Leseliebe „The Paris Wife“

„Was stimmt mit uns allen nicht, Bill? Kannst du mir das sagen?‘ – ‚Zur Hölle, wenn ich es wüsste‘, sagte er. ‚Erst einmal trinken wir zu viel. Und wir wollen zu viel, oder nicht?“

Es gibt diese Bücher, die liest man nicht. Sie sind nichts Passives, über das wir entscheiden, sondern entwickeln vor unseren Augen ein Eigenleben. Sie saugen uns ein, ziehen uns in ihren Bann, nehmen uns mit in ihre Welt. So ein Buch war für mich „The Paris Wife“ von Paula McLain. Ein Buch, das mich anfangs so glücklich gemacht hat, in dessen 20er Jahre Eleganz und Charme ich eingesogen werden wollte. „Es war alles gut und schön, bis es das nicht mehr war.“ Wie perfekt das meine Stimmung beim Lesen dieser Geschichte beschreibt. Aber von Anfang an.

„The Paris Wife“ ist zunächst eine große Liebesgeschichte. Eine allumfassende Liebe, eine gegenseitige Rettung, der alles auffressende Wunsch, eins zu werden. Das Bedürfnis, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine gemeinsame Zukunft zu schaffen, gemeinsam glücklich werden zu können. Die Menschen, die sich verlieben heißen Hadley und Ernest. Jahre später wird er ein weltberühmter Autor sein und sie in Vergessenheit geraten. Doch in diesem Moment, sind sie nur zwei Verzweifelte, aufgefressen von dem Wunsch, frei zu sein und sich selbst zu finden.

Dieser Weg führt sie nach Paris, Liebende in der Blase einer verrückten, immer schneller werdenden Stadt. Sie beobachten, leben ihr Leben, haben sich. Aber natürlich hält dieser Zustand absoluter Isolation nicht lang, die Blase platzt, erste Kontakte werden geknüpft und ziehen die zwei Liebenden (und den Leser) in den Sog des Paris der 1920er Jahre.

Wir finden uns wieder in einer Zeit, in der ein vergangener Krieg allgegenwärtig ist, in der jeder Einzelne, Tod und Zerstörung nur knapp entronnen ist. Zurück bleiben eine zerbrochene Welt und  Menschen, an denen die Angst noch klebt. Nur überlagert vom Wunsch diese loszuwerden, frei zu sein.

„Es gab nur das Heute, in das du dich hineinwerfen konntest, ohne an morgen denken zu müssen, oder gar an für immer. Um dich vom Denken abzuhalten gab es Alkohol, mindestens einen Ozean voll, all die üblichen Laster und viel Strick um dich daran aufzuhängen.“

Die „Lösung“ kommt in Form von zu viel Alkohol, von endlosen Feiern und besinnungslosem Vergessen. Die Lösung ist, sich für einige Momente lebendig zu fühlen, die Angst zu ertränken und so die Illusion von Glück zu erzeugen. Um die Liebenden sind plötzlich so viele Menschen, so viele Möglichkeiten. Alle wollen alles auf einmal, gleichzeitig, unbeschränkt.

Je weiter die Geschichte mich zog, desto weniger war es ein historischer Roman, eine vergangene Epoche. Das Paris der 20er wurde zu einem Spiegel des Berlins, der Welt, der 2000er. All die Menschen, die den Abgrund, die Gefahr, den Tod fest im Blick haben, die die Augen schließen, weiter feiern, weiter tanzen. Alles wollen, aber nichts tun. Sich treiben lassen, aber aus Angst vor dem Untergehen wild um sich schlagen.

In dieser Zeit, die weit entfernt und doch so nah ist, werden Hadley und ihre Ehe zu einem Anachronismus. Die Frau, die sich wie alle die Haare abschneidet und daran nur unglücklich wird. Die Frau, die keine Künstlerin, sondern Ehefrau und Mutter sein will. Die Frau, deren Glück und deren Leben ein einzelner Mensch ist, an den sie sich so gerne klammern möchte, der sich aber nicht halten lässt. Die Frau, die so gerne stark und unabhängig wäre, dann aber doch wieder einsam und verzweifelt zurück bleibt.

Überall um die Liebenden sind Bewegung, Fortschritt, alles ist höher, schneller, weiter. Kann man in so einer Welt überhaupt stehen bleiben, zufrieden sein, zur Ruhe kommen? Und ist der Stillstand besser als der Rausch? Macht er glücklicher?

Alles Fragen, die Hadley beschäftigen, die Ernest beschäftigen, die ihr Umfeld beschäftigen. Fragen, die nicht gestellt werden, aber immer im Raum stehen. Und je schwieriger es wird an ihrer Ehe, an ihrer Liebe festzuhalten, desto mehr Fragen kommen hinzu. Gibt es so etwas wie die eine, große Liebe? Wie lange lohnt es sich, an ihr festzuhalten? Wie wächst man gemeinsam, ohne sich gegenseitig einzuschränken? Was muss man für die Liebe aufgeben und welche Opfer lohnt es sich zu bringen? Ist es das wert? Wollen wir gemeinsam stark sein oder unser eigenes Glück finden? Gibt es überhaupt noch eigenes Glück, wenn man sich selbst nicht mehr ohne den anderen sehen kann?

Je tiefer ich in die Geschichte, in diese Welt eintauchte und je klarer ich dadurch meine eigene sah, desto dringender wollte ich eine Antwort auf diese Fragen finden. Und desto schwieriger und wirrer wurde diese Aufgabe. Ob es mir am Ende gelungen ist? Dazu müsst ihr „The Paris Wife“ natürlich selbst lesen.

Bis bald, Franzi

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Leseliebe „The Goldfinch“

„Maybe one had to be lost, for all the others to be found.“

Vielleicht musste eines verloren sein, um all die anderen finden zu können.

„The Goldfinch“ bzw. „Der Goldfink“ von Donna Tartt ist eines der besondersten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Oder vielmehr gehört, ich hatte es nämlich als Hörbuch ausgeliehen. Aufgrund der Länge begleitete es mich über Wochen hinweg, ganz losgelassen hat es mich aber auch jetzt – zwei Monate nachdem ich damit fertig bin – immer noch nicht.

Denn Theo Decker, der Protagonist, dessen Werdegang wir von seinem 13. Lebensjahr an  begleiten, wurde in den über 32 gemeinsamen Hörbuch Stunden einfach zu einem Teil von mir. Ich würde nicht sagen, dass ich zu Theo wurde, denn eine gewisse Distanz blieb da schon noch zwischen uns. Ein bisschen fühlt es sich aber an, als wäre er mein Bruder oder ein sehr, sehr enger Freund. Ich kenne ihn, manchmal vielleicht sogar besser als er sich selbst, weiß, wie er tickt, was ihn antreibt. Ich sehe seine Welt durch seine Augen. Und trotzdem sehe ich auch das Unglück, das hinter der nächsten Kurve auf ihn wartet, will ihn stoppen und davor bewahren – greife aber wie ein Schatten ins Leere.

Mal wieder möchte ich nicht zu viel zur Handlung vorweg nehmen, nur so viel: Der junge Theo wird durch Zufall (gibt es den überhaupt?) in einen schrecklichen Vorfall in einem Kunstmuseum verwickelt. Dieser verändert und prägt sein Leben für immer. Er verliert die wichtigste Person in seinem Leben und gewinnt neue hinzu. Er begegnet einer oder mehreren großen Lieben. Er ist plötzlich ganz allein und muss seinen Weg finden. Und er geht unabsichtlich (gibt es das überhaupt?) eine ganz besondere Beziehung zur Kunst ein. Eine Beziehung, die ihn nie wieder loslassen wird und auch dieses Buch durchzieht.

Einerseits ist „The Goldfinch“ ein Kunstwerk. Es folgt einer perfekten Komposition, die wir erst am Ende angelangt, völlig wahrnehmen und würdigen können. Jede Schicht, jedes Detail, jedes Symbol, jedes Wort ist handverlesen und perfekt in die Komposition eingefügt. Das Buch ist unheimlich schön zu lesen und zu hören, man möchte Donna Tartts Worte niemals vergessen, besonders im letzten Abschnitt am liebsten jeden Satz als Zitat in die Welt schreien. Ein perfektes Buch, das uns zeigt, für das Schöne, für die Kunst zu kämpfen, egal wie viel Zeit oder Kraft es kostet.

Und dann ist da die Handlung. Chaos, Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit. „The Goldfinch“ ist keine schöne Geschichte, oft fühlt er sich gar nicht an, wie eine Geschichte, sondern vielmehr eine Chronik. Wir folgen Theos Leben, Tag für Tag, Woche für Woche. Wir sind an seiner Seite und erleben Wochen voller Langeweile und Stunden, in denen sich die Ereignisse überschlagen. Wir befinden uns mit ihm in einer Abwärtspirale, krabbeln in ihr hoch, versuchen zu entkommen und werden doch wieder eingesogen. Und egal wie nichtig und unbedeutend manche Ereignisse wirken, irgendwie brauchen wir sie doch, irgendwann passen sie ins Bild, tragen zum großen Ganzen bei.

Aber was ist das große Ganze? Worauf läuft all das hinaus? Was ist die Botschaft dieses Kunstwerks? Natürlich möchte ich das hier nicht vorwegnehmen – nur eins: es ist genauso zerrissen wie der Rest dieses Buchs. Zerrissen zwischen dem Wunsch nach Schönheit und der Machtlosigkeit vor der Realität.

Um euch ein bisschen etwas vom Gefühl des Goldfinks mitzugeben, hier einige meiner liebsten Zitate (auch wenn ich wie gesagt hier gerne das ganze Buch niederschreiben würde) und meine Gedanken dazu:

„My head in the rainclouds, my heart in the sky.“

Mein Kopf in den Regenwolken, mein Herz im Himmel.

Der Kopf und das Herz, auf ganz verschiedenen Ebenen, scheinbar unvereinbar. Und doch – wenn das Herz im Himmel ist, folgen wir ihm. Lassen den Kopf im Regen stehen und lieben.

„How can I see so clearly that everything I love or care about is illusion and yet, for me anyway, all that’s worth living for lies in that charm?“

Wie kann ich so klar sehen, dass alles, was ich liebe und was mir wichtig ist, eine Illusion ist und doch, zumindest für mich, liegt alles Lebenswerte in diesem Zauber?

„Every Disney Princess knows the answer: follow your heart. What if you can’t trust your heart?“

Jede Disney Prinzessin kennt die Antwort: folge deinem Herzen. Was, wenn du deinem Herzen nicht trauen kannst?

Da sind sie wieder, der Kopf und das Herz. Die Machtlosigkeit unseres Kopfes, der sich Ordnung wünscht, der den einfachen, den richtigen Weg vor uns sieht. Aber wir betreten ihn nicht. Denn was nützt uns eine gerade Strecke, wenn unser Herz im Labyrinth zurück bleibt. Was bleibt noch von uns, ohne unsere Passionen und Liebe, egal wie falsch sie sind?

„For me, life is catastrophe. No way out, but death.“

Für mich heißt Leben Katastrophe. Kein Ausweg als der Tod.

So düster, dunkel und aussichtslos. Aber auch so wahr. Denn es wird nie nur schön, nur gut sein. Das Schlechte wartet immer früher oder später. Also bleibt nur der Tod? Nein, denn…

„Because, between reality on the one hand and the point where the mind strikes reality, there’s a middle zone, a rainbow edge where beauty comes into being, where two very different surfaces mingle and blur to provide what life does not: and this is the space where all art exists and all magic.“

Denn zwischen der Realität auf der einen Seite und dem Punkt, an dem unsere Vorstellung die Realität trifft, gibt es eine Zwischenzone, den Rand eines Regenbogens, an dem Schönheit beginnt zu entstehen, wo sehr verschiedene Oberflächen sich verbinden und zu etwas verschwimmen, das das Leben uns nicht geben kann: und in diesem Raum existiert die Kunst und jede Magie. 

Diesen wunderschönen Worten kann ich auch nichts mehr hinzufügen, außer: auch wenn „The Goldfinch“ ein sehr langes und nicht immer einfaches Buch ist, hat es so viel Schönheit, so viele inspirierende Gedanken, so perfekte Worte und gleichzeitig so viel Echtheit in sich, dass sie über die Durststrecken und Dunkelheit hinwegtragen. Jeder, der etwas für Kunst empfindet, jeder, der schon einmal einen Fehler gemacht hat, der schon einmal etwas oder jemanden verloren, der schon einmal geliebt hat, wird sich in diesem Buch finden. Und verlieren. Aber das brauchen wir auch manchmal.

Bis bald, Franzi

Leseliebe – After you

„There might be no great adventures, sure,… But there were worse things, right? Than to be with your family, loved and secure? Safe?“

Schon in meinem letzten Buchpost habe ich ja über „Me before you“ von Jojo Moyes geschrieben. Da die Geschichte und die Charaktere mich nach Buch und Film immernoch nicht losließen, musste ich unbedingt auch noch den zweiten Band lesen, um sie hoffentlich ruhen lassen zu können.

„After you“ ist… definitiv ganz anders als das erste Buch. Während es im ersten Teil um unsere Vergangenheit, unsere Vorgeschichten geht und wie diese uns prägen und beeinflussen, widmet sich das zweite Buch den Nachgeschichten. Wie bewältigen wir die vollkommene Veränderung unseres Lebens, die dramatische Erweiterung unseres Horizonts, wenn wir damit plötzlich allein da stehen?

Die Geschichte war für mich erstmal ein kleiner Schock, da ich ein relativ klares Bild im Kopf hatte, wie sie ablaufen sollte und wie das Buch sich anfühlen würde. Beides war komplett anders. Aber: so ist das Leben. Wir konzentrieren uns auf etwas, stellen uns etwas vor, arbeiten darauf hin. Und dann kommt die Realität dazwischen, etwas Neues passiert, völlig unerwartet, zerstört (oder rettet?) unsere vorher gefassten Pläne. Im Nachhinein sehen wir oft, wie dieses unvermittelte Chaos ins Bild passte, warum es doch irgendwie notwendig war. Das macht es jedoch erstmal nicht leichter damit umzugehen. So ging es mir mit „After you“ und genauso geht es auch Louisa in der Geschichte.

Um diese Überraschungs- und Schockmomente nicht vorwegzunehmen, werde ich an dieser Stelle nichts mehr zur Handlung sagen. Auch ich habe mich völlig unvorbereitet in die Geschichte hineinfallen lassen und das ist meiner Meinung nach auch der beste Weg, sie zu lesen. Warum also dieser Post? Wie schon im ersten Teil gab es einige Themen, mit denen ich mich sehr gut identifizieren konnte, die mich tief berührt haben. Und diese möchte ich hier gerne teilen:

Erstmal geht es da ums Zurückkommen. Wie ist es, nach einem großen (oder kleinen) Schritt, nach dem Mut zusammennehmen, dem Neues wagen – zurückzukommen? Zurück in die Vergangenheit, zurück ins Alte und Vertraute? Zurück an Orte, an denen sich nichts verändert zu haben scheint, von denen man sich Jahrzehnte entfernt fühlt und an denen niemand die persönliche Entwicklung versteht. Es scheint so verlockend, sich ins Bekannte zu verziehen, sich in der Komfortzone einzuigeln, wieder anzukommen. Und doch ist das nicht (ganz) möglich. Denn wir sind nun einmal nicht mehr dieselben. Wir können neue Erfahrungen nicht unerlebt machen, Gelerntes nicht ungelernt, Gewusstes nicht ungewusst. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.

Es ist hart, zurückzukommen, scheint einem oft nur zu zeigen, was man alles vermisst, was alles fehlt. Aber es ist auch hilfreich. Denn das Zurückkommen zwingt uns zu fragen, wer wir sind. Wer wir geworden sind. Und ob wir diese Person sein wollen? Wo gehören wir hin? In die alte Komfortzone, die vielleicht nur umgebaut werden muss, damit sie wieder passt? Oder raus, weg, weiter? Zu neuen Ufern, auf neuen Wegen, weiter auf der Suche nach einem Ort zum Ankommen? Und gleichzeitig gibt uns das Zurückkommen das Wissen, dass da immer ein Ort ist, an den wir zurückkehren können. Denn auch wenn der Ort und das Leben nicht mehr passen – so gibt es doch meist Menschen dort, die das umso mehr tun!

Natürlich geht es in „After you “ um noch viel mehr und eines dieser Themen sind Träume. Die gehen ebenfalls mit den Horizonterweiterungen einher, entstehen ja oft erst, wenn wir die Komfortzone hinterfragen und verändern oder verlassen wollen. Aber wie weit lohnt es sich dafür zu gehen? Was, wenn die Erfüllung unserer Träume ganz und gar nicht traumhaft ist, sondern hart und schwer? Was, wenn der Weg zum vermeintlichen Glück uns viel unzufriedener macht, als der gemütliche Stillstand? Dann heißt es meiner Meinung nach Augen zu und durch sowie lernen, im Regen zu tanzen und Limonade zu machen. Das Erfüllen von Träumen ist wohl selten bis nie einfach, beinahe immer etwas gruselig und verunsichernd. Aber das ist es wert. Denn auch, wenn wir unser Ziel nicht erreichen oder feststellen, dass wir dort gar nicht hinwollen, haben wir uns bewegt, gelernt, uns weiterentwickelt. Sind ein Risiko eingegangen und haben uns selbst ein bisschen besser kennengelernt. Ob selbstgewählte oder vom Leben zugeworfene Herausforderung – nehmen wir sie an, bleiben wir in Bewegung, leben wir.

Und mit diesen gesammelten Weisheiten lege ich euch „After you“ nochmal ans Herz. Auch wenn es anders ist als sein Vorgänger – so ist das Leben und sowohl Jojo Moyes als auch Lou mussten in Bewegung bleiben. Also gebt dem Neuen eine Chance, denn wir können das Alte ja trotzdem noch lieben. Und lasst mich unbedingt wissen, was danach euer Fazit ist. Bis bald, Franzi

Leseliebe – Me before you

„You only get one life. It’s actually your duty to live it as fully as possible.“ – Jojo Moyes

So wie gefühlt im Moment jeder habe ich letztes Wochenende endlich Me before you von Jojo Moyes gelesen und war inzwischen auch im Film. Obwohl ich den Film sehr schön und emotional fand, schreibe ich hier nur über das Buch. Denn das war für mich noch viel tiefer und hat mich noch viel mehr zum Nachdenken angeregt und was dabei so herauskam, möchte ich hier mal mit euch teilen…

Den englischen Titel „Me before you“ – „Ich vor dir“ – schreibe ich hier nicht nur, weil ich das Buch auf englisch gelesen habe, sondern weil er meiner Meinung nach so viel mehr aussagt und bedeutet als die deutsche Übersetzung. Er erinnert uns an die Vergangenheit, die Vorgeschichten, die wir alle haben. Wir kommen ständig mit anderen Menschen zusammen, entwickeln uns auseinander und wachsen zusammen. Bringen aber mit uns auch immer unsere Erinnerungen und Erfahrungen. Meinungen, die uns und unsere Beziehungen prägen, die uns zeigen, wie wir uns und andere sehen. Und die oft auch unsere persönlichen Grenzen definieren.

„Me before you“ ist für mich keine reine Liebesgeschichte, sicher auch kein typischer romantischer Roman. Für mich ist es ein Buch über Grenzen und wie wir diese überwinden. Wir alle haben sie – physische, mentale, gesellschaftlich oder selbstaufgelegte Grenzen. Mal bewusst gezogen, mal jahrelang unbewusst, unsichtbar. Will Traynor, gelähmt, im Rollstuhl sitzend, ist nicht der einzige, der in „Me before you“ von seinen Grenzen eingeschränkt wird. Louisa, seine Pflegerin, hat sie, seine Eltern, ihre Eltern, die Geschwister. Wir alle haben Grenzen.

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Und manchmal brauchen wir eben andere, die diese Grenzen sichtbar machen, uns an die Hand nehmen und uns helfen, sie zu überwinden. Menschen, die uns zeigen, dass das Leben nicht nur grau und trist ist, Menschen, die uns zeigen, dass die Welt so viel größer ist, als wir es je zu träumen gewagt hätten. Das Überkommen von Grenzen muss kein großer Schritt, keine weltverändernde Aktion sein. Es kann ein Film mit Untertiteln sein, ein Konzert, ein Flugticket, Wissen, ein Lächeln oder ein freundliches Wort. Was es auch ist, es wird unsere eigene, persönliche Welt verändern, unseren Horizont hinterfragen und erweitern.

Aber nicht alle Grenzen können oder wollen überwunden werden. Kein anderer, egal wie wichtig und einflussreich er ist, kann sie für uns überwinden. Es gibt Grenzen, die schützen uns. Grenzen, für deren Fall es noch nicht die richtige Zeit ist. Ich denke, es ist es wert, Grenzen ausfindig zu machen, vorzudrücken, gegen sie anzukämpfen. Wie sonst sollen wir uns weiterentwickeln, besser werden? Auch wenn es sich erstmal anfühlt, als würde uns das zurückwerfen. Doch wie ist das mit den Grenzen anderer? Können – dürfen  – wir entscheiden, ob es sich lohnt, diese zu bekämpfen, zu durchbrechen?

Um diese Frage geht es auch ganz stark in „Me before you“. Wissen wir, was für andere das beste, das richtige ist? Und wenn ja, dürfen wir dieses Wissen nutzen? Wollen wir unsere Liebsten zu ihrem besten schützen? Oder um unserer selbst willen, um uns vor Schmerz und Traurigkeit zu bewahren? Wir werden die Welt doch immer zuerst aus unserer Perspektive sehen, mit unserer Vergangenheit, unseren Grenzen. Wie können wir wissen, wo die Grenze eines anderen verläuft? Werden wir jemals die ganze Geschichte, das ganze Potential einer Person kennen und verstehen? Vermutlich nicht.

Und so kann es passieren, dass wir das beste für einen Menschen wollen und dabei das für ihn schlechteste bewirken. Es bleibt uns nur, zu versuchen, zuzuhören, andere an die Hand zu nehmen und sie zu ihren Grenzen zu führen. Wir können diese nicht für sie überwinden. Aber ihnen das Werkzeug geben, sie zu durchbrechen und das Wissen, dass wir auch noch auf der anderen Seite für sie da sein werden. Und manchmal müssen wir auch einfach mit ihnen hinter ihren Grenzen zurückbleiben.

Das klingt jetzt vermutlich für alle, die das Buch nicht kennen, sehr kryptisch, aber regt hoffentlich trotzdem zum Nachdenken an oder macht Lust, einige der Antworten auf diese Fragen in „Me before you“ zu finden. Dieses Buch wird euch vermutlich an einige emotionalen (Tränen)Grenzen bringen – aber es lohnt sich! Bis bald, Franzi

Leseliebe – John Green und die wundersamen Mädchen

Sie sind wunderschön, heiß, tiefgründig, freigeistig. Sie sind stimmungsschwankend, geheimnisvoll, unergründlich und ungreifbar. Sie sind mal freudesprudelnd, mal depressiv, mal wütend, immer unberechenbar. Sie heißen Alaska Young und Margo Roth Spiegelmann und nehmen einen großen Teil der Fantasien Miles und Quentins ein. Und sie entstammen der Fantasie John Greens.

Schon mit „The Fault in Our Stars“ hat dieser Mann mich mitten ins Herz getroffen, seine Worte immer unterlegt von meinen Gedanken: „Das ist SO wahr! Woher weiß er das? Genau so ist es, warum habe ich das noch nie erkannt?“ Genau das hat er auch wieder mit „Looking for Alaska“ und „Papertowns“ geschafft, die ich beide vor kurzem als Hörbücher gehört habe. Sie sogen mich ein, ließen mich den Atem anhalten, mein Leben vergessen und es gleichzeitig ein bisschen besser verstehen.  Und wieder waren sie SO wahr.

Full World
Quelle: Mella Drama

Diesmal hatte ich dieses Gefühl allerdings nicht von Anfang an. Denn Alaska und Margo waren doch ein bisschen zu wundersam, ein bisschen zu verehrungswürdig. Sie waren zu anders, zu unangepasst und mysteriös, um wahr zu sein.  Bis sie von Scheinbildern zu Menschen wurden… Bis sie nicht mehr nur noch wundersam, sondern normal wurden. Denn unperfekt, komplex und voller Fehler zu sein – das ist doch normal. Das sind wir doch alle, vom unscheinbaren Nerd bis  zur märchenhaftesten scheinbar Fee. Das sind sogar Alaska Young und Margo Roth Spiegelmann.

Deeply Unhappy Person
Quelle: Pinterest

Ihre Geschichten sind verschieden, sowohl ihre Vergangenheit als auch Zukunft, ihr Charakter als auch Umfeld. „Looking for Alaska“ und „Papertowns“ sind ganz verschiedene Bücher und doch haben sie vieles gemeinsam. Ein einsamer, außenseitlicher Junge erzählt die Geschichte, fasziniert bis besessen von erwähntem Wundermädchen. Er verliebt sich jedoch nicht nur Hals über Kopf in ein Mädchen, sondern durch sie auch in das Leben. Er verlässt den sicheren Panzer, geht Risiken ein, lässt sich auf Menschen ein. Schließt Freundschaften oder lernt seine Freunde zu schätzen.

Something Remarkable
Quelle: flickr

Die Freunde, die die Schwärmereien über das Wundermädchen endlos lange ertragen. Die Freunde, die auch dann noch da sind, wenn das Wundermädchen es nicht mehr ist. Die Freunde, die immer wieder Fehler machen, versagen, Idioten sind. Genauso wie der Junge selbst. Genauso wie jeder. Denn das ist es wohl, was man erkennen muss, wenn man sich auf Menschen einlässt: sie sind nicht perfekt. Wir sind alle nur wir, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn man etwas anderes erwartet, wird man früher oder später enttäuscht.

Gilt das auch für Wundermädchen? Sind sie am Ende viel mehr Mädchen als Wunder? Und wie fühlt es sich an, ein Mädchen zu sein, von dem alle ein Wunder erwarten, das dieses sogar von sich selbst erwartet?

Great Perhaps
Quelle: Pinterest

Die Bücher stellen viele Fragen, beantworten einige, lassen mindestens genauso viele jedoch auch offen. Sind wir Fenster oder Spiegel? Können wir je um unserer selbst Willen geliebt werden oder lieben wir immer nur die Idee eines Menschen? Sind wir dazu bestimmt zu versagen? Wie kommen wir aus dem Leiden heraus? Können wir eine andere Person jemals völlig verstehen, jemals diese andere Person werden? Und wenn nicht, wie können wir trotzdem zusammen leben, lieben, glücklich werden?

Auch nachdem die letzte Seite umgeblättert wurde, das letzte Wort gesprochen wurde, hallen diese Fragen nach. Sie steigen aus den Geschichten heraus, lösen sich von ihren Charakteren und legen sich um uns. Begleiten uns, bis wir für uns eine Antwort auf sie gefunden haben. Vielleicht sogar für immer. Danke John Green, dass du Wundermädchen schaffst genauso wie Normalojungen. Dass du uns zeigst, dass der Unterschied zwischen den einen und den anderen gar nicht so groß ist. Dass du verstehst, dass man ohne Freunde nicht leben kann, auch wenn sie Idioten sind. Dass du richtige Antworten findest und die richtigen Fragen unbeantwortet lässt. Danke, dass du echt bist und deine Geschichten dadurch nicht auf den Seiten bleiben sondern genauso echt werden.

Bis bald, Franzi

Leseliebe – „Selection“

Ich mag Dystopien. Ich habe die Hunger Games verschlungen, Divergent meist genossen. Ich habe bucherprobte Überlebensstrategien für Mondkatastrophen, Alieninvasionen und Epidemien bereit. Für die fünfte Welle sowieso. Aber gegen eine Reihe dieses Kosmos aus Schwarzmalerei sträubte ich mich hartnäckig. Selection. „Wie der Bachelor und die Hunger Games nur ohne Blut“, hörte ich als Zusammenfassung immer wieder und ging automatisch in Abwehrhaltung. Nein, danke. So ein Quatsch! Wiederkehrende Instagramposts der traumschönen Cover und die anhaltende Begeisterung einer Youtuberin (Laura Laqu) waren dann aber letztlich doch die Tropfen, die den Stein höhlten. Zum Glück!

 

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Quelle: Andi’s  ABCS

Ich erwartete entspannte Unterhaltung, nichts zu Dramatisches, etwas Spannung, für ein paar Stunden in eine andere Welt eintauchen und dann zum nächsten Buch weitergehen. So einfach ging es dann aber doch nicht. Denn die Selection Welt packte mich völlig unvermittelt, hielt mich fest und hat bis heute noch nicht losgelassen. Stattdessen warte ich voller Vorfreude auf den letzten, fünften Band der Reihe und versuche so schnell wie möglich an die dazugehörige Kurzgeschichtensammlung zu kommen. Ich liebe es, wenn Geschichten mich vollkommen einnehmen, wenn ich mich in sie fallen lassen kann, die Charaktere meine Freunde und die Orte mein Zuhause werden. Ich gebe mein eigenes Leben gerne für ein paar Stunden, Tage oder Wochen auf und werde eine andere. In diesem Fall lebe ich gerade zeitweise immer noch im Palast Illeas , trage wunderschöne, extra für mich angefertigte Kleider und hoffe, dass der Prinz sich in mich verliebt.

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Quelle: Tumblr

Woran liegt es jetzt also, dass sich meine Meinung so geändert hat? Zum einen sind es wohl die vielen Facetten des Buches. Die Geschichte Illeas, die einzelnen Staaten und ihre Bewohner, die Welt des Palastes, die Kasten, die Rebellen. Politik, Geschichte, Geheimnisse und natürlich Liebe und Romantik. Die Bücher haben einfach alles, ich kann mir richtig vorstellen, wie viel Spaß die Autorin beim Entwerfen dieser USA – viele Jahre nach denen wir hier leben – hatte.

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Quelle: Like Success

Viel wichtiger sind aber noch die Charaktere, denn sie machen das Buch so spannend und ungewöhnlich. Nicht weil sie unheimlich sympathisch sind – ganz im Gegenteil! Gerade Protagonistin America hätte ich mindestens so oft gerne gegen die Wand geklatscht, wie ich sie bewunderte und mit ihr mitfieberte. Denn gerade ihre Macken, ihre Sturköpfigkeit, extremer Selbstbezug und oft anstrengenden Gedanken machen sie zu einer runden Person, zu einem Menschen, der nicht irgendeiner Märchenwelt entsprungen zu sein scheint, sondern uns jeden Tag begegnen können.

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Quelle: Pinterest

Und so verhält es sich auch mit den anderen Personen – die Mädchen der Selektion, allen voran Marlee und mein Liebling, Celeste -, Americas Dienerinnen, Prinz Maxon, seine Eltern, die Rebellen. Sie alle sind voll kleiner Details, unerwarteter Motive und immer wieder durchscheinender Tiefe. Und genau das ist es, was mich an den „Selection“ Büchern fesselt und auch nach dem Lesen nicht loslässt. So viele Fragen abseits des Haupthandlungsstranges. So viele Ideen, so viele Möglichkeiten, so viele „Was-wäre-wenns“. Und natürlich auch die wunderschönen Liebesgeschichten. Und die Beschreibungen der Kleider!

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Quelle: Kiera Cass

 

 

Leseliebe und Filmeinung / Warum ich mich am Ende der Welt erfreue…

Eine Epidemie, die Gefahr des Mondes, die Anderen… Diese drei könnten laut der Autoren von „The Way We Fall“, „Life as we knew it“ und „The Fifth Wave“ für das Ende unseres Lebens verantwortlich sein. Des Lebens, wie wir es kennen, an das wir gewöhnt sind. Oder sogar das Ende der Menschheit, der Welt? Auch wenn die zwei Bücher und der eine Film ihren ganz eigenen Stil, eigene Charaktere, Ideen und Handlungen habe,n verbinden sie durch die Endzeit Thematik auch viele Parallelen und die möchte ich hier beschreiben und versuchen zu erklären, was mich so reizt, am Tod und der Zerstörung am Ende der Welt…

Quelle: barefootmeds

Alle drei Geschichten fangen mit harmlosen Highschool Leben an. Das typische Leben amerikanischer Teenager, wie Hollywood es uns vorgaukelt und es hier vielfach auch passiert. Wer lädt wen zur Prom ein? Welches Hobby ist cool und wird trotzdem von den Eltern genehmigt? Da sind zu viele Hausaufgaben, nervige Geschwister, Streit mit den Eltern. Besonders die Protagonistin in „Life as We Knew it“ fand ich am Anfang unerträglich naiv und oberflächlich (was für den Fortgang der Handlung aber perfekt war). Auch der Verlust einer ihrer besten Freundinnen scheint ihr keine Tiefe gegeben zu haben. Sie kreist ausschließlich um sich selbst, versucht die Menschen in ihrem Umfeld nicht zu verstehen. „When you are in Highschool everything feels like the end of the World“, denkt Kassi in „The Fifth Wave“. Alle drei Geschichten haben diese Arten vom Ende der Welt. Der beste Freund, zu dem Funkstille herrscht. Die schwangere Freundin des geschiedenen Vaters. Der geheime Schwarm. Und dann wird dieses Ende der Welt plötzlich zu etwas Wörtlichem, Greifbaren. Der Mond kommt näher und bringt Gezeiten und Alltag aus dem Gleichgewicht, eine unbekannte Krankheit fordert die ersten Todesopfer, die Anderen schicken die erste Welle und rauben die Elektrizität. Es beginnt als Spektakel, als Spannung und Attraktion, wird nur langsam bedrohlich.

Quelle: kirbyhowell

Die Katastrophe kommt nicht unmittelbar, sondern Schritt für Schritt. Und mit jedem Schritt hat sie die Unsicherheit, die Angst und Nervosität auf den Fersen. Das Leben ändert sich, aber die Maßstäbe tun es noch nicht. Das ist nur eine Phase, das wird vorbei gehen. Bald wird wieder alles „back to normal“ sein. Und dann wird die Gefahr unübersehbar, die blanke Angst kommt und mit ihr verrücktes Einkaufen, das aussetzen sozialer Normen. Das Leben, das wir alle kennen und (wenn auch unbewusst) lieben, rückt immer weiter in die Ferne. Maßstäbe und Einstellungen müssen folgen, sich anpassen. Die globalen Auswirkungen der Katastrophen scheinen weit weg. Informationen sickern nicht mehr so leicht durch, da sind Überflutungen, Vulkanausbrüche, Angriffswellen, zahllose Tote.

“We’re here, and then we’re gone, and it’s not about the time we’re here, but what we do with the time.”:
Quelle: Pinterest

Und da sind die unmittelbaren Konsequenzen: keine Elektrizität, kein Benzin, kein frisches Wasser oder Lebensmittel. Winter im Sommer, Naturkatastrophen. Kein gesellschaftlicher Zusammenhalt mehr, eine Gruppe von Einzelkämpfern, die nur das eigene Überleben im Sinn haben. Blut ist dicker als Wasser, nicht viele können gerettet werden oder auch nur Mitleid bekommen, Freunde sterben, Religion wird zu Fundamentalismus, Gewalt zur Normalität. Leben oder Tod ist die einzige Entscheidung, auf die es noch ankommt. Und Liebe?

Quelle: beforeitsnews

Da sind noch andere Fragen: Was für eine Art von Leben ist eigentlich lebenswert? Warum überleben, wenn der Weltuntergang ohnehin bevor steht? Wenn alle, die man liebt, schon gegangen sind? Lohnt sich Liebe im Angesicht des Todes? Brauchen wir sie zum Überleben oder ist sie ein Luxus, den wir mit warmem Wasser und Handys über Bord werfen sollten? Können wir für unser Leben kämpfen und uns trotzdem hinterher noch in die Augen sehen? Menschen bleiben? Gibt es überhaupt ein Hinterher? Und wenn nicht, wofür kämpfen wir dann?

Quelle: Monroevillelibrary

Diese Geschichten klingen oft verrückt, scheinen von Welten zu erzählen, von Realitäten, die meilenweit von unseren entfernt sind. Aber die Entwicklungen und auch ein Blick in die Nachrichten dieser Welt zeigen, dass sie es nicht sind. Es kann so schnell gehen. Ein Leben, das sich um Promkleider und Schwärmereien dreht, kann so schnell nur noch ums Überleben kämpfen. Und dafür alles tun, was nötig ist. Ich glaube nicht, dass uns das Ende der Welt bevorsteht, dass ich mich auf Alienattacken oder Epidemien vorbereiten muss. Aber ich weiß, dass es mir unendlich gut geht, dass ich mir Oberflächlichkeiten und First World Problems leisten kann. Dass es vielen anderen nicht so geht. Und ich es deshalb umso mehr genießen sollte.

Bis bald, Franzi

PS: Ich habe gerade rausgefunden, dass all diese Bücher Serien sind… Also viel neuer Lesestoff!

Unsere kleine Unendlichkeit…

Ich bin zwar seit heute wieder aus Amsterdam zurück, konnte den Post aber von da nicht veröffentlichen. :/ Deshalb kommt er jetzt erst:

Eigentlich wollte ich keinen Post zu The fault in our Stars, der Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher, schreiben. Aber jetzt, wo ich in Amsterdam, am Ort des Geschehens bin, tue ich es doch.

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Das Buch kam für mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich las, lachte, weinte und hatte immer wieder einen Gedanken. “ Das ist so verdammt wahr.“
Als ich dann zum ersten Mal von der Verfilmung hörte, war ich enttäuscht. Die Schauspieler aus Divergent waren meiner Meinung nach absolute Fehlbesetzungen, Tris zu schön, stark und unnahbar; ihr Bruder blass und schon halb aus meinem Gedächtnis verschwunden. Und jetzt sollten sie Hazel und Gus werden.
Im Trailer gibt es eine Szene, in der Gus sie nach ihrem Namen fragt und sie mit quäkender Kleinmädchenstimme „Hazel“ antwortet. Und kichert. Hazel kichert nicht. Es ist glaube ich auch das einzige Kichern in diesem Film, schreckte mich aber nachhaltig ab.
Und dann kamen die ersten Rezensionen zum Film „Das Buch in Bildern“, die „Worte lebendig gemacht“. Solche Meinungen machten mich dann doch neugierig und ich schleppte meine Mädels ins Kino.
Und ja, die positiven Kritiken sind „so verdammt wahr“, die Bilder des Films werde ich nicht vergessen und sie sind mit John Greens Worten verschmolzen und machen alles noch viel wahrer.

Und die Botschaft noch deutlicher: Dass es nicht wichtig ist, wie lange man lebt, wie groß die Unendlichkeit von Momenten ist, die uns vergönnt sind. Sondern dass es darauf ankommt, wie man sie lebt. Dass man auch in den traurigsten und aussichtslosesten Zeiten schöne Momente erlebt und diese umso wertvoller werden.
Wie es auch Anne Frank versucht und erlebt hat, deren Versteck Hazel und Gus besucht haben und das ich heute auch besucht habe.

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Wodurch The Fault in our Stars und Das Tagebuch der Anne Frank dann wenn überhaupt möglich, noch wahrer wurden. „So, so, so verdammt wahr!“
Bis bald, Franzie

Wenn ich bleibe…

Vor ungefähr einer Woche habe ich den Trailer zum Film „Wenn ich bleibe“ gesehen. War zu Tränen gerührt und hatte gleichzeitig den starken Drang, ganz tief in diese Geschichte einzutauchen. Einen Tag später lief ich in unsere Bücherei und kam mit dem Roman „Wenn ich bleibe“ von Gayle Forman zurück. Ich glaube manche Bücher wollen einfach von mir gelesen werden und so war es auch bei diesem. Und ich habe es keine Sekunde bereut!

Ein paar Sekunden können alles verändern. Ich erinnere mich noch genau an den Anruf, der mich von einer strahlenden Wolke 7 aussichtslosbesorgt ins Krankenhaus brachte. An den Morgen, an dem ich kribbelnd vor Vorfreude aufwachte und den Rest des Tages heulte. Und an das ängstlich erwartete Skypedate, das mindestens eine Woche für Dauereuphorie sorgte. Diese Momentveränderungen funktionieren also in beide Richtungen. In Mias Fall ist die Richtung klar. Sie sitzt mit ihrer Familie im Auto, ein freier Tag, auf dem Weg zu Freunden. Sie ist verliebt, talentiert, erfolgreich. Und dann sieht sie ihre Eltern auf der Straße liegen. Tot. Und sich selbst. Schwer verletzt. Im Koma.

Ich verrate damit nicht zu viel, denn das ist die Handlung des ersten Kapitels von „Wenn ich bleibe“ von Gayle Forman. Meine Ausgabe hat 271 Seiten, in denen ein ganzes Leben steckt. Mindestens. Eigentlich ist es ein kleines Universum. Mias Universum. Gefüllt mit ihrem Cello, ihren Eltern, ihrem kleinen Bruder, Adam, Kim, ihren Träumen, Zukunftsplänen und Kindheitserinnerungen.

Gleichzeitig geht es aber auch um allgemeinere Themen: Wie viel kann ein Mensch ertragen? In welcher Situation lohnt es sich weiterzuleben? Wann sollte man gehen? Wie finde ich die richtigen Antworten? Und wie geht es nach diesen lebensverändernden Momenten weiter? Was ändern sie in uns?

Ihr merkt schon, die Geschichte hat bei mir absolut einen Nerv getroffen. Ich war zwar oberflächlich gesehen niemals in Mias Situation und trotzdem konnte ich mich mit unheimlich vielen der Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, der Gedanken, die sie sich machte, identifizieren. Ihre Geschichte hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht, beides mitunter an unpassenden Stellen, beides hat sich aber richtig angefühlt.

Ich würde „Wenn ich bleibe“ immer wieder lesen, auch wenn ich Mias Entscheidung jetzt schon kenne. Denn das Buch ist weder fair, noch verständlich, noch versöhnlich. Aber es ist ein wunderbarer Mutmacher! Man kann sich nicht immer aussuchen, in welche Situationen man gerät. Aber man kann entscheiden, wie man damit umgeht.

Bis bald, Franzie

PS: Ich habe den Trailer gerade nochmal geschaut. Heule schon wieder. Ich hoffe, der Film wird auch nur annähernd so gut wie das Buch und der Trailer!

Von Politik und Prüderie…

In meinem Leseverhalten lässt sich im Moment ein dezentes Muster erkennen…Lesestoff  Zugegeben, ich lese auch noch andere Bücher (aktuell zum Beispiel die „Rache trägt Prada“), aber bewusst oder unbewusst haben sie alle etwas mit den USA zu tun.

Um mein Fernweh/meine Vorfreude nochmal so richtig zu pushen, habe ich mir in der Bibliothek „Allein unter Doppel-Whoppern“ von Reymer Klüver mitgenommen. Vielleicht kennt ihr die Buchreihe des Ullstein Verlags, in der Deutsche von ihren Erfahrungen im Ausland berichten. Ich habe davon bereits „Quattro Stagioni“ (Italien) und „Fish and Fritz“ (England). Ersteres mochte ich ganz gern, letzteres leider gar nicht. Es kommt halt immer stark auf die Autoren an, ob sie und ihr Schreibstil einem sympathisch sind.

Umso gespannter war ich, ob Reymer Klüver mich überzeugen würde… Und das hat er, so viel sei schonmal verraten!

Klüver geht als Auslandskorrespondent der Süddeutschen Zeitung mit seiner Frau und seinen 3 Kindern (2 Mädchen, 10 und 8, und 1 Junge, 6) nach Bethesda bei Washington DC. In diesem Satz finden sich auch schon zwei Gründe, warum das Buch besonders für angehende Au Pairs interessant sein könnte: Denn erstens kommen sehr viele Au Pairs nach Washington oder in die Umgebung und zweitens schreibt Klüver natürlich auch immer mal über das Leben seiner Kinder, die Schule, Hobbies und die obligatorischen Sommercamps (denke nur ich dabei an die Addams Family??).

Klüver sucht sich pro Kapitel meist ein allgemeines Thema (zum Beispiel einen Feiertag, Religion, Geschichte, das Sozialsystem, Politik, Prüderie, Ernährung,…), nutzt als Aufhänger ein persönliches Erlebnis und untermauert seine Erfahrungen dann noch durch Anekdoten aus seiner Arbeit als Journalist und gerne auch Statistiken oder Umfrageergebnissen. Was mir an dem Buch so gefallen hat, ist Klüvers grundsätzlich positive Einstellung zu den Amerikanern und den USA. Zwar ist der Humor immer mal ironisch(was ich sehr mag), aber dabei nie zu bissig.  Das Buch ist außerdem superschnell und locker durchzulesen. Das führt mich allerdings auch zu einem kleinen Kritikpunkt beziehungsweise etwas, das ich schade fand: Es ist zu kurz. Bei knapp 300 Seiten können die Themen und vorallem kritischen Aspekte natürlich nur gestreift werden. So bekommt man zwar einige Denkanstöße, aber oft bleibt dann doch ein „Das ist halt so“ am Ende stehen.

Natürlich ist das Ziel des Buches in erster Linie Unterhaltung und die wird auf jeden Fall geboten. Mir hat das Lesen auf jeden Fall ein paar sommerliche Balkonstunden versüßt und außerdem meinen Wunsch verstärkt, sofort in den Flieger zu springen. Außerdem habe ich inzwischen entdeckt, dass Reymer Klüver noch ein zweites Buch über die USA veröffentlicht hat, nämlich „Amerikas letzte Chance: Warum sich die Weltmacht neu erfinden muss“ und das werde ich so bald wie möglich auch lesen und da wahrscheinlich auch mehr Tiefgang finden.

Bis bald, Franzie