhalten können? Will sie das überhaupt noch? Versuchung, Anziehung und Spiel laufen auf eines hinaus, spitzen sich zu einem Moment, einer Entscheidung zu. Dieser Moment, in dem sie für ihre Werte ihre Gefühle aufgibt oder andersherum, wird alles bedeuten. Er wird ihr Leben verändern, ihr Schicksal beeinflussen. Wird er sie retten? Oder ins Verderben stürzen? Und wird es letzteres wert sein?

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Aus Griet wird in den Augen Vermeers das Mädchen mit dem Perlenohrring – Quelle: schoebel-net.de

Filmeinung „Brooklyn“

Home is where … is. Es gibt unendlich viele Abwandlungen dieses Spruchs, unendlich viele Definitionen dieses kleinen Wortes, das uns doch oft ausmacht. Home. Zuhause. Das ist es, wo wir leben, glücklich sind, uns geliebt fühlen. Zuhause ist mal ein Ort, mal eine Person, mal nur ein Gefühl. Manchmal haben wir ein Zuhause, manchmal mehrere und dann fühlt es sich auch mal an als hätten wir gar keins. Eilis Lacey, die Protagonistin in Brooklyn, durchwandert all diese Stufen und ich habe das mit ihr getan. Nicht nur im Film, sondern tatsächlich auch in den letzten Jahren. Das ist wohl ein Grund, warum mir der Film so unendlich gut gefallen hat, warum er mich so mitgenommen hat, auf Wolke sieben katapultiert und mir das Herz gebrochen hat. Ich habe nicht nur die Geschichte einer jungen Frau gesehen, die wunderbar gespielt und inszeniert war und mit der ich mich deshalb identifizieren konnte. Ich erlebte meine eigenen Gefühle, Gedanken und Erfahrungen in der Reise einer anderen.

Brooklyn Bridge und River

Eilis Geschichte beginnt mit einem Traum: Dem Traum rauszukommen, ihr beschränktes irisches Dorf zu verlassen, in die Welt zu ziehen und erfolgreich als Buchhalterin zu sein. Schon als aus diesem Traum langsam ein Ziel wird, spätestens als das Schiff den irischen Hafen auf dem Weg nach New York verlässt, ist dieser Wunsch aber nicht mehr nur traumhaft sondern vor allem auch beängstigend. Ungekannte Herausforderungen lauern auf dem Schiff, bei der Einreise und schließlich in Eilis neuer „Heimat“, Brooklyn. Das Mädchen, das die Welt erobern wollte, wünscht sich plötzlich nur noch „an irish girl in Ireland“ zu sein. Das Heimweh, die Einsamkeit und Unsicherheit überschatten die Tatsache, dass gerade ein Traum Wirklichkeit wird. Eilis vermisst ihr Zuhause – das zu diesem Zeitpunkt noch ihre Mutter, ihre Schwester und Irland sind – aus vollem Herzen. Schluchzt über Briefen aus der Heimat und geht mit Tränen in den Augen durch den Alltag.

Brooklyn Hights.

 

 

Nichts scheint Sinn zu machen, der Traum gescheitert. Aber Eilis macht weiter und trotz Heimweh beginnt sie auch in Brooklyn zu leben. Sie besucht Buchhaltungskurse, unterstützt die Kirche, lernt Leute kennen und geht aus. Die Tränen sind inzwischen aus ihren Augen verschwunden, aber zu lächeln beginnt sie erst, als sie sich verliebt. In einen italienisch-amerikanischen Jungen, der irische Mädchen sehr mag, der ihr das Gefühl gibt, geliebt zu werden und damit auch ein kleines Zuhause, ein Band, das sie an dieses Neue leben bindet. In einem ihrer Briefe gesteht sie, dass sich nun die Hälfte ihres Lebens in Brooklyn befindet und immer mehr kommt dazu. Sonnenbrille und Badeanzug für den Ausflug nach Coney Island, das bestandene erste Semester, berufliche Erfolge, das schönere Zimmer. Und natürlich die wachsende Zuneigung zu Tony, dem italienischen Boyfriend.

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Aber man kann nicht alles haben. Die Zeit bleibt auch in Irland nicht stehen, Eilis Liebste dort leben weiter, verloben sich, arbeiten, schreiben Briefe. Sterben. Die alte Heimat ruft sie zurück, wieder aufs Schiff, wieder diese Mischung aus Vorfreude, Angst und Unsicherheit. Zurück in Irland ist wenig verändert, außer Eilis selbst. Neue Erfahrungen geben ihr einen anderen Blick auf das Land, die Menschen, ihre Zukunft. Sie hat Freunde in Irland, ihre Familie, einen Job und vielleicht sogar eine neue Liebe. Die Erinnerungen an das neue Leben, die zweite Heimat werden unwirklich, sind so weit entfernt. Überlagert von Vertrautem, Ruhe und wohl auch etwas Bequemlichkeit. Es ist so viel einfacher zu bleiben. Zwar ein anderes Leben, als sie es sich für sich selbst vorgestellt hat, aber vielleicht ja sogar ein besseres?

Briefe aus Brooklyn bleiben zunächst ungeöffnet, doch die Erfahrung, die Erinnerung, die Bande, die sie an ihre neue Heimat binden, können nicht ignoriert werden. Was soll es sein? Der Traum vom doch nicht so glamourösen New York? Die Beschränktheit des irischen Dorfes? Der baseballliebende Italiener? Oder der bei den Eltern lebende Ire? Für den Lebenstraum kämpfen oder ihn loslassen? Wer will sie sein, wo leben? Die Möglichkeiten sind da, zwei Zuhause, die nebeneinander existieren, aber nur eines kann letztendlich bestehen.

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Eilis entscheidet sich, trifft meiner Meinung nach die perfekte Entscheidung, was den Film zu einem wunderschönen, aber auch herzzerreißendem Ende bringt. Der Kreis schließt sich, Eilis wird nicht die erste sein, die von der Zukunft in New York träumt und auch sicher nicht die letzte. Auch wenn ich nicht seekrank in den USA ankommen musste, auch wenn ich durch WhatsApp und Skype nicht auf verspätete Briefe angewiesen bin – die Gedanken dieses irischen Mädchens in den 50ern waren so oft meine eigenen. „I’d imagined a different life for myself.” „I don’t know if I still have a home.“ “I wish that I could stop feeling that I want to be an Irish girl in Ireland.” “Tony has helped me to feel that I have a life here I didn’t have before I met him.” “One day you’ll catch yourself thinking about something or someone who has no connection with the past, and you’ll realize that this is where your life is.”

Es ist nicht einfach zu gehen, ein Zuhause, einen geliebten Ort, geliebte Menschen zurückzulassen. Es ist nicht einfach, fremd zu sein, mit nichts anzufangen, sich ein neues Leben auszubauen. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man seine Träume wahr machen will. Und der ist es wert. Mir zumindest.

Bis bald, Franzi

Leseliebe und Filmeinung / Warum ich mich am Ende der Welt erfreue…

Eine Epidemie, die Gefahr des Mondes, die Anderen… Diese drei könnten laut der Autoren von „The Way We Fall“, „Life as we knew it“ und „The Fifth Wave“ für das Ende unseres Lebens verantwortlich sein. Des Lebens, wie wir es kennen, an das wir gewöhnt sind. Oder sogar das Ende der Menschheit, der Welt? Auch wenn die zwei Bücher und der eine Film ihren ganz eigenen Stil, eigene Charaktere, Ideen und Handlungen habe,n verbinden sie durch die Endzeit Thematik auch viele Parallelen und die möchte ich hier beschreiben und versuchen zu erklären, was mich so reizt, am Tod und der Zerstörung am Ende der Welt…

Quelle: barefootmeds

Alle drei Geschichten fangen mit harmlosen Highschool Leben an. Das typische Leben amerikanischer Teenager, wie Hollywood es uns vorgaukelt und es hier vielfach auch passiert. Wer lädt wen zur Prom ein? Welches Hobby ist cool und wird trotzdem von den Eltern genehmigt? Da sind zu viele Hausaufgaben, nervige Geschwister, Streit mit den Eltern. Besonders die Protagonistin in „Life as We Knew it“ fand ich am Anfang unerträglich naiv und oberflächlich (was für den Fortgang der Handlung aber perfekt war). Auch der Verlust einer ihrer besten Freundinnen scheint ihr keine Tiefe gegeben zu haben. Sie kreist ausschließlich um sich selbst, versucht die Menschen in ihrem Umfeld nicht zu verstehen. „When you are in Highschool everything feels like the end of the World“, denkt Kassi in „The Fifth Wave“. Alle drei Geschichten haben diese Arten vom Ende der Welt. Der beste Freund, zu dem Funkstille herrscht. Die schwangere Freundin des geschiedenen Vaters. Der geheime Schwarm. Und dann wird dieses Ende der Welt plötzlich zu etwas Wörtlichem, Greifbaren. Der Mond kommt näher und bringt Gezeiten und Alltag aus dem Gleichgewicht, eine unbekannte Krankheit fordert die ersten Todesopfer, die Anderen schicken die erste Welle und rauben die Elektrizität. Es beginnt als Spektakel, als Spannung und Attraktion, wird nur langsam bedrohlich.

Quelle: kirbyhowell

Die Katastrophe kommt nicht unmittelbar, sondern Schritt für Schritt. Und mit jedem Schritt hat sie die Unsicherheit, die Angst und Nervosität auf den Fersen. Das Leben ändert sich, aber die Maßstäbe tun es noch nicht. Das ist nur eine Phase, das wird vorbei gehen. Bald wird wieder alles „back to normal“ sein. Und dann wird die Gefahr unübersehbar, die blanke Angst kommt und mit ihr verrücktes Einkaufen, das aussetzen sozialer Normen. Das Leben, das wir alle kennen und (wenn auch unbewusst) lieben, rückt immer weiter in die Ferne. Maßstäbe und Einstellungen müssen folgen, sich anpassen. Die globalen Auswirkungen der Katastrophen scheinen weit weg. Informationen sickern nicht mehr so leicht durch, da sind Überflutungen, Vulkanausbrüche, Angriffswellen, zahllose Tote.

“We’re here, and then we’re gone, and it’s not about the time we’re here, but what we do with the time.”:
Quelle: Pinterest

Und da sind die unmittelbaren Konsequenzen: keine Elektrizität, kein Benzin, kein frisches Wasser oder Lebensmittel. Winter im Sommer, Naturkatastrophen. Kein gesellschaftlicher Zusammenhalt mehr, eine Gruppe von Einzelkämpfern, die nur das eigene Überleben im Sinn haben. Blut ist dicker als Wasser, nicht viele können gerettet werden oder auch nur Mitleid bekommen, Freunde sterben, Religion wird zu Fundamentalismus, Gewalt zur Normalität. Leben oder Tod ist die einzige Entscheidung, auf die es noch ankommt. Und Liebe?

Quelle: beforeitsnews

Da sind noch andere Fragen: Was für eine Art von Leben ist eigentlich lebenswert? Warum überleben, wenn der Weltuntergang ohnehin bevor steht? Wenn alle, die man liebt, schon gegangen sind? Lohnt sich Liebe im Angesicht des Todes? Brauchen wir sie zum Überleben oder ist sie ein Luxus, den wir mit warmem Wasser und Handys über Bord werfen sollten? Können wir für unser Leben kämpfen und uns trotzdem hinterher noch in die Augen sehen? Menschen bleiben? Gibt es überhaupt ein Hinterher? Und wenn nicht, wofür kämpfen wir dann?

Quelle: Monroevillelibrary

Diese Geschichten klingen oft verrückt, scheinen von Welten zu erzählen, von Realitäten, die meilenweit von unseren entfernt sind. Aber die Entwicklungen und auch ein Blick in die Nachrichten dieser Welt zeigen, dass sie es nicht sind. Es kann so schnell gehen. Ein Leben, das sich um Promkleider und Schwärmereien dreht, kann so schnell nur noch ums Überleben kämpfen. Und dafür alles tun, was nötig ist. Ich glaube nicht, dass uns das Ende der Welt bevorsteht, dass ich mich auf Alienattacken oder Epidemien vorbereiten muss. Aber ich weiß, dass es mir unendlich gut geht, dass ich mir Oberflächlichkeiten und First World Problems leisten kann. Dass es vielen anderen nicht so geht. Und ich es deshalb umso mehr genießen sollte.

Bis bald, Franzi

PS: Ich habe gerade rausgefunden, dass all diese Bücher Serien sind… Also viel neuer Lesestoff!

Filmeinung „He named me Malala“

Eines der Dinge, die ich an einem Langstreckenflug am liebsten mag? Zeit zu haben, für sich zu sein, von einer riesigen Filmauswahl umgeben zu sein. Ist mir nach Weinen oder Lachen, nach Liebe oder Zerstörung? Es ist alles da, man muss nur ein paar Mal mit dem Finger tippen. Auf meinem letzten Flug litt ich mit revolutionären Iren in den Dreißigern und lachte über Reese Witherspoon als verklemmte Polizistin.

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Und dann stach mir ein Film ins Auge. „He named me Malala“. Ein vertrauter Name, ein oft gesehenes Gesicht. „The girl who was shot by the Taliban“. Friedensnobelpreisträgerin. Aber wer dieses Mädchen ist, was ihre Geschichte ist, das wusste ich nicht. Bis eben. Eineinhalb Stunden haben mir einen kleinen Einblick in ihre Welt, ihr Leben und ihre Überzeugungen gegeben. Und mich mit Bewunderung, Faszination und Inspiration gefüllt. Wie sie ihre Stimme nutzt, in einer auswegslosen Situation furchtlos für ihre Überzeugungen eintritt. Wie sie mit so viel Negativität und Schrecken konfrontiert wird, sich damit auseinandersetzt und trotzdem so unheimlich positiv und stark ist. Es ist eine Dokumentation, die viel Grauen birgt und mich doch viel mehr zum Lächeln bringt als jede Komödie. Lächeln darüber, wie gut es mir geht, dass ich Bildung hatte und jeden Tag aufs neue die Chance, meine Träume zu verwirklichen. Lächeln, um vielleicht die Stimmung einer Person ein bisschen zu verbessern, die Welt für einen Moment ein bisschen schöner und glücklicher zu machen. Lächeln für all die, die gerade nicht lächeln können.

Filmeinung „The Intern“ und philosophische Gedanken

Ein Film mit Anne Hathaway, in Heels und mit Sonnenbrille in ein stylisches Büro schreitend. Na, woran müssen wir jetzt alle denken? Natürlich, „Der Teufel trägt Prada“, einer meiner unangefochtenen schon 21049701357 Mal gesehenen, aber immer wieder guten Lieblingsfilme. Und damit war für mich schon nach den ersten Sekunden des Trailers klar, dass ich „The Intern“ würde sehen MÜSSEN. Einfach schon aus Nostalgiegefühl.

Brooklyn Bridge.

Was neu ist? Diesmal ist Anne Hathaway nicht das eingeschüchterte Assistentenmäuschen sondern Jules, die Chefin und Gründerin eines durch die Decke schießenden Online Shops. Wie Miranda Priestly ist sie schwierig, allerdings auf ihre ganz eigene Art. Ein bisschen chaotisch, überbusy und ständig zu spät, superhip, wie sie auf ihrem Fahrrad durch das offene Loftbüro in Brooklyn cruist. Sie ist stolz auf das, was sie geschaffen hat und will das auch keinem anderen anvertrauen. Sie fährt ins Warenhaus, um zu demonstrieren, wie die Kleider richtig eingewickelt und verpackt werden, nimmt Kundenanrufe entgegen und versucht damit Hochzeiten zu retten. Sie ist ein kleiner Ordnungs- und Hygienefreak, immer am Hände desinfizieren und mit einem nervösen Blick auf den „Schrotttisch“ des Büros. Jules mag Menschen nur, wenn sie schnell reden und regelmäßig blinzeln, sie hat es nicht mit ernsten Gesprächen, neigt zu abrupten Themenwechseln, von tiefgründig zu belanglos, um ihre Gefühle zu verbergen. Nebenbei ist sie auch noch verheiratet und hat eine Tochter.

Brooklyn Hights.

Und dann ist da Ben. 70- jähriger, verwitweter Rentner. Mit viel Lebens- sowie Arbeitserfahrung, aber einem leeren Leben zwischen Tai Chi im Park und regelmäßigen Beerdigungen. Er gehört zur alten Schule, ist höflich, pünktlich, stilvoll, top organisiert, warmherzig. Das einzige, was ihm fehlt, ist das, wovon Jules zu viel hat: eine Aufgabe, Herausforderungen, Beschäftigung.

Brooklyn Bridge und River

Und so bricht er als „Seniorenpraktikant“ in die moderne, hippe und technologisierte Bürowelt von „About the Fit“ ein. Der Rentner wird anfangs belächelt, allerdings freundlich aufgenommen und wird mit seinem gut sitzenden Anzug und immer zum Trösten bereiten Taschentuch bald zum unersetzlichen Freund, Berater und Retter. Auch Jules, die doch keinen hinter ihre Fassade lassen will, erliegt nach und nach seinem Charme. Allerdings verändert nicht nur Ben mit Stil, Erfahrung und Wissen seine Kollegen, das Praktikum verändert auch ihn, gibt ihm einen Sinn im Leben sowie einen Facebookaccount.

Mehr Brooklyn

Die aufeinanderprallenden Generationen halten uns mit komischen und absurden Situationen nicht selten den Spiegel vor. Würden wir eher eine ausformulierte E-Mail mit Betreffzeile „I’m sorry“ schreiben oder tatsächlich das offene Gespräch suchen? Und was, wenn das Technikwissen nicht reicht und die falsch gesendete E-Mail nicht durch Hacken sondern nur durch einen tatsächlichen kleinen Einbruch verschwinden kann? All diese absurden Situationen und unerwarteten Entwicklungen machen „The Intern“ zu einem absoluten Wohlfühlfilm. Es macht Spaß zu sehen, wie Ben seinen Kollegen „überholte“ Werte vor Augen führt, sie mit seiner Hilfe zu glücklicheren Menschen werden und er gleichzeitig in dieser Rolle aufblüht.

Brooklyn Bridge und Skyline

Das ist allerdings nicht alles, denn je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr dreht sie sich für Jules auch um die Frage „Karriere, Familie, Glück – kann ich alles haben?“ Wie der Film diese Frage beantwortet, möchte ich natürlich niemandem vorweg nehmen, deshalb geht jetzt ins Kino und verbringt zwei schöne, gemütliche, lachende Stunden, vielleicht auch mit einem oder zwei gerührten Tränchen in den Augenwinkeln. Und kommt dann zurück und lest weiter.

Brooklyn

„Kann ich alles haben?“ Mutter sein, verliebt sein und geliebt werden, Karriere machen, Freunde haben, in mir selbst ruhen und mit mir zufrieden sein. Es gibt genug Frauen (und Männer), die versuchen, all das zu sein, die all das sind. ABER. Das uneingeschränkte JA, mit dem „The Intern“ diese Frage beantwortet, gibt es meiner Meinung nach so nicht. Es ist einfach zu perfekt. Der liebende Ehemann, die unterstützenden Kollegen und vor allem die stets verständnisvolle Tochter, die die Mutter mit einem Lächeln begrüßt und rücksichtsvoll schlafen lässt statt eine Gute-Nacht-Geschichte einzufordern. Wer hat all das schon? Und: selbst wenn man all dies hätte, müssen Prioritäten gesetzt werden. Business Meeting oder Kindergeburtstag? Erfolg und Karriere oder Hausfrau und Mutter? Irgendwas wird immer verpasst, Verlust und schlechtes Gewissen werden nicht ausbleiben, trotz sorgfältiger Planung wird jeder Tag von ihnen begleitet werden. 100% Glück, Ausgeglichenheit, Balance und noch Zeit für Tai Chi im Park – funktionieren leider nur in Hollywood…

Filmeinung „Labour Day“

Mehr oder weniger passend zum Memorial Day kommt jetzt meine Meinung zum Film „Labor Day“ (Trailer). Während ersterer hier in den USA den inoffiziellen Sommeranfang markiert, leutet letzterer den Beginn des Herbsts ein. Beide gehen mit einem langen Wochenende, viel Patriotismus und BBQs einher. Eine „Geiselnahme“ hatte ich am Labor Day letztes Jahr nicht, im Gegensatz zu Kate Winslet im Film…

Sonne

Der letzte Film, den ich mit Kate Winslet gesehen habe, war „der Vorleser“. Auch dieser war schon sehr sinnlich und körperlich, er kam ohne viele Worte aus. Die Beziehungen der Charaktere zeigten sich mehr durch Blicke, Gesten, Berührungen. Allerdings spielt sie in den Filmen völlig unterschiedliche Personen. Im Vorleser, wo sie eine Affäre mit einem Teenager hat, hat sie eine harte Schale, gibt den Ton an, ist bestimmend, lässt ihre Gefühle, Sorgen, Geheimnisse nicht an die Oberfläche kommen. Auch Adele, die Protagonistin in Labor Day, ist in gewisser Weise verschlossen. Von ihrem Mann verlassen, ist ihr einziger Kontakt ihr 13-jähriger Sohn. Wer sie sieht, wenn sie in einem seltenen Moment das Haus verlässt, merkt aber sofort, dass etwas nicht stimmt. Sie ist ängstlich, steht unter permanenter Anspannung, ihre Hände zittern. Jeder Schritt, jede Bewegung ist eine schier unüberwindbare Hürde. Kate Winslet ist nicht nur Adele, sie ließ mich auch beim Zuschauen zu ihr werden. Ihre abgehakten Bewegungen, ihre zitternde Stimme, ihr stilles Leiden sind nicht lächerlich oder übertrieben sondern absolut nach- und mitfühlbar, was den Anfang des Films trotz weiter, sonnenbeschienener Landschaften unheimlich beklemmend macht.

Park

Dann ist da ihr Sohn, Henry, der mir im Trailer nicht zu sehr aufgefallen ist, der aber der Erzähler der Geschichte ist. Er ist ein sehr eigenständiger Charakter, am Beginn der Pubertät, voller persönlicher Konflikte, der durch diese seine Mutter und die Ereignisse des Labor Day Wochenendes beobachtet. Der Film ist sehr konsequent darin, Henrys Sicht der Dinge zu zeigen, ihn zum Zentrum der Geschehnisse zu machen, obwohl er das in einer Inhaltsangabe wohl nicht wäre. Das gibt dem Film allerdings eine ganz andere Vielschichtigkeit, bringt Gedanken und Impulse ein, die die „Erwachsenenperspektive“ so nicht geschafft hätte.

Nähladen

Frank, der Mörder, Geiselnehmer, Liebhaber ist für mich nicht so herausgestochen wie Adele und Henry. Natürlich bringt er die Dinge ins Rollen, hat eine bewegte Vergangenheit, blieb mir aber auch am unklarsten. Über seine Motive grübelt man am meisten nach. Was war sein Verbrechen? Wie kam es dazu? Wie geht er damit um? Warum ist er ausgebrochen? Warum sucht er Adele und Henry als seinen „Schutz“? Gleichzeitig baut man – zusammen mit Adele – unheimlich schnell eine Beziehung, Anziehung und Faszination zu ihm auf. Man bewundert ihn, seine Art, mit Henry umzugehen, seine Koch- und Backkünste, seine ungreifbare Persönlichkeit. Und gleichzeitig fürchtet man um ihn, traut ihm zwar nicht, sieht ihn aber auch nie so wirklich als Bösewicht…

Neben den Personen spielten für mich (als in Amerika lebende Deutsche), die USA eine klare Hauptrolle. Labor Day, die Natur in New Hampshire, oberflächlich freundlich-besorgte Nachbaren und Angestellte, überbehütete Kinder, der Stil des Hauses und der Supermärkte, die verwendete Zuckermarke. Ich schaute den Film mit einem anderen Au Pair und uns beiden wurde überdeutlich bewusst. Das könnte hier passieren (auch wenn der Film in den 80ern spielt). Das sind die USA wie wir sie kennen. Mein Zuhause. Oder zumindest ein Zuhause…

Townhall

Ich habe ja schon geschrieben, dass die Geschichte aus Henrys Sicht erzählt wird, davon gibt es allerdings eine Ausnahme. Die Rückblenden. Ich bin ein absoluter Fan von Rückblenden, liebe Geschichten auf mehreren Ebenen, den Zug in die Vergangenheit. Aber in diesem Film sind sie noch mehr als das. Ich glaube ich habe Flashbacks selten oder nie so gut eingesetzt gesehen wie in Labor Day. Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass es sich um Rückblenden handelte und um welche. Sie beginnen als Märchen, in sanften Farben und voller Liebe und werden immer mehr zum Alptraum, erst andeutend, dann deutlicher und nicht mehr zu übersehend. Einige Bilder werden wiederholt, brennen sich ein und sind gleichzeitig jedes Mal in ein anderes Licht getaucht, in einen neuen Zusammenhang verstrickt. Die Geschichte, die sich entrollt ist nicht neu, nicht kompliziert. Aber wir erleben sie, wie die Person, der sie passiert ist, deren Leben sie zerstört und für immer verändert hat. Wir sehen, wie das Märchen Risse bekommt, bis nur noch Chaos und Schwärze übrig sind…

Fluss

Bevor ich zu gar keinem Ende komme noch ein kurzer Vergleich zum Trailer, dann habt ihr es geschafft: Der ist definitiv dramatischer als der Film, da er natürlich viel vollgepackter mit Ereignissen ist. In Labor Day stehen die Emotionen im Vordergrund, sie füllen den Film auch über seine Dauer hinaus aus. Die einzelnen Ereignisse sind da nur Träger, sie geben den Gefühlen und Gedanken Bilder, aber sie gehen selten über Alltägliches hinaus, was alles, das unter der Oberfläche vor sich geht, umso erschreckender macht. Der Film hat keinen großen Knall, keinen Ausbruch, was ihn umso authentischer und ungewöhnlicher macht. Gleichzeitig spielt er nur an vier Tagen, eben dem Labor Day Wochenende, in denen sich Leben entrollen, Welten einstürzen und neu entstehen. Es ist hoffnungsvoll und gleichzeitig erschreckend, was Menschen in so kurzer Zeit passieren kann, wie sich für sie und den Rest ihres Lebens alles ändern kann.

Ich denke es ist relativ offensichtlich, aber Labor Day hat mich absolut eingenommen, mitgerissen und wird mich so schnell nicht mehr loslassen. Auch wenn er wohl nicht für jeden was ist, deshalb bin ich auf Meinungen gespannt!

Filmeinung „Die Age of Adeline“

Ein Trailer wie für mich gemacht. Das 20. Jahrhundert, seine Ereignisse, seine Mode und eine wunderschöne Frau (Blake Lively), die all das erlebt. Von einem Autounfall beinahe getötet und vom Altern gestoppt, hat sie plötzlich eine Unendlichkeit vor sich. Und je länger diese sich zieht, desto unruhiger wird sie. Gibt in regelmäßigen Abständen alles auf, was sie hat, wird zu einer neuen Person. Bis sie sich verliebt und entscheiden muss, ob sie für die Ewigkeit einsam sein kann…

So viel zum Trailer. Und damit habe ich leider auch schon den Großteil des Films zusammengefasst. Denn dieser war der enttäuschendste Film, den ich dieses Jahr bisher gesehen habe, was natürlich auch meiner extremen Vorfreude geschuldet ist.

Erstmal zum Guten: Der Film ist sehr schön anzusehen. Die Farbgebung, die Schauspieler (die so viel mehr könnten!), die Kulissen und Kostüme. Die Zeit vergeht zwar, aber scheint gleichzeitig auch stehenzubleiben, so wie es Adelines Erscheinung tut. Orte aus der Vergangenheit werden besucht, Erinnerungen werden lebendig. Wie auch schon im Trailer, gefiel mir das sehr!

Solltet ihr in näherer Zukunft nach San Francisco wollen, gibt „The Age of Adeline“ einige sehr schöne Stadtaufnahmen und auch die Golden Gate Bridge spielt eine nicht unwichtige Rolle. Das hat meinen Wunsch, San Francisco zu sehen, definitiv bestätigt!

Warum hat mich der Film nun also so enttäuscht? Grund ist die Handlung. Spontan fällt mir so einiges ein, was man zum zentralen Thema des Films machen könnte: Die Geschichte San Francisco anhand Adelines Leben oder auch amerikanische/ Weltgeschichte. Sie reist viel, weiß noch viel mehr, ist live dabei, wie sich das 20. Jahrhundert entwickelt. ODER: Eine Studie ihres Charakters. Wie entdeckt sie, dass sie nicht mehr altert, wie geht sie damit um? Was ist ihr Sinn im Leben? Versucht sie Selbstmord zu begehen? Ist sie froh, über die Möglichkeiten, die die Ewigkeit ihr bietet? ODER: Fokus auf die Liebesgeschichte. Wie ehrlich muss man in einer Beziehung sein? Kann eine über 100-Jährige einen 29-Jährigen lieben? Wie ist es, Vater und Sohn zu lieben, auch wenn es in unterschiedlichen Jahrzehnten war? Und, und, und…

Worum es nun geht – um all das und irgendwie nichts davon. Alles wird angerissen. Wir sehen eine Geschichtsdokumentation, verknüpft mit ihrem Leben. Ein paar Flashbacks, wie sie zur Nomadin mit stets wechselnden Identitäten wird. Und wie sie sich verliebt. Allerdings hatte ich bei all dem das Gefühl, nur eine etwas detailliertere Version des Trailers zu sehen. Die Szenen hetzten, viel wurde ausgelassen, wir erfahren meiner Meinung nach viel zu wenig über Adeline. Alles läuft auf die Frage hinaus, ob sie ihr Leben für die Liebe ändern wird. Ob sie die Wahrheit sagt. Die Handlung plätschert vor sich hin, spitzt sich langsam zu. Und dann kommt’s. Ich werde natürlich nicht sagen was, aber dieses Ereignis macht den restlichen Verlauf des Films vollkommen klar, nimmt jeglichen Konflikt und jegliche Spannung und zerstörte für mich alles, was davor passierte. Dafür bin ich so durch den Rest des Films gezerrt worden? Ohne etwas Tieferes über Adeline oder ihr Leben zu erfahren? Für dieses an den Haaren herbeigezogene Wunder? Der Rest des Films zieht sich dann noch etwas hin, bis endlich auch die Charaktere begreifen, was passiert ist und das Happy End Einzug hält.

Adeline sagt im Film etwa: „I hate seeing lost potential.“ Und genau das ist dieser Film für mich. So gerne würde ich das Drehbuch umschreiben, würde Adeline eine detailliertere Geschichte geben, sie zu einer Frau mit einer Bestimmung machen, die durch Liebe aus der Bahn geworfen wird. Und da ohne ein Wunder wieder rauskommen muss. Oder ich hätte den Film einfach kurz vor dem Wunder enden lassen. Adelines Schicksal ist tragisch, warum es nicht auch tragisch enden lassen? So macht mich der Film, sein verlorenes Potenzial einfach nur wütend und außer ein paar schönen Bildern und Outfits, wird mir nicht viel davon bleiben…

Solltet ihr also ins Kino gehen wollen und seid auf der Suche nach einer Liebesgeschichte würde ich euch eher „The Longest Ride“ ans Herz legen! Wenn ihr auf der Suche nach Drama seid, schaut euch lieber „Woman in Gold“ an. Beides Filme mit wunderschöner, gefühlvoller und spannender Handlung und nicht nur schönen Bildern und einem oberflächlichen Drehbuch.

Ich bin gespannt, andere Meinungen zu Adeline zu hören! Bis bald, Franzi

My Obsession with Marilyn…

Ich schaue gerade bei Netflix „My Week with Marilyn“ und dachte mir, das ist eine gute Gelegenheit um über meine Obsession für diese Frau zu schreiben. Ich mochte Marilyn Monroe Filme schon seit ich das erste Mal „Blondinen bevorzugt“ gesehen habe, ich fand sie immer wunderschön, mag den Stil ihrer Zeit, ihre Haare, ihre Mimik.

2012 war ihr 50. Todesjahr (sagt man das so?) und damit kamen ganz viele Dokumentationen über sie ins Fernsehen. Und so ging die Obsession dann wirklich los. Ihr Aufwachsen, das sie zu so einer gespaltenen Person machte, ihre Abhängigkeit von Anerkennung und Liebe, die sie dann doch immer wieder enttäuschte. Ihr Wunsch, Schauspielerin zu sein, ihre Kamerasucht und gleichzeitig die ständige Angst zu versagen. All das machte mich traurig und faszinierte mich gleichzeitig. Ich fing an, Dokumentationen und Kurzbiografien zu verschlingen und quälte mich zum Teil durch „Blond“ von Joyce Carol Oates. „Quälen“ nicht, da mir das Buch nicht gefiel, sondern weil ich mich zeitweise so mit dieser Frau identifizieren konnte, dass ich mich genauso depressiv und hoffnungslos wie sie fühlte.

Das war auch der Grund, warum ich irgendwann aufhörte, mich so viel mit Marilyn Monroe zu beschäftigen. Der Film bringt jetzt aber diese ganze Obsession zurück und ich werde hier in der Bücherei glaube ich mal nach einer anderen Monroe Biografie umschauen. Ich fühle mich mittlerweile auch glücklich und zufrieden genug, um mich nicht zu sehr von diesem Strudel einsaugen zu lassen. Sollte es hier bald aber extrem melancholisch und wechselhaft zugehen, erinnert mich bitte an diesen Post!

Familie vs Leben…

Wie bereits angedeutet, war ich am Samstag ja im Kino und wer meinen Blog schon länger verfolgt, konnte sich wohl auch denken, welche Buchverfilmung ich mir angetan habe: If I Stay. Das Buch hatte bei mir ja total einen Nerv getroffen, mich zum Nachdenken angeregt, berührt.

Kurz und knapp zum Film: Er hat genau dasselbe geschafft! Und war eine wundervolle Buchverfilmung. Anders als bei „The Fault in Our Stars“ wurde nicht unmittelbar das Buch in Bilder umgesetzt, sondern schon geschönt, was Verletzungen und Tote angeht. Das hat meiner zarten Seele aber nicht weh getan. :D Was nicht geschönt wurde, war die Situation sowie die Emotionen aller Darsteller. Vorallem die Protagonistin hat unheimlich gut die verschiedenen Stadien durchlaufen, durch die Mia geht, als sie sich entscheiden muss, ob sie wie ihre Familie gehen oder für ihren Traum und ihre Freunde bleiben will. Was für sie selbst das richtige ist. In meiner Buchrezension habe ich gehofft, dass der Film halb so gut wie Buch und Trailer wird. Ist er. Genauso gut!

Was für mich unabhängig von der Buchumsetzung total interessant war, war meine Reaktion auf den Film. Wie er mich zum Nachdenken brachte, in welche Art von Melancholie er mich versetzte. Das war nämlich ganz anders als noch vor einigen Monaten beim Buch. Ich dachte diesmal nicht so viel darüber nach, wie ein Moment alles verändert. Oder wie es nicht darum geht, was einem zustößt, sondern wie man damit umgeht. Ich dachte an meine Familie. Meine Freunde. In Deutschland. Und der Film machte mir Heimweh. Er weckte bei mir den Wunsch ab sofort 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mit den mir liebsten Menschen zu verbringen. In Sicherheiten zu flüchten und alle, die ich nicht verlieren möchte, einfach zu umklammern. Was natürlich nicht geht…

Neben dem Heimweh kam aber auch die Frage. Was ist wichtiger? Die (räumliche) Nähe zur Familie? Die Vergangenheit? Kindheitserinnerungen, Traditionen? Oder das Verfolgen eigener Träume? Die Zukunft, Möglichkeiten, Neuanfänge? Angesichts des Ortes, an dem ich mich gerade befinde, seht ihr ja, was ich darüber denke. Auch wenn es natürlich keine absolute Entweder-Oder-Entscheidung ist, sondern ihr wundervollen Menschen alle irgendwie bei mir seid, ob durch F-Power oder anderweitig verbunden…

Sollte es euch interessieren, wofür Mia sich entscheidet: Kino, Bücherei oder Buchhandlung! So schnell wie möglich!

Bis bald, Franzi