Liberty & Ellis Island

Der American Dream. Von vielen geträumt, wenn auch von nur einigen gelebt. Der Wunsch, in die USA zu gehen, neu anzufangen, sich dort ein Leben auszubauen. Für viele – und auch ein bisschen für mich – ist New York City ein Synonym zu diesem Begriff. Und so sind wir beim letzten Sonntag in New York diesem American Dream mal ein bisschen auf die Spur gegangen. In seinen ganz verschiedenen Facetten. Denn die Grenze vom Traum zum Alptraum ist ja bekanntermaßen fließend. Da ist also nicht nur der glitzernde Wunsch, das starke Idol, das wunderschöne Ideal – sondern eben auch die harte Arbeit, das Scheitern, die Anstrengung, die Unsicherheit und Angst. Die den Erfolg noch schöner machen, wenn sich alles auszahlt, aber durch die eben auch viel mehr zu verlieren ist und die es für viele beim Traum belässt.

Das Idol.

Collage Lady Liberty

Kaum eine Sehenswürdigkeit steht wohl mehr für New York und auch den American Dream als sie – Lady Liberty, die Freiheitsstatue. Oft habe ich sie schon gesehen – von der Esplanade, der Highline, der Brooklyn Bridge oder der Staten Island Ferry aus. Und immer ist sie mit diesem: „Ich bin wirklich in New York, das sind die USA“ – Gefühl verbunden. Beim letzten Mal wollte ich sie dann nicht nur aus der Ferne bestaunen, sondern eben ganz nah rankommen. Eine Fähre brachte uns vom Battery Park nach Liberty Island, wo wir die Statue umrunden konnten und auch auf das „Pedestal“ eine Art Plattform zu ihren Füßen konnten. Neben dem tollen Gefühl, der Freiheitsstatue mal ganz nah zu sein, sie in all ihren Details und nicht nur durch den Zoom meiner Kamera zu sehen, hat man von hier auch einen wunderschönen Blick auf die New Yorker Skyline. Und mit den Türmen des One World Trade Centers oder des Empire State Buildings, schossen da auch meine Träume, mein American Dream in den Himmel.

Collage Skyline

Die Realität.

Collage Ellis Island

Der Blick auf die Freiheitsstatue lässt nicht nur mich von einem Leben, von Glück und Erfolg in den USA träumen, sondern tat das selbe auch mit tausenden, Millionen Menschen vor mir. Einwanderern. Ausländer, Fremde, die ihr Glück in New York oder sonst wo in den USA suchten. Viele, die tatsächlich zu „Amerikanern“, wurden, die das Land zu dem machten, was es war, ist und sein wird. Aber auch viele, die scheiterten, gar nicht erst ins Land kamen, es unverrichteter Dinge wieder verließen oder ihre Träume in der neuen Welt einfach loslassen mussten, wo doch nicht alle Straßen mit Gold gepflastert waren. Diese Träumer, auf Zwischendecks und in der dritten Klasse, kamen bis zu den 50er Jahren alle auf Ellis Island an. Wurden überprüft, untersucht, befragt – ob sie den USA, dem American  Dream würdig seien… Diesen Menschen begegnet man im Immigration Museum auf Ellis Island. Riesige Fotodrucke zeigen ihre Gesichter, Leben und Erfahrungen, dazu gibt es noch eine kurze Dokumentation. Nicht ganz so glücklich und traumhaft wie die Freiheitsstatue, sondern eher ein wenig deprimierend, aber umso interessanter und ein gutes Gegengewicht zur Liberty Island. Mit der Fähre geht es von dort nämlich auch direkt weiter zu Ellis Island, auch das Museum ist im Preis für die Fähre mit drin.

Collage Museum

Und heute?

Der American Dream ist noch nicht ausgeträumt, auch heute gibt es noch so viele, die es in New York und anderswo schaffen wollen, in der Stadt, die niemals schläft, ihre Träume verwirklichen wollen. Zum Beispiel auf dem Broadway. Singen, tanzen, schauspielern und natürlich den Applaus der Menge hören. Wer auf dem Weg zu diesem Traum ist, den kann man vielleicht in Ellen’s Stardust Diner antreffen. Direkt am Broadway muss jeder Kellner hier vor der Einstellung vorsingen, denn das ist ein essentieller Teil des Jobs. Neben Milkshakes und Burger servieren wird immer wieder gesungen – von Oper über Pop bis Musical ist alles dabei. Warum? Zum einen natürlich zum Entertainment der Gäste, die am Sonntagabend auf der Straße Schlange standen und das bestimmt nicht nur wegen des leckeren Essen (aber auch deshalb!) und drinnen eine kleine Party zwischen mitsingen und berieseln lassen feiern können. Aber auch zur Unterstützung der Sänger, für deren Ausbildung gesammelt wird und deren Job auch ein Probecasting ist. Ein Schritt auf dem Weg zum hoffentlichen Erfolg, zur Erfüllung des amerikanischen Traums. Denn auch wenn dieser Weg lang, voller Kurven und Hindernisse ist, wird doch heute noch wie damals auf Ellis Island von den goldgepflasterten Straßen des Glücks geträumt.

Collage Random