Gedanken – Am Meer

Es kündigt sich schon aus der Ferne an. Wir sehen es noch nicht, hören es noch nicht. Aber wir riechen es. Ein Geruch, den ich eigentlich nicht mögen dürfte – fischig und salzig – aber ich liebe ihn. Mein Herz schlägt eine kleines bisschen schneller, mein Lächeln wird ein kleines bisschen breiter. Ich bin hin und her gerissen zwischen dem Wunsch loszulaufen, wahlweise auch zu hüpfen. Gleichzeitig will ich langsamer werden, nicht von den Menschen um mich herum getrieben werden, sondern den Moment hinauszögern.

Sonnenuntergang

Egal, ob schnell oder langsam, der Moment kommt und er ist immer wieder mit denselben Gefühlen verbunden. Ein wenig überwältigt von dieser Macht, dieser Größe, dieser Weite. Ein wenig neugierig und erwartungsfreudig, welche Farbe es diesmal haben wird, wie hoch die Wellen schlagen oder ob mich ein spiegelglatter See erwartet. Und dann dieser kurze Moment der Überraschung, dass es wieder neu, wieder anders und einzigartig ist. Dicht gefolgt von der Vertrautheit, der Erkenntnis, dass es zwar neu, aber gleichzeitig auch bekannt ist. Dass es mich genauso glücklich macht wie beim letzten Mal und das Mal davor.

Ostsee wolkig

Ich erinnere mich daran, als Kind nach einer Nacht im Auto auf dem Weg nach Italien im Morgengrauen nur eines zu wollen – das Meer sehen. Ich erinnere mich daran, auf Sardinien durch weißen Sand und glasklares Wasser zu laufen. Ich erinnere mich daran, dick eingepackt über schneebedeckte Strände in Neuengland zu streifen und die rauen Wellen zu beobachten. Ich erinnere mich daran, auf Hawaii begeistert Schildkröten im Wasser zu entdecken. Und noch so viel mehr.

Leuchtturm

Das Meer ist ein Teil von mir, ein Ort, der sich egal wo er ist, wie zuhause anfühlt, bei dessen Anblick ich Schmetterlinge im Bauch habe, wo ich ganz zur Ruhe komme. Ich liebe das Meer, dieses riesige Wasser, das so voll von Ungewissheit ist und an dem sich Fragen doch so gut beantworten lassen. Nichts fühlt sich so sehr nach Urlaub und Freiheit an wie sonnencreme-klebende Haut, salzgefestigte Haare und sandige Zehen. Umso glücklicher bin ich, genau dies am letzten Wochenende erlebt haben zu dürfen. Zwei Tage in Rostock, den Strand mit tausenden anderen Sonnensuchern teilen, aber trotzdem pures Glück und nachhaltige Entspannung empfinden. Und so sehr ich Berlins Großstadtflair liebe – ich vermisse das Meer schon wieder!

Kitesurfen

Bis bald, Franzi

Leseliebe „The Goldfinch“

„Maybe one had to be lost, for all the others to be found.“

Vielleicht musste eines verloren sein, um all die anderen finden zu können.

„The Goldfinch“ bzw. „Der Goldfink“ von Donna Tartt ist eines der besondersten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Oder vielmehr gehört, ich hatte es nämlich als Hörbuch ausgeliehen. Aufgrund der Länge begleitete es mich über Wochen hinweg, ganz losgelassen hat es mich aber auch jetzt – zwei Monate nachdem ich damit fertig bin – immer noch nicht.

Denn Theo Decker, der Protagonist, dessen Werdegang wir von seinem 13. Lebensjahr an  begleiten, wurde in den über 32 gemeinsamen Hörbuch Stunden einfach zu einem Teil von mir. Ich würde nicht sagen, dass ich zu Theo wurde, denn eine gewisse Distanz blieb da schon noch zwischen uns. Ein bisschen fühlt es sich aber an, als wäre er mein Bruder oder ein sehr, sehr enger Freund. Ich kenne ihn, manchmal vielleicht sogar besser als er sich selbst, weiß, wie er tickt, was ihn antreibt. Ich sehe seine Welt durch seine Augen. Und trotzdem sehe ich auch das Unglück, das hinter der nächsten Kurve auf ihn wartet, will ihn stoppen und davor bewahren – greife aber wie ein Schatten ins Leere.

Mal wieder möchte ich nicht zu viel zur Handlung vorweg nehmen, nur so viel: Der junge Theo wird durch Zufall (gibt es den überhaupt?) in einen schrecklichen Vorfall in einem Kunstmuseum verwickelt. Dieser verändert und prägt sein Leben für immer. Er verliert die wichtigste Person in seinem Leben und gewinnt neue hinzu. Er begegnet einer oder mehreren großen Lieben. Er ist plötzlich ganz allein und muss seinen Weg finden. Und er geht unabsichtlich (gibt es das überhaupt?) eine ganz besondere Beziehung zur Kunst ein. Eine Beziehung, die ihn nie wieder loslassen wird und auch dieses Buch durchzieht.

Einerseits ist „The Goldfinch“ ein Kunstwerk. Es folgt einer perfekten Komposition, die wir erst am Ende angelangt, völlig wahrnehmen und würdigen können. Jede Schicht, jedes Detail, jedes Symbol, jedes Wort ist handverlesen und perfekt in die Komposition eingefügt. Das Buch ist unheimlich schön zu lesen und zu hören, man möchte Donna Tartts Worte niemals vergessen, besonders im letzten Abschnitt am liebsten jeden Satz als Zitat in die Welt schreien. Ein perfektes Buch, das uns zeigt, für das Schöne, für die Kunst zu kämpfen, egal wie viel Zeit oder Kraft es kostet.

Und dann ist da die Handlung. Chaos, Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit. „The Goldfinch“ ist keine schöne Geschichte, oft fühlt er sich gar nicht an, wie eine Geschichte, sondern vielmehr eine Chronik. Wir folgen Theos Leben, Tag für Tag, Woche für Woche. Wir sind an seiner Seite und erleben Wochen voller Langeweile und Stunden, in denen sich die Ereignisse überschlagen. Wir befinden uns mit ihm in einer Abwärtspirale, krabbeln in ihr hoch, versuchen zu entkommen und werden doch wieder eingesogen. Und egal wie nichtig und unbedeutend manche Ereignisse wirken, irgendwie brauchen wir sie doch, irgendwann passen sie ins Bild, tragen zum großen Ganzen bei.

Aber was ist das große Ganze? Worauf läuft all das hinaus? Was ist die Botschaft dieses Kunstwerks? Natürlich möchte ich das hier nicht vorwegnehmen – nur eins: es ist genauso zerrissen wie der Rest dieses Buchs. Zerrissen zwischen dem Wunsch nach Schönheit und der Machtlosigkeit vor der Realität.

Um euch ein bisschen etwas vom Gefühl des Goldfinks mitzugeben, hier einige meiner liebsten Zitate (auch wenn ich wie gesagt hier gerne das ganze Buch niederschreiben würde) und meine Gedanken dazu:

„My head in the rainclouds, my heart in the sky.“

Mein Kopf in den Regenwolken, mein Herz im Himmel.

Der Kopf und das Herz, auf ganz verschiedenen Ebenen, scheinbar unvereinbar. Und doch – wenn das Herz im Himmel ist, folgen wir ihm. Lassen den Kopf im Regen stehen und lieben.

„How can I see so clearly that everything I love or care about is illusion and yet, for me anyway, all that’s worth living for lies in that charm?“

Wie kann ich so klar sehen, dass alles, was ich liebe und was mir wichtig ist, eine Illusion ist und doch, zumindest für mich, liegt alles Lebenswerte in diesem Zauber?

„Every Disney Princess knows the answer: follow your heart. What if you can’t trust your heart?“

Jede Disney Prinzessin kennt die Antwort: folge deinem Herzen. Was, wenn du deinem Herzen nicht trauen kannst?

Da sind sie wieder, der Kopf und das Herz. Die Machtlosigkeit unseres Kopfes, der sich Ordnung wünscht, der den einfachen, den richtigen Weg vor uns sieht. Aber wir betreten ihn nicht. Denn was nützt uns eine gerade Strecke, wenn unser Herz im Labyrinth zurück bleibt. Was bleibt noch von uns, ohne unsere Passionen und Liebe, egal wie falsch sie sind?

„For me, life is catastrophe. No way out, but death.“

Für mich heißt Leben Katastrophe. Kein Ausweg als der Tod.

So düster, dunkel und aussichtslos. Aber auch so wahr. Denn es wird nie nur schön, nur gut sein. Das Schlechte wartet immer früher oder später. Also bleibt nur der Tod? Nein, denn…

„Because, between reality on the one hand and the point where the mind strikes reality, there’s a middle zone, a rainbow edge where beauty comes into being, where two very different surfaces mingle and blur to provide what life does not: and this is the space where all art exists and all magic.“

Denn zwischen der Realität auf der einen Seite und dem Punkt, an dem unsere Vorstellung die Realität trifft, gibt es eine Zwischenzone, den Rand eines Regenbogens, an dem Schönheit beginnt zu entstehen, wo sehr verschiedene Oberflächen sich verbinden und zu etwas verschwimmen, das das Leben uns nicht geben kann: und in diesem Raum existiert die Kunst und jede Magie. 

Diesen wunderschönen Worten kann ich auch nichts mehr hinzufügen, außer: auch wenn „The Goldfinch“ ein sehr langes und nicht immer einfaches Buch ist, hat es so viel Schönheit, so viele inspirierende Gedanken, so perfekte Worte und gleichzeitig so viel Echtheit in sich, dass sie über die Durststrecken und Dunkelheit hinwegtragen. Jeder, der etwas für Kunst empfindet, jeder, der schon einmal einen Fehler gemacht hat, der schon einmal etwas oder jemanden verloren, der schon einmal geliebt hat, wird sich in diesem Buch finden. Und verlieren. Aber das brauchen wir auch manchmal.

Bis bald, Franzi

Kauai, Hawaii – Heli Flug und Waimea Canyon

Es ist soweit, wir sind am letzten Post zu meinem Reisemonat angelangt. Und natürlich muss so ein Trip – von San Francisco und Sausalito, entlang der kalifornischen Küste, ins verrückte Las Vegas, an den atemberaubenden Grand Canyon, über die Brücken der Road to Hana und auf dem Haleakala Vulkan auf Maui bis aufs kleine, paradiesische Kauai – mit etwas Dramatischem, ganz Besonderen enden. Here we go: Eindrücke unseres Helikopterflugs über Kauai. Ich bekommen beim Anschauen der Bilder immer noch ein wenig das Kribbeln im Bauch, das ich während dieser magischen Stunde in der Luft spürte…

Heli
Das war er: unser Heli!
Ostküste
Los ging es entlang der Südküste…
Maze
landeinwärts…
Green
über Berge…
Flying through Rain
… und Täler.
Waimea Canyon
Aber Kauai kann mehr als Grün!
Canyon
Das ist der Waimea Canyon.
Sea
Und nochmal eine völlig neue Landschaft:
Napali Coast (2)
die Napali Küste.
Napali Coast
Die ist kaum zugänglich – es gibt nur einen gefährlichen Wanderweg.

Coast (2)

Coast

Berge
Durchs Tal wieder ins Land.
Crater
Rein in den (grünen) Krater des Vulkans der Insel.
Falls
Einer der nassesten Orte der Welt – voller Wasserfälle.

 

Valley (2)
Und schon war diese wunderbare Zeit vorbei und wir flogen wieder gen Heliport.

Ich denke die Bilder zeigen ganz gut, wie unfassbar beeindruckend der Flug war, einfach schon, da so viele völlig verschiedene Welten auf dieser kleinen Insel zusammen kommen. Und natürlich auch, da wir einige der Orte, wie den Vulkan Krater oder die Napali Küste anders kaum hätten erreichen können.

Einen Ort, den man allerdings auch mit dem Auto und zu Fuß erreichen kann, ist der Waimea Canyon, der ganz oft mit dem Grand Canyon verglichen wird. Auch wenn er viel kleiner ist, ist er ebenfalls sehr, sehr beeindruckend und deshalb hier zum Abschluss noch einige Bilder vom Ausflug dorthin:

Fahrtstrecke

Strecke
Kurvige Straßen zum Canyon

Canyon

Green Canyon

Landscape

Rocks and Sand

Rocks

Waterfall

Canyon (2)

Wir fuhren dann noch weiter nach oben zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einige Blicke auf die Napali Küste hat. Das war unser Blick, als wir dort ankamen:

Lookout

Nebelwand

Toll, oder? Da war also diese Nebelwand vor uns und wir sahen NICHTS. Was tun? Wir warteten, fuhren noch ein bisschen rum, kamen zurück, warteten noch ein bisschen und dann…

Nebel
…sahen wir ein bisschen mehr
Klippen
… und noch ein bisschen mehr
Coast
… und für einen kurzen Moment die wunderschöne Napali Küste von oben! Das Warten hat sich gelohnt.

Ich möchte diesen Post eigentlich gar nicht beenden, denn es fühlt sich ein bisschen so an, als müsste ich noch einmal in den Flieger nach Deutschland steigen, meinen Reisemonat beenden, mich von den USA und meinem Leben als Au Pair verabschieden. ABER zum Glück kommen noch ganz viele weitere Reisen und Erlebnisse auf euch und mich zu. Bis dahin, Franzi

 

Kauai -South Coast, Kapaa, Wailua Falls

Noch einmal setzen wir uns in den Flieger, um einen weiteren Teil der USA, genauer gesagt von Hawaii, zu entdecken. Diesmal geht es auf eine kleinere, aber nicht weniger schöne Insel als Maui: Kauai. In diesem Post wirkt die vielleicht noch nicht ganz so spektakulär wie Maui, aaber… auf die Perspektive kommt es an! Das werdet ihr dann im nächsten Post sehen… Heute geht es erstmal los mit einigen wunderschönen, ersten Eindrücken und einer meiner liebsten hawaiianischen Städte.

Unser Hotel – die Ostküste: Wir waren wieder in einem ziemlich großen Hotel, das von der Lage her super war, vom Service her aber leider nicht ganz so toll. Trotzdem mal ein paar Bilder von der wieder traumschönen Anlage und einen Essenstipp für Kauai: den Lava Lava Beach Club. Superleckeres und frisches Essen, die Füße im Sand, ein kleines Feuer auf dem Tisch, Blick auf Palmen und Sternenhimmel. Klingt kitschig? War es auch, aber eben auch so wundervoll, dass wir sogar zweimal innerhalb von drei Tagen hin gingen.
Hotel

Hotel by Night

Hotel View
Balcony with a view.

Garden

Beach
Der Strand am Beach Club.

Sleeping Giant Hike: Unser erster kleiner Ausflug führte uns zum Sleeping Giant Hike, den man wirklich nur mit Navi finden kann, da der Beginn des Wegs mitten in einem Wohngebiet liegt und es dafür null Schilder gibt. Das ist so bei relativ vielen „Sehenswürdigkeiten“ (die ja hauptsächlich Natur sind) auf Kauai. Die Insel ist einfach noch nicht so touristisch, wie zum Beispiel Maui, was ja auch super ist! Man muss sich dessen nur bewusst sein und sich ein bisschen genauer überlegen, wo man hin möchte und wie man da hin kommt.

Sleeping Giant

Zum Hike: der ist auch ziemlich naturbelassen, man muss also immer mal über Steine, Wurzeln und Äste kraxeln. Ich fand ihn gerade durch die Hitze ziemlich anstrengend (wir sind auch nicht ganz hochgeklettert), bin allerdings auch überhaupt nicht ans Wandern gewöhnt. Ist auf jeden Fall schaffbar, wenn man nicht in zehn Minuten hochrasen will. Der Blick schon ab einer mittleren Höhe lohnt sich aber auf jeden Fall, denn er ist einfach wunderschön!

Path
Das ist der Weg…

Braided Trees

Glimpse

Profile

View

Coast

Wailua Falls: Ähnlich schlecht ausgeschildert wie der Sleeping Giant Hike und völlig überraschend aus dem Wald auftauchend, sind die Wailua Falls, also Wasserfälle, die in einen kleinen See fallen und von dort wieder im Wald verschwinden. Wunderschön im Grünen eingeschlossen und daher auf jeden Fall einen kleinen Stopp wert!

Wailua Falls Surrounding

Wailua Falls

Forest

Wailua Falls Panorama

Kapaa: Nur ein paar Minuten Fahrt entfernt von unserem Hotel lag die Stadt Kapaa, eine typische, amerikanische Kleinstadt der anderen – nämlich hawaiianischen – Art. Kapaa ist nicht wunderschön oder idyllisch, wird von einer großen Straße durchzogen und die Häuser sind ziemlich wild gemixt, hat aber eine tolle Atmosphäre. Kleine Boutiquen, mit vielen handgemachten Produkten, superleckere Restaurants, die Nähe zum Strand, eine bunte Mischung von Hühnern, Surfern, Locals und Touristen, die hier leben – Kapaa hat es uns einfach angetan.

Hula Girl

Ukulele

Swing

Innenhof

Chicken
Freilaufende Hühner gibt es auf Kauai ÜBERALL.
Favorite Cafe
Unser liebstes Café

Breakfast

Die Südküste: Unser letzter Stopp in diesem Post ist der Südosten Kauais, in dem wir an verschiedenen Stränden war. Der perfekte Ort zum Entspannen, Sonne genießen und ein paar Besonderheiten entdecken.

Tree Tunnel
Auf dem Weg an die Küste durch den Tree Tunnel. 

Rocks

Palmtrees

Beach

Coastline

Spouting Horn

Im nächsten (und letzten) Hawaii Post geht es um eines der wohl einzigartigsten Erlebnisse des Urlaubs – obwohl es davon natürlich viele gab, ist das nochmal ein besonderer Höhepunkt. Bis bald, Franzi

Blogparade: Warum in die Ferne schweifen?

Warum in die Ferne schweifen?, fragte Jessica von Yummytravel  beim Aufruf zu ihrer Blogparade. Sie wollte dabei von all den reiselustigen und fernwehgeplagten Menschen da draußen wissen, warum wir reisen. Was bringt uns dazu, immer wieder die Koffer zu packen? Warum setzen wir uns immer wieder Abschiedsschmerz und Heimweh aus? Warum ziehen wir das Unbekannte dem Sicheren, Vertrauten vor? Warum schweifen wir in die Ferne?

Durchfahrt (2)
Einfach losfahren und auf in die Ferne!

Der erste Gedanke, der mir als Antwort auf diese Frage kam, war: um rauszukommen. Ich reise, um Neues zu sehen und zu erleben, um für eine kurze oder längere Zeit dem Alltag zu entfliehen, Abwechslung zu bekommen, Erinnerungen zu schaffen. Das stimmt auch alles und doch habe ich das Gefühl, die Frage hiermit nicht wirklich zu beantworten. Denn für Neues, Abwechslung, Erinnerungen und Schönheit muss ich nicht in die Ferne schweifen. All das finde ich auch vor meiner Haustür. Dazu muss ich mich nur in die Bahn setzen und mal in ein neues Viertel fahren, einen anderen Weg zur Arbeit gehen, das Wochenende in einer benachbarten Stadt verbringen. Für diese Alltagsfluchten brauche ich keine Ferne, sondern nur Neugier und ein bisschen Kreativität.

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Ist eine neue Heimat genauso gut wie eine Fernreise?

Warum spare ich also Geld für Flüge? Und warum wächst meine Bucketlist mit Reisezielen gefühlt täglich? Was ist so toll an der Ferne? Die für mich richtige Antwort habe ich beim Gedanken an meine bisher längste – sowohl von Dauer als auch Entfernung – Reise gefunden. Meine Zeit als Au Pair in den USA.

Denn was mir die Entfernung dort gebracht hat, ist Abstand und damit verbunden Reflexion. Eine ganz besondere Form davon, die meinen Blick verändert hat und mich ein bisschen zu einem anderen Menschen werden ließ. Und das ist für mich etwas, das Heimatentdeckungen und Wochenendtrips in dieser Form nicht schaffen können – auch wenn sie oft wichtige Impulse geben. Worüber habe ich aber nun reflektiert und wie hat die Ferne mir dabei geholfen?

Silhouettes
Die Ferne bietet oft ungekannte Möglichkeiten und neue Perspektiven.
  1. ist da die Auseinandersetzung mit einer anderen, einen neuen Kultur. Ich meine hier nicht den fremden Dialekt oder ein neues Gericht, sondern tiefgreifende Unterschiede, die oft auch erst sichtbar werden, wenn man ein bisschen Zeit in einem fremden Land verbracht hat. An einigen dieser Unterschiede – wie der grundsätzlich positiven und entspannten Einstellung vieler Amerikaner sowie einer viel größeren Freundlichkeit im Alltag – versuche ich mir ein Beispiel zu nehmen. Ich habe sie sorgfältig in meinem Koffer verstaut, in Deutschland rausgeholt und versuche nun meine Welt hier mit diesen Erfahrungen ein bisschen schöner zu gestalten. Aber da sind auch die Kulturunterschiede, die mir gezeigt haben, aus was für einem tollen Land ich komme, wie stolz wir auf Deutschland sein können. Sei es Zuverlässigkeit, Umweltbewusstsein oder die gemütliche Adventszeit – nie wusste ich meine Heimat so sehr zu schätzen wie nach einer langen und weit entfernten Reise.
  2. sind da die Menschen in unserem Umfeld. Gerade in der Schulzeit wird Freundschaft doch noch relativ großzügig verteilt. Da gibt es wohl kaum einen größeren Härtetest als mehrere hundert oder tausend Kilometer Entfernung und am besten noch ein paar Stunden Zeitverschiebung obendrauf. Wer bleibt uns von unseren liebsten Menschen noch erhalten, wenn wir ihnen nicht mehr jeden Tag ausgeliefert sind, sondern echte Anstrengungen unternommen werden müssen, um sich auszutauschen und in großer Entfernung nahe zu bleiben? Umso glücklicher bin ich daher, dass meine liebsten Menschen vor den USA tatsächlich auch jetzt noch diesen Titel haben und ihn auch jetzt, wo ich in Berlin bin, tapfer behalten. Denn auch nach einer Rückkehr ist das Überleben der  Freundschaft nicht gesichert, da…
  3. wir wohl am meisten uns selbst reflektieren auf einer Reise in die Ferne. Es gibt da dieses Zitat, das besagt, dass wir manchmal das Nichts um uns herum brauchen, um uns selbst zu finden. Dem könnte ich nicht mehr zustimmen. Denn wer schon einmal tausende von Kilometern von „zuhause“ entfernt war, in einem anderen Land, einer anderen Kultur, einem anderen Leben; wer schon einmal niemanden kannte und bei null anfangen musste/durfte, der wird automatisch auch über sich selbst nachdenken. Bin ich eigentlich zufrieden mit dem Leben, das ich zuhause führe? Was macht es aus? Wo will ich so mal hin? Macht mich das glücklich?
Lake
Auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen.

Es sind eigentlich einfache Fragen, die nur in uns selbst Antworten finden. Und doch brauchen wir oft den Anstoß von außen – Ferne, einen Kulturschock, völlig neue Menschen um uns herum – um sie zu stellen und ihre Wichtigkeit zu erkennen. Und wir brauchen Zeit, um sie für uns zu beantworten, die im Alltag häufig nicht da ist. Dafür reicht meist (leider) auch das neue Café oder der Wochenendtrip nicht. Dafür braucht es auch nicht unbedingt eine Pilgerfahrt oder einen Selbstfindungstrip, aber eben doch: Ferne. Einen kleinen oder großen Kulturschock. Und oft auch einiges an Mut. Und wenn den etwas weckt, dann das Wachrütteln durch eine Reise an einen weit entfernten, unbekannten Ort…

Me
So weit weg und doch ganz bei mir. 

Warum reist ihr? Und zieht es euch dabei in die Ferne? Ich freue mich über Meinungen. Bis bald, Franzi

Leseliebe – After you

„There might be no great adventures, sure,… But there were worse things, right? Than to be with your family, loved and secure? Safe?“

Schon in meinem letzten Buchpost habe ich ja über „Me before you“ von Jojo Moyes geschrieben. Da die Geschichte und die Charaktere mich nach Buch und Film immernoch nicht losließen, musste ich unbedingt auch noch den zweiten Band lesen, um sie hoffentlich ruhen lassen zu können.

„After you“ ist… definitiv ganz anders als das erste Buch. Während es im ersten Teil um unsere Vergangenheit, unsere Vorgeschichten geht und wie diese uns prägen und beeinflussen, widmet sich das zweite Buch den Nachgeschichten. Wie bewältigen wir die vollkommene Veränderung unseres Lebens, die dramatische Erweiterung unseres Horizonts, wenn wir damit plötzlich allein da stehen?

Die Geschichte war für mich erstmal ein kleiner Schock, da ich ein relativ klares Bild im Kopf hatte, wie sie ablaufen sollte und wie das Buch sich anfühlen würde. Beides war komplett anders. Aber: so ist das Leben. Wir konzentrieren uns auf etwas, stellen uns etwas vor, arbeiten darauf hin. Und dann kommt die Realität dazwischen, etwas Neues passiert, völlig unerwartet, zerstört (oder rettet?) unsere vorher gefassten Pläne. Im Nachhinein sehen wir oft, wie dieses unvermittelte Chaos ins Bild passte, warum es doch irgendwie notwendig war. Das macht es jedoch erstmal nicht leichter damit umzugehen. So ging es mir mit „After you“ und genauso geht es auch Louisa in der Geschichte.

Um diese Überraschungs- und Schockmomente nicht vorwegzunehmen, werde ich an dieser Stelle nichts mehr zur Handlung sagen. Auch ich habe mich völlig unvorbereitet in die Geschichte hineinfallen lassen und das ist meiner Meinung nach auch der beste Weg, sie zu lesen. Warum also dieser Post? Wie schon im ersten Teil gab es einige Themen, mit denen ich mich sehr gut identifizieren konnte, die mich tief berührt haben. Und diese möchte ich hier gerne teilen:

Erstmal geht es da ums Zurückkommen. Wie ist es, nach einem großen (oder kleinen) Schritt, nach dem Mut zusammennehmen, dem Neues wagen – zurückzukommen? Zurück in die Vergangenheit, zurück ins Alte und Vertraute? Zurück an Orte, an denen sich nichts verändert zu haben scheint, von denen man sich Jahrzehnte entfernt fühlt und an denen niemand die persönliche Entwicklung versteht. Es scheint so verlockend, sich ins Bekannte zu verziehen, sich in der Komfortzone einzuigeln, wieder anzukommen. Und doch ist das nicht (ganz) möglich. Denn wir sind nun einmal nicht mehr dieselben. Wir können neue Erfahrungen nicht unerlebt machen, Gelerntes nicht ungelernt, Gewusstes nicht ungewusst. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.

Es ist hart, zurückzukommen, scheint einem oft nur zu zeigen, was man alles vermisst, was alles fehlt. Aber es ist auch hilfreich. Denn das Zurückkommen zwingt uns zu fragen, wer wir sind. Wer wir geworden sind. Und ob wir diese Person sein wollen? Wo gehören wir hin? In die alte Komfortzone, die vielleicht nur umgebaut werden muss, damit sie wieder passt? Oder raus, weg, weiter? Zu neuen Ufern, auf neuen Wegen, weiter auf der Suche nach einem Ort zum Ankommen? Und gleichzeitig gibt uns das Zurückkommen das Wissen, dass da immer ein Ort ist, an den wir zurückkehren können. Denn auch wenn der Ort und das Leben nicht mehr passen – so gibt es doch meist Menschen dort, die das umso mehr tun!

Natürlich geht es in „After you “ um noch viel mehr und eines dieser Themen sind Träume. Die gehen ebenfalls mit den Horizonterweiterungen einher, entstehen ja oft erst, wenn wir die Komfortzone hinterfragen und verändern oder verlassen wollen. Aber wie weit lohnt es sich dafür zu gehen? Was, wenn die Erfüllung unserer Träume ganz und gar nicht traumhaft ist, sondern hart und schwer? Was, wenn der Weg zum vermeintlichen Glück uns viel unzufriedener macht, als der gemütliche Stillstand? Dann heißt es meiner Meinung nach Augen zu und durch sowie lernen, im Regen zu tanzen und Limonade zu machen. Das Erfüllen von Träumen ist wohl selten bis nie einfach, beinahe immer etwas gruselig und verunsichernd. Aber das ist es wert. Denn auch, wenn wir unser Ziel nicht erreichen oder feststellen, dass wir dort gar nicht hinwollen, haben wir uns bewegt, gelernt, uns weiterentwickelt. Sind ein Risiko eingegangen und haben uns selbst ein bisschen besser kennengelernt. Ob selbstgewählte oder vom Leben zugeworfene Herausforderung – nehmen wir sie an, bleiben wir in Bewegung, leben wir.

Und mit diesen gesammelten Weisheiten lege ich euch „After you“ nochmal ans Herz. Auch wenn es anders ist als sein Vorgänger – so ist das Leben und sowohl Jojo Moyes als auch Lou mussten in Bewegung bleiben. Also gebt dem Neuen eine Chance, denn wir können das Alte ja trotzdem noch lieben. Und lasst mich unbedingt wissen, was danach euer Fazit ist. Bis bald, Franzi

Maui, Hawaii: Road to Hana

Seid ihr bereit für den ultimativen Roadtrip? Seid ihr bereit für 54 Brücken und etwa 600 Kurven? Dann anschnallen und auf geht es die Road to Hana entlang! So ungefähr stellten meine Mama und ich uns das vor, hüpften in unseren Mietwagen und… stellten fest, dass es doch nicht ganz so einfach ist. Zwar ist die Road to Hana, also die Straße, die Paia und Hana an der Nordostküste Mauis miteinander verbindet, WUNDERSCHÖN. Gleichzeitig führt sie aber eben auch mitten durch den Dschungel und daher ist es nicht immer möglich, all die tollen Punkte zum Anhalten beim „einfach rumfahren“ zu entdecken.

Unsere Lösung: Ich lud spontan und mit wechselhaftem Internet R2H (Road to Hana) für $15 auf mein Handy runter.Das ganze ist ein digitaler Guide mit Karte und schriftlicher Zusammenfassung sowie einer Art Hörspiel mit einzelnen Tracks zu den Stopps. Dabei werden einem immer die Mile Marker (hier als MM) verraten, an denen diese sich verstecken, wir fühlten uns also etwas wie bei einer Schnitzeljagd, hatten aber sehr viel Spaß und fanden einige wundervolle Orte! Die möchte ich hier mit euch teilen. Ein Tipp noch: nehmt euch mehr als einen Tag, denn es gibt sooo viel zu entdecken und das ganze ist einfach ein einmaliges Erlebnis, dem die Fotos leider nicht gerecht werden. Also: selbst hinfahren!

Paia: Eine kleine Hippie Stadt, in der die Road to Hana offziell beginnt und in der ich leider gar keine Bilder gemacht habe. Hier hat es mir allerdings super gut gefallen, ganz viele kleine Cafés und Restaurants, sowie Unterkünfte, die privater sind als die an der Kaanapali Küste.

MM9, Waikamoi Ridge Trail: Unser erster Stopp auf der eigentlichen Strecke und hier führte uns ein schmaler, ziemlich matschiger Pfad in den Regenwald. Und der war schon ziemlich überwältigend…

Wer sieht die Straße
Wer findet hier die Straße?
Pfad
Folge dem Pfad…

Dickicht

Blüte

Blick vom Urwald aufs Meer

Andere Blüte

MM16, Ke’anae Peninsula: Der nächste Stopp und totales Kontrastprogramm zum vorherigen, dichten Grün. Nur wenige Meilen weiter warteten nämlich schroffe schwarze Felsen und das wohl blauste Meer, das man sich vorstellen kann.

Peninsula

Peninsula Zoom

Peninsula Palme

Peninsula Gischt

Peninsula Fels

Peninsula Fels (2)

MM18, Wailua Overlook: Nur zwei Meilen weiter bekamen wir einen kleinen Überblick über diesen wahnsinnigen Ort. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen das üppig grüne Tal voller kleiner Wasserfälle. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: atemberaubend!

Overlook Straße

Overlook Tal

Overlook Meer

Overlook Palmen

Overlook Church

Overlook Wasserfälle

MM 25, Makapipi Falls: Bei all den Wasserfällen auf der Strecke ist es gar nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen, an welchen man stoppt. Für diesen entschieden wir uns, weil man hier eine ganz neue und einzigartige Perspektive einnimmt – aber seht selbst!

Makapipi Fall

Makapipi Hill
Makapipi View

Makapipi River

Makapipi Scenery

MM 32, Black Sand Beach at Wai’anapanapa State Park: Müsste ich mich für einen Höhepunkt auf dieser Straße voller Höhepunkte entscheiden, so wäre es glaube ich der schwarze Strand. Die Farben – der schwarze Sand und die Felsen, das tiefblaue Meer, die weiße Gischt und das unglaubliche Grün der Pflanzen. Wahnsinn!

Black Sand Wave

Black Sand Hole

Black Sand Glimpse

Black Sand Gischt
Diese Gischt war der Hammer – das war eine bestimmt 5 oder 6 Meter hohe Klippe…

Black Sand Felsformation

Black Sand Colors

Black Sand Cliff

Black Sand Bucht

 

MM34, Hana und Red Sand Beach: Hana – das Ziel unserer Reise und ein kleiner Schock. Man erwartet, aus dem Regenwald herauszukommen und sich in einer Stadt wiederzufinden. Das passierte allerdings nicht… Stattdessen ist man weiterhin mitten in der Natur, ab und zu findet sich mal ein Haus oder ein Schild und es gibt ein paar mehr Abzweigungen. Das klingt jetzt sehr negativ, aber eigentlich finde ich es toll. Toll, dass Hana von so vielen Touristen heimgesucht wird und trotzdem noch echt ist. Authentisch, gemütlich, hawaiianisch. Voller freundlicher und herzlicher Menschen, die uns den Weg wiesen.

Hana School

Hana Küste
Die Häuser verschmelzen hier beinahe mit der Landschaft. 

Hana Hütte

Unter anderem zum Red Sand Beach. Um den zu finden, muss man nämlich durch ein Feld auf einen winzigen, als gefährlich markierten Pfad kraxeln. Im Vergleich zu allem anderen, was wir an dem Tag gesehen hatte, war er dann auch gar nicht so spektakulär wie erhofft, aber definitiv ein Erlebnis dorthin zu kommen!

Hana Warning

Hana Trail

Hana Pferde
Pferde!

Hana Red Sand

Hana Coast

Entlang der Straße: Das besondere an der Road to Hana ist nicht, von einem schönen Stopp zum nächsten zu fahren (das auch), sondern eben, dass alles, was zwischen diesen Stopps liegt, auch wunderschön und beeindruckend ist. Daher hier nochmal ein paar Schnappschüsse aus dem Auto von namenlosen, aber dadurch nicht weniger beeindruckenden Plätzen.

Durchfahrt (2)
Zu Beginn ist die Straße noch ganz offen und breit. 
Durchfahrt (3)
Doch die Brücken und der Wald kommen schnell. 
Durchfahrt (4)
Bambus so weit das Auge reicht.

Durchfahrt Bambus

Durchfahrt (5)
Und noch mehr Brücken.

Durchfahrt (6)

Durchfahrt Twin Falls

Durchfahrt Wasserfall

Durchfahrt

MM 22, Secret Falls: Auf unserem Rückweg von Hana nach Paia machten wir dann noch einen kleinen Stopp an den Secret Falls, die sich wie der Name schon sagt, etwas im Wald verstecken und daher wirklich nur zu finden sind, wenn man weiß, dass sie da sind. Die kleine Lichtung mit dem See und dem Wasserfall war so märchenhaft-perfekt, dass eigentlich nur noch eine Nixe oder Elfe fehlte. Die wollten sich aber leider nicht fotografieren lassen…

Secret Falls Outlook
Der Blick von der Straße aus.
Secret Falls Wald
Auf in den Regenwald.
Secret Falls
Und da ist er! Leider fing es dann an zu regnen…

Ich hoffe, ich konnte bei euch ein bisschen Fernweh wecken. Bei mir hat das an diesem grauen Tag in Berlin auf jeden Fall geklappt. Bis bald, Franzi

062016 – London, Holland, Berlin

Wie der Titel schon verrät, ist mal wieder ein Monat um (hier bitte das obligatorische „Oh nein, wie kann die Zeit nur so schnell vorbei gehen?!“ einsetzen) und der Juni war gerade im Nachhinein betrachtet ziemlich spannend und reisefreudig. Ich verbrachte ihn in drei Ländern und zog außerdem um. Also los geht’s mit einem kleinen Rückblick:

Gereist: Am ersten Juni Wochenende ging es zu Besuch bei einer lieben Freundin für vier Tage in eine meiner Lieblingsstädte – nach London! Irgendwie ist das keine Stadt, die mir so präsent ist, wie zum Beispiel New York, aber wann immer ich wiederkomme, frage ich mich, wie ich London eigentlich vergessen konnte. Ich gelobe also Besserung und werde hoffentlich bald wieder einmal zurückkommen. Posts zu all den Dingen, die ich gemacht habe – es waren so einige – kommen nach meinen Reisemonatsposts. Hier aber schonmal ein paar Eindrücke:

Skygarden
Der Sky Garden – leider ziemlich neblig, aber trotzdem wunderschön.

London

London Primrose Hill
Sieht nicht nach Großstadt aus, fühlte sich auch nicht so an, war aber wunderschön: Primrose Hill
Cream Tea
Den in jeder Hinsicht süßesten Tee hatten wir in der BB Bakery in Covent Garden – ganz in pink!

Ein weiterer Besuch zog mich nach Holland – eigentlich nach Venlo, mit Ausflügen nach Den Haag und Amsterdam. Während ich die Hauptstadt schon kannte, von dieser wunderschönen Stadt aber kaum genug bekommen kann, war ich von Den Haag positiv überrascht, denn auch diese Stadt ist super süß und hat die perfekte Kombi von gemütlicher Altstadt mit Strand und Meer. Auch Venlo gefiel mir echt gut, natürlich besonders mit der richtigen Gesellschaft – nochmal vielen Dank, dass du mich aufgenommen hast!

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Grachten, Blumen, schöne Fassaden: Amsterdam!

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Den Haag
Ich sollte es glaube ich zu einer Regel machen, es jeden Monat mindestens einmal ans Meer zu schaffen. Mein Happy Place!
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Mit leckeren Getränken und der richtigen Gesellschaft fühlt es sich auch bei Wolken wie Sommer an.

Geliebt: habe ich diesen Monat so einiges. Unter anderem die Tatsache, dass meine Familie und ganz viele meiner Lieben jetzt wieder in der selben Zeitzone wie ich leben und wir nur noch einen Anruf oder eine Zugfahrt voneinander entfernt sind.

Außerdem hatte ich im Juni ganz viel Zeit zu schreiben. Für den Blog, für mich und beruflich. Und liebe es! Dank meines Praktikums wird das auch noch eine Weile so weitergehen.

Neben dem Schreiben habe ich auch gern geredet – nämlich auf einer Berufsmesse für meine Au Pair Agentur Aifs. Sechs Stunden am Stück Begeisterung für die USA und das Au Pair Leben verbreiten? Kann ich!

Meine größte „Liebe“ diesen Monat war aber wohl mein neues Zuhause – Berlin. Obwohl ich immer noch für die meisten Wege Google Maps brauche, wie ein begeisterter Tourist Fotos schieße und über das eine oder andere nur den Kopf schütteln kann – fühle ich mich in dieser großen, bunten, verrückten Stadt tatsächlich zuhause. Und sehr glücklich.

Museumsinsel
Bei einem ersten Stadtspaziergang mit meiner liebsten Katha.
In Love
IN LOVE – mit dieser Stadt.
Flohmarkt RAW
Berlin = Flohmärkte. Dieser hier auf einem leerstehenden Industriegelände. (Der Müll rechts wurde übrigens nicht verkauft!)
Charlottenburg
Selbe Stadt – anders Gesicht: Charlottenburg. 

Berlin Impression

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Eins meiner liebsten Erlebnisse bisher – auf der Shopping Night der Show & Order Messe zur Fashion Week.

Gelitten: Eine lapidare Bemerkung meiner Zahnärztin führte zum wohl größten körperlichen Leiden im Juni – meine Weisheitszähne mussten raus…Das ging zum Glück alles entspannter von statten als ich es erwartet hatte und war dank guter Tabletten auch nur mit minimalen Schmerzen verbunden. Trotzdem bin ich froh, dass sie jetzt raus sind und ich wieder voller Freude in einen Apfel beißen kann.

Größer als das körperliche Leiden war definitiv das seelische, denn an einigen Tagen habe ich meine Gastfamilie in den USA schon sehr vermisst. Ob beim Skypen mit den Kiddos oder in kleinen Alltagssituationen – sie fehlen hier einfach…

Gesucht und gefunden: Ein weiteres großes und etwas furchteinflößendes Projekt letzten Monat war die Suche einer Wohnung in Berlin. Zwar bin ich für den Moment in einer wunderschönen WG unter, allerdings nur zur Zwischenmiete. Und da ich ja gerne voraus plane, habe ich mich schon mal nach etwas ab Herbst umgesehen und wurde auch fündig: Im Oktober werde ich in meine erste ganz eigene Wohnung ziehen und freue mich schon unheimlich darauf. Die Suche ging im Endeffekt auch viel schneller und unkomplizierter rum als erwartet, meine etwas verfrühte Panik hat sich also gelohnt. :D Und der unterschriebene Mietvertrag gibt mir noch ein bisschen mehr das Gefühl, hier jetzt zuhause zu sein.

Bis bald, Franzi

Maui, Hawaii: Kanaapali Küste, Lahaina und Haleakala Vulkan

Seit ich aus den USA wieder zurück bin, freue ich mich unendlich auf diese Posts – Hawaii! Allgemein ein ziemliches Traumziel und das war es für mich auch wirklich. Die Kombination aus palmengesäumten Stränden, schroffen Vulkanen und üppig grünen Regenwäldern mit einigen kleinen, bunten Städten dazwischen hat einfach etwas ziemlich Überwältigendes. Und deshalb werden sich die nächsten vier Reiseposts auch meinen Erfahrungen auf und Tipps für Maui und Kauai widmen. Auf geht’s!

Kaanapali Küste: Die Kaanapali Küste liegt im Westen Mauis, etwas nördlich von der Stadt Lahaina, über die ich gleich noch schreiben werde. Hier befand sich unser Hotel, das Kaanapali Beach Hotel, und hier gibt es auch nur Hotels. Die ganze Anlage hat nämlich den Zweck die historische Stadt Lahaina von großen Hotelkomplexen zu verschonen, die sind deshalb alle in Kaanapali ansässig.

Die Strände dort sind auch wunderschön und die Lage auch ganz gut, um die Insel zu entdecken, aber es ist eben eine doch ziemlich abgekapselte Hotelwelt. Bei einem weiteren Besuch würde ich lieber in einem kleinen Hotel in Lahaina oder noch lieber Paia (darum geht’s im nächsten Post) unterkommen, denn da ist man einfach noch näher am echten Hawaii und da alle Strände öffentlich zugänglich sind, kann man die auch so genießen. Trotzdem hier einige Eindrücke der Hotelanlage, die auch traumhaft schön war. Jammern auf hohem Niveau also…

Hotel
Die Hotelanlage – überall Frangipanibäume!

View

Hotel View

Hotel Tikki
Abends gingen die Fackeln an und eine kleine Hula Show los…
Hotel Garden
Vom Hotelgarten direkt an den Strand…

Coast

Beach

Sunset Maui

Natürlich wäre es kein Problem gewesen, den ganzen Tag hier am Strand zu liegen, im Meer zu schwimmen, die Palmen zu beobachten und NICHTS zu tun. Aber dafür ist Maui definitiv zu schön und besonders, deshalb hüpften wir in unseren Mietwagen und fuhren diese wunderschöne Strecke entlang nach Lahaina…

Road

Cliffs

Sea

Lahaina: Wie schon erwähnt eine historische Hafenstadt, die mich mit ihrem kolonialen Stil und sommerlich-südlicher Stimmung ein bisschen an Fluch der Karibik erinnerte. Absoluter Wahnsinn war für mich der Banyan Tree, ein Platz, der aussieht, als sei er mit ganz vielen Bäumen bepflanzt – tatsächlich ist das aber ein einziger riesiger Baum. Oh, und das Eis war hier auch extrem lecker!

Lahaina, Ukulele

Lahaina Baum
Das ist der Baum!

Lahaina Colonial

Lahaina Harbor

Lahaina Road

Lahaina Shops

Lahaina View
Wenn das der Ausblick beim Shoppen ist…

Lahaina Water

Haleakala: Was sich hinter diesem mysteriösen Namen verbirgt? Der Vulkan auf Maui, auf dem wir beschlossen hatten, den Sonnenuntergang zu sehen. Das bedeutete ein Fahrt in den Himmel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wo unsere Fahrt so losging…

Valley
Das Helle im Hintergrund ist das Meer.

Sah es schon bald so aus:

In the clouds

Leider sind Wolken nicht ganz so weiß und fluffig, wenn man erstmal drinsteckt. Sondern eher neblig-grau. Aber…

Clouds

So sah es aus, sobald wir aus den Wolken wieder hervorkamen. Wie im Flugzeug, nur dass wir uns tatsächlich noch auf der Erde befanden.

On top of the World

Noch weiter oben fanden wir dann den Krater vor:

Crater 2

Crater

Und sahen den wohl schönsten Sonnenuntergang aller Zeiten – über den Wolken, im Himmel:

Silhouettes

Sun

Sun (2)

Orange Sun

Sun behind the clouds

Swirls

Ich hoffe, dieser Post gibt euch schon mal einen Eindruck, warum ich Hawaii so liebe und gerade vor Fernweh fast vergehe, während ich mir all diese Bilder anschaue. Der nächste Post wird sich dann um mein nächstes Maui Highlight neben dem Haleakala Vulkan drehen – die spannendste und schönste Straße überhaupt. Bis dann, Franzi

Leseliebe – Me before you

„You only get one life. It’s actually your duty to live it as fully as possible.“ – Jojo Moyes

So wie gefühlt im Moment jeder habe ich letztes Wochenende endlich Me before you von Jojo Moyes gelesen und war inzwischen auch im Film. Obwohl ich den Film sehr schön und emotional fand, schreibe ich hier nur über das Buch. Denn das war für mich noch viel tiefer und hat mich noch viel mehr zum Nachdenken angeregt und was dabei so herauskam, möchte ich hier mal mit euch teilen…

Den englischen Titel „Me before you“ – „Ich vor dir“ – schreibe ich hier nicht nur, weil ich das Buch auf englisch gelesen habe, sondern weil er meiner Meinung nach so viel mehr aussagt und bedeutet als die deutsche Übersetzung. Er erinnert uns an die Vergangenheit, die Vorgeschichten, die wir alle haben. Wir kommen ständig mit anderen Menschen zusammen, entwickeln uns auseinander und wachsen zusammen. Bringen aber mit uns auch immer unsere Erinnerungen und Erfahrungen. Meinungen, die uns und unsere Beziehungen prägen, die uns zeigen, wie wir uns und andere sehen. Und die oft auch unsere persönlichen Grenzen definieren.

„Me before you“ ist für mich keine reine Liebesgeschichte, sicher auch kein typischer romantischer Roman. Für mich ist es ein Buch über Grenzen und wie wir diese überwinden. Wir alle haben sie – physische, mentale, gesellschaftlich oder selbstaufgelegte Grenzen. Mal bewusst gezogen, mal jahrelang unbewusst, unsichtbar. Will Traynor, gelähmt, im Rollstuhl sitzend, ist nicht der einzige, der in „Me before you“ von seinen Grenzen eingeschränkt wird. Louisa, seine Pflegerin, hat sie, seine Eltern, ihre Eltern, die Geschwister. Wir alle haben Grenzen.

Blog

Und manchmal brauchen wir eben andere, die diese Grenzen sichtbar machen, uns an die Hand nehmen und uns helfen, sie zu überwinden. Menschen, die uns zeigen, dass das Leben nicht nur grau und trist ist, Menschen, die uns zeigen, dass die Welt so viel größer ist, als wir es je zu träumen gewagt hätten. Das Überkommen von Grenzen muss kein großer Schritt, keine weltverändernde Aktion sein. Es kann ein Film mit Untertiteln sein, ein Konzert, ein Flugticket, Wissen, ein Lächeln oder ein freundliches Wort. Was es auch ist, es wird unsere eigene, persönliche Welt verändern, unseren Horizont hinterfragen und erweitern.

Aber nicht alle Grenzen können oder wollen überwunden werden. Kein anderer, egal wie wichtig und einflussreich er ist, kann sie für uns überwinden. Es gibt Grenzen, die schützen uns. Grenzen, für deren Fall es noch nicht die richtige Zeit ist. Ich denke, es ist es wert, Grenzen ausfindig zu machen, vorzudrücken, gegen sie anzukämpfen. Wie sonst sollen wir uns weiterentwickeln, besser werden? Auch wenn es sich erstmal anfühlt, als würde uns das zurückwerfen. Doch wie ist das mit den Grenzen anderer? Können – dürfen  – wir entscheiden, ob es sich lohnt, diese zu bekämpfen, zu durchbrechen?

Um diese Frage geht es auch ganz stark in „Me before you“. Wissen wir, was für andere das beste, das richtige ist? Und wenn ja, dürfen wir dieses Wissen nutzen? Wollen wir unsere Liebsten zu ihrem besten schützen? Oder um unserer selbst willen, um uns vor Schmerz und Traurigkeit zu bewahren? Wir werden die Welt doch immer zuerst aus unserer Perspektive sehen, mit unserer Vergangenheit, unseren Grenzen. Wie können wir wissen, wo die Grenze eines anderen verläuft? Werden wir jemals die ganze Geschichte, das ganze Potential einer Person kennen und verstehen? Vermutlich nicht.

Und so kann es passieren, dass wir das beste für einen Menschen wollen und dabei das für ihn schlechteste bewirken. Es bleibt uns nur, zu versuchen, zuzuhören, andere an die Hand zu nehmen und sie zu ihren Grenzen zu führen. Wir können diese nicht für sie überwinden. Aber ihnen das Werkzeug geben, sie zu durchbrechen und das Wissen, dass wir auch noch auf der anderen Seite für sie da sein werden. Und manchmal müssen wir auch einfach mit ihnen hinter ihren Grenzen zurückbleiben.

Das klingt jetzt vermutlich für alle, die das Buch nicht kennen, sehr kryptisch, aber regt hoffentlich trotzdem zum Nachdenken an oder macht Lust, einige der Antworten auf diese Fragen in „Me before you“ zu finden. Dieses Buch wird euch vermutlich an einige emotionalen (Tränen)Grenzen bringen – aber es lohnt sich! Bis bald, Franzi