Deutschlandtagebuch

Ich habe festgestellt, dass es zu diesem Post eine perfekte Blogparade gibt, nämlich von Heldenwetter, bei der es um das Heimkommen von einer Reise geht. Auf die Blogparade gestoßen bin ich durch einen Post auf unsettled destination, in dem Izabela auch über die Rückkehr von einem Au Pair Jahr schreibt. Was mir an dieser Blogparade am besten gefällt – man füllt sich nicht so allein. Nicht wie der einzige Alien, der zuhause plötzlich fremd ist.

Hier also meine Eindrücke zu meinem zweiwöchigen Besuch in Deutschland nach 11 Monaten als Au Pair in den USA:

Und jetzt liege ich schon wieder in meinem (hohen) Bett in Connecticut, bin seit anderthalb Stunden wach (es ist sieben Uhr morgens, hallo Jetlag!) und die Zeit in Deutschland ist schon wieder vorbei. Diese zwei Wochen waren sehr emotional, von viel Nachdenken, Euphorie und Vermissen geprägt. Da ich kaum Fotos gemacht habe, teile ich jetzt mal eine Mischung aus Tagebucheinträgen und Kalender mit euch, viel Spaß:

Vor dem Abflug: „Der Tag ist da. Der Countdown runtergezählt, die Taschen gepackt, die Aufregung auf dem Höhepunkt, in meinem Kopf der Gedanke: „Jetzt passiert es wirklich.“ Ich kenne diesen Gedanken, dieses Gefühl, wenn Träume/Visionen/Vorstellungen Wirklichkeit werden. Wenn sie tatsächlich passieren. (…) Und jetzt ist wieder ein Countdown runtergezählt, aber schon lange hat mich keiner mehr so in Aufregung, fast Angst versetzt. Denn es geht zurück. Eine Richtung, der ich in den letzten Monaten bewusst den Rücken zugewandt habe. Nach vorne, dem Neuen entgegen, auf ins Unbekannte. Und jetzt geht es nach Hause, zum Alten und Vertrauten, wenn auch nur für zwei Wochen. Schon lange hat sich nichts mehr so unsicher angefühlt. Wenn alles und alle beim Alten sind, was sollte dann anders sein? Ich.“

Die ersten Tage:

Glücksmomente

  • von meinen Großeltern am Bahnhof abgeholt werden
  • Central mit Katha (es tut mir so leid, dass ich verschlafen habe!!)
  • Ausschlafen können und Hotel Mama genießen
  • Ganz viel Theater (The Picture of Dorian Gray, Der Gestiefelte Kater, Kabale und Liebe, Das politisch korrekte Schneewittchen)
  • Downton Abbey suchten (im Gegensatz zu morgens war ich nachts nämlich fit!)
  • Brunch mit den liebsten Mädels
  • viele Wiedersehen
  • Monet und die Impressionisten
  • Lieblingsessen (Nic Nacs, Omas Apfelkuchen, Zimteis, Bagel, Waffeln, Chai Tea, Trüffelpasta, Flammkuchen… ja ich habe sehr gesund gelebt :D)
  • Autofahren mit Gangschaltung nicht verlernt!

Unglücksmomente

  • die Decke fällt mir auf den Kopf
  • Zimmer und Kleiderschrank passen nicht mehr
  • Gastfamilienvermissen
  • Kein „How are you?“, kein „Have a good one!“
  • in Schulzeiten zurückversetzt

Mir fällt es unheimlich schwer in Worte zu fassen, was mir an Zuhause nicht mehr gefiel, warum es mir – vorallem wenn ich allein war – nicht gut ging.

Wieder da. Wiedersehen mit dem Vertrauten, mit Zuhause. Wochen- und monatelang entgegengefiebert und ausgemalt. Jetzt ist es da und der erste Eindruck, die zweiten Gedanken nicht mehr rückgängig zu machen. Ich fühle mich, als wäre ich aus einem ganz besonderen Urlaub zurückgekehrt, einem intensiven Traum aufgewacht. Wieder in der Realität aber nicht bereit loszulassen. (…) In einer Woche geht es wieder zurück in die USA. Ich werde Mama, Oma, Opa und meine Mädels wieder vermissen, wieder auf meine Gastkinder schimpfen, vom Au Pair Leben genervt sein. Aber etwas wird anders sein. Ich weiß, dass ich gerade da hin gehöre. Dass ich noch nicht bereit bin, zurückzugehen.“

Dann kam der Wochenendtrip nach London, ich war seit einer Woche in Deutschland, der schlimmste Kulturschock war überwunden und ich fühlte mich in meiner zweiten Woche immer wohler und weniger eingeengt.

Glücksmomente

  • meine Theaterkinder wiedergesehen
  • Mädelsabend mit leckerstem Essen, Hugo und Erdbeersekt
  • Sommer
  • See
  • mehr Zeit mit meiner Mama und Großeltern
  • Ausstellung „In 80 Dingen um die Welt“
  • Familienabschiedsessen

Aber: die zweite Woche hatte nur noch drei Tage. Montag, Dienstag, Mittwoch und am Donnerstagmorgen ging es schon wieder zurück. Und das war mir dann irgendwie auch nicht so recht…

„Es ist das Austauschen von Orten, Menschen, Leben, das mit dem Wechsel einhergeht, vor dem ich mich fürchte. 2 Wochen sind genug Zeit, um den übelsten Kulturschok zu überwinden, anzukommen, sich wieder zuhause zu fühlen. Und dann ist die Zeit auch schon vorbei, war irgendwie viel zu kurz. Ich wollte doch noch… Ich dachte, ich könnte noch… Vorbei, es geht wieder zurück. Zurück in das Leben, das mir in den ersten graukalten Deutschlandtagen noch wie ein Traum, ein American Dream, vorkam und jetzt plötzlich wieder wie ungeschönte Realität.“

Und jetzt bin ich wieder hier, gestern morgen noch etwas Heimweh geplant, jetzt aber wieder eingewöhnt und glücklich. „I missed you!“, „I love you!“, hugs and kisses. Als ich beim Frühstück saß, ein Kind auf meinem Schoß, ein anderes an meinem Arm und das dritte an meinen Haaren, sagte die Oma der Kinder, die gerade zu Besuch ist: „Now you know why you came back.“ Oh ja!

Als Fazit: Ich bin sehr froh nach Deutschland gegangen zu sein. Die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden war wunderschön und beruhigend, dass sich freundschaftlich nichts verändert hat, ich nicht vergessen wurde. Auf der anderen Seite, weiß ich jetzt noch mehr zu schätzen, wie glücklich ich hier bin, mich in diesem Leben wohl fühle und die USA mag. Also auf die nächsten 11 Monate!

Bis bald, Franzi

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6 Gedanken zu “Deutschlandtagebuch

  1. Oh wow, das muss ja wirklich eine extrem emotionale Zeit gewesen sein! Schön, dass du das Ganze am Ende gut überstanden hast und dich darüber freuen konntest, wieder in der neuen Heimat zu sein. Ich hätte wahrscheinlich einmal daheim Rotz und Wasser geheult und wäre nicht wieder in den Flieger zurück in die Ferne gestiegen ;)
    Toller Beitrag, danke für die Eindrücke :) Und vielen Dank dafür, dass du an meiner Blogparade teilgenommen hast!

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